Freitag, 7. Oktober 2022

Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe. (Lk 11,24)


27 Woche im Jahreskreis  Freitag

EVANGELIUM
Lk 11, 14-26
In jener Zeit
14trieb Jesus einen Dämon aus, der stumm war. Als der Dämon den Stummen verlassen hatte, konnte der Mann reden. Alle Leute staunten.
15Einige von ihnen aber sagten: Mit Hilfe von Beelzebul, dem Anführer der Dämonen, treibt er die Dämonen aus.
16Andere wollten ihn auf die Probe stellen und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel.
17Doch er wusste, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Jedes Reich, das in sich gespalten ist, wird veröden, und ein Haus ums andere stürzt ein.
18Wenn also der Satan mit sich selbst im Streit liegt, wie kann sein Reich dann Bestand haben? Ihr sagt doch, dass ich die Dämonen mit Hilfe von Beelzebul austreibe.
19Wenn ich die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben dann eure Anhänger sie aus? Sie selbst also sprechen euch das Urteil.
20Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen.
21Solange ein bewaffneter starker Mann seinen Hof bewacht, ist sein Besitz sicher;
22wenn ihn aber ein Stärkerer angreift und besiegt, dann nimmt ihm der Stärkere all seine Waffen weg, auf die er sich verlassen hat, und verteilt die Beute.
23Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.
24Ein unreiner Geist, der einen Menschen verlassen hat, wandert durch die Wüste und sucht einen Ort, wo er bleiben kann. Wenn er keinen findet, sagt er: Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe.
25Und wenn er es bei seiner Rückkehr sauber und geschmückt antrifft,
26dann geht er und holt sieben andere Geister, die noch schlimmer sind als er selbst. Sie ziehen dort ein und lassen sich nieder. So wird es mit diesem Menschen am Ende schlimmer werden als vorher.


Tagesimpuls

Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe. (Lk 11,24)

Vermutlich alle kennen die Erfahrung, dass man rückfällig wird. Man hat sich etwas abgewöhnt, und zunächst hatte man auch das Gefühl, dass die schlechte Angewohnheit überwunden war. Aber dann ist man rückfällig geworden, und manchmal ist es tatsächlich danach noch schlimmer als vorher. Diese menschliche Erfahrung erklärt Jesus, indem er den tiefen geistlichen Hintergrund dazu vermittelt. Es sind Dämonen, die man ausgetrieben hat, die dann aber wieder zurückkehren.

Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe.

Jesus ist der Stärkere, die Freiheit ist also nur dann nachhaltig, werden wir eng mit Jesus verbunden bleiben. Er ist der stärkere, der alle Dämonen binden kann. Ohne ihn, ohne seinen Segen, haben wir dem Wirken der Dämonen nur wenig entgegenzusetzen.

Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe.

Deswegen ist es so wichtig, beständig im Schutz der Sakramente zu leben. Damit ist die regelmäßige mit Feier der Eucharistie und die regelmäßige Beichte gemeint. Es ist aber auch wichtig, dass wir unser Leben in der göttlichen Ordnung führen. Wenn man zum Beispiel in einer nicht gültigen Ehe lebt, hat man schon wieder eine Tür geöffnet, durch die die Dämonen eintreten können. Wir müssen also im vollen sakramentalen Schutz der Kirche leben.

Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe.

Wir brauchen sehr viel Segen und Schutz. Jesus hat gesagt, dass das Reich Gottes schon bei uns ist, wenn er bei uns ist. Viele Christen beten verschiedene Schutzgebete täglich, zum Beispiel „unter deinem Schutz und Schirm" oder den Psalm 91. Es ist auch gut wenn wir in Gebetsgruppen uns gegenseitig segnen und um den Schutz bitten. Es gibt eine Gemeinschaft, die heißt Liber in Christo, frei in Christus. Die gibt eine Sammlung von Schutzgebeten heraus auf der Seite auxiliumchistianorum.org, die man täglich beten kann. Auch der Rosenkranz, die ganz enge Verbindung mit Maria, ist auch ein sehr großer Schutz. Gerade heute am Rosenkranzfest empfiehlt es sich, sich die Wichtigkeit und die Kraft des Rosenkranzes bewusst zu machen.

Gebet:
Jesus, ich danke dir für den Schutz, den du uns schenkst. Wir müssen nicht von den Dämonen hin und her getrieben werden. Hilf uns, böse und schlechte Angewohnheiten abzulegen, die Kraft des Bösen zu überwinden und ganz auf deinen Wegen zu gehen.


