Samstag, 26. Oktober 2019

Er schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! (Lk 18,13)

30 Sonntag im Jahreskreis  

Evangelium                                                   Lk 18, 9–14

In jener Zeit
9erzählte Jesus einigen,
die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren
und die anderen verachteten,
dieses Gleichnis:
10Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten;
der eine war ein Pharisäer,
der andere ein Zöllner.
11Der Pharisäer stellte sich hin und sprach bei sich dieses Gebet:
Gott, ich danke dir,
dass ich nicht wie die anderen Menschen bin,
die Räuber, Betrüger, Ehebrecher
oder auch wie dieser Zöllner dort.
12Ich faste zweimal in der Woche
und gebe den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.
13Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen
und wollte nicht einmal seine Augen zum Himmel erheben,
sondern schlug sich an die Brust
und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!
14Ich sage euch:
Dieser ging gerechtfertigt nach Hause zurück,
der andere nicht.
Denn wer sich selbst erhöht,
wird erniedrigt,
wer sich aber selbst erniedrigt,
wird erhöht werden.

 

Tagesimpuls:

 

Er schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!  (Lk 18,13)

 

Diese Woche bin ich in Medugorje. Gestern war die Messe mitgestaltet von einem Jugendorchester mit Jugendchor. Es waren – ich habe nicht gezählt – bestimmt 60 Jugendliche, wenn nicht mehr. Die Jugendlichen beteten alle Gebete mit, nicht nur die Grundgebete. Man merkte richtig, dass es hier eine starke religiöse Erziehung gibt. Sie machten eine Kniebeuge, als sie in die Kirche hineinkamen, und beim Schuldbekenntnis schlugen sich alle an die Brust, sehr deutlich. Das war beeindruckend. Bei uns machen das die Erwachsenen kaum noch. Genauso wie sich bei uns in den Messen immer weniger Menschen knien. Die Zeichen der Demut gehen verloren. Ich denke, dass die Demut selber damit auch mehr und mehr verschwindet. Etwas übertrieben gesagt, hat man den Eindruck, dass bei uns nur „gute Christen" zur Messe gehen, die quasi nie beichten müssen, weil sie ihrer eigenen Meinung nach gar nicht mehr sündigen. Ich habe von einem Pastor gehört, der im Gebet nach dem Vater unser nur noch betet: „Bewahre uns vor Verwirrung und Unglaube", wo es eigentlich heißen muss: „Verwirrung und Sünde". Das passt in das Bild der deutschen Kirche: Die Sünde ist abgeschafft, die gibt es nicht mehr.

 

Er schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!

 

Ich empfinde es so: Je älter ich werde, umso mehr Sündenerkenntnis habe ich – über meine eigenen Sünden. Aber vielleicht ist das eine gesunde Entwicklung. Man könnte ja als Testfrage stellen: Bei wem siehst du mehr Sünden, bei dir selber oder bei den anderen? Wenn man mehr bei den anderen sieht, ist das noch ein eher unreifer Standpunkt, wenn man mehr bei sich selber sieht, geht man langsam auf eine größere geistliche Reife zu. Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann, aber man könnte es ja mal bedenken.

 

Er schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!

 

Kann man sich vornehmen, demütig zu sein? Ich glaube Ja. Wir können es ja versuchen. Und fangen wir doch mit den einfachen äußerlichen Übungen an! Mal knien, wenn man in der Kirche knien sollte (es sei denn, dass man es aus gesundheitlichen Gründen wirklich nicht kann), sich wirklich mal an die Brust schlagen, wenn es in der Kirche dran ist, beim Schuldbekenntnis und beim „Herr ich bin nicht würdig". Versuchen wir, die Fehler der anderen zu verstehen! Versuchen wir, bei uns selber kritischer zu sein und unsere eigenen Fehler zu sehen! Und dann, vor allen Dingen: Gehen wir zur Beichte! Das macht uns demütig. In den Privatoffenbarungen von Medugorje sagt Maria, dass keiner so heilig ist, dass er nicht die monatliche Beichte bräuchte. Und die wirklich heiligen Menschen wie Mutter Theresa oder Johannes Paul II haben es uns vorgemacht. Sie gingen sehr häufig zur Beichte, deutlich mehr als nur einmal im Monat.

 

Gebet:
Jesus, du rufst uns zur Demut auf. Bewahre uns vor dem Pharisäertum! Wir wollen nie sagen: „Ich bin ein guter Christ." Hilf uns, demütig zu sein, unsere eigene Schuld zu erkennen und anzuerkennen. Lass uns die Schuld mehr bei uns selber als bei den anderen sehen! Danke, dass du uns reinigen und heiligen willst.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 







Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel 
Telefon 02456 - 3627    
Fax 02456 - 3019


Kommentare:

  1. Herr, was für ein Beter bin ich für DICH? Zöllner oder Pharisäer !

    Hl.Geist, lass mich nicht so sein wie der Pharisäer.
    Denn ( ins geheim denkt dieser..) 
    - aufgrund meiner gesellschaftlichen Stellung und Erfahrung,  genügt es, dass ich mich vor Gott  "frei kaufen kann - dann ist alles wieder gut"

    Doch genau hiern liegt die Sünde. 
    Denn der Zöllner kann dies nicht,
    und beklagt vor GOTT seine "erbärmliche Menschlichkeit".

    Jesus, ich kann  mir nicht deine Gerechtigkeit und Barmherzigkeit "verdienen".
    Denn Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sind ausschließlich Gnaden deiner Liebe.

    So will ich dann,  ein aufrichtiger und ehrlicher Beter für DICH sein.
    - und beten wie der Zöllner

    Amen

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