Pastor Roland Bohnen








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Donnerstag, 6. Oktober 2022

Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht. (Lk 5,3)

27 Woche im Jahreskreis    Donnerstag

EVANGELIUM
Lk 11, 5-13
In jener Zeit
5sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote;
6denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!,
7wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben?
8Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.
9Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.
10Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.
11Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet,
12oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet?
13Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.

Tagesimpuls

Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht. (Lk 5,3)

In seinem Gleichnis sagt Jesus „um Mitternacht". Damit meint er die Stunde der größten Dunkelheit, auch im übertragenen Sinne. Als im Buch der Weisheit die Menschwerdung Jesu prophetisch angekündigt wurde, da heißt es auch: „als die Nacht am dunkelsten war, da kam Gottes Wort in die Welt". (Weisheit 8,14) 

Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht.

Man könnte die Worte Jesu also ganz wörtlich nehmen und sich bewusst machen, wie wichtig es ist, gerade in der Nacht zu beten. In der Nacht brauchen wir einen besonderen Schutz, in der Nacht gibt es Versuchungen, manche Menschen haben in der Nacht große Schmerzen, in der Nacht gibt es durchaus viele Gründe, zu beten und unseren himmlischen Vater ganz besonders zu bestürmen mit unseren Bitten. 

Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht.

Natürlich können wir die Dunkelheit auch im übertragenen Sinne verstehen, alles, was in uns dunkel ist, alles was in uns Nacht ist. Wir sollen Gott anrufen in den dunkelsten Stunden unseres Lebens, und ganz besonders in den Anliegen, wo wir keinen Ausweg und keine Lösung sehen, oder wo wir die Hoffnung aufgegeben haben. Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben. Nach 400 Jahren des Elends sagt Gott dem Volk von Ägypten: „ich habe deine Not gesehen".  (Ex 3,7) Wenn wir also über viele Jahre in einer bestimmten Not sind, dann heißt das nicht, dass Gott uns nicht gesehen hätte, und es heißt vor allen Dingen nicht, dass wir die Hoffnung aufgeben sollten. Auch nach vielen Jahren des Leids kann Gott uns noch retten, auch wenn wir es nicht für möglich halten.

Gebet:
Jesus, ich befolge deine Einladung, deinen Aufruf. Ich will immer beten, will immer zu dir rufen, ganz besonders in den dunkelsten Zeiten, ganz besonders in der Nacht, ganz besonders in den Anliegen, wo ich in der Gefahr bin, die Hoffnung zu verlieren. Du kannst immer helfen, und du wirst helfen. Ich glaube an dich, ich vertraue dir.


Pastor Roland Bohnen 


Mittwoch, 5. Oktober 2022

Als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns bete. (Lk 11,1)

27 Woche im Jahreskreis    Mittwoch

EVANGELIUM
Lk 11, 1-4
1Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat.
2Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.
3Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen.
4Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.

Tagesimpuls

Als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns bete. (Lk 11,1)

Die Jünger haben Jesus als betenden Menschen erlebt. Deshalb hielten sie ihn für kompetent, deswegen wollten sie von ihm beten lernen. Jesus hat ein inspirierendes Zeugnis vorgelebt. Und so kann Jesus das weitergeben, was er selber empfangen hatte: eine tiefe Beziehung zum Vater im Heiligen Geist. Wenn Jesus die Jünger das Beten lehrt, dann gibt er keine Theorie weiter, sondern seine praktisch gelebte Erfahrung.

Als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns bete.

Wenn wir nach dem Vorbild Jesu leben, dann ist auch unser Leben ein inspirierendes Zeugnis für andere. Eigentlich müssten andere uns fragen: „lehre mich beten" oder „lehre uns beten". Auch wir können nur das weitergeben, was wir empfangen haben. Unser eigenes Gebetsleben ist also die Voraussetzung dafür, dass andere Menschen uns fragen und dass wir ihnen etwas mitteilen können. Wir sollen also gleich wie Jesus ein inspirierendes Zeugnis des Gebets vorleben.

Als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns bete.

Das heißt nicht, dass wir von unserem Gebet eine Show machen müssen. Wenn wir beten, dann beten wir für uns und nicht für andere. Aber andererseits müssen wir uns auch nicht verstecken, wenn wir beten. Vor mehreren Jahren hatte ich die Gewohnheit, in einer bestimmten Kirche früh morgens Anbetung zu machen. An einem Tag der Woche kam um 7:00 Uhr früh morgens die Putzfrau, um die Kirche zu putzen. Ich saß vor dem Tabernakel, und im ersten Moment war mir das unangenehm. Später sprach ich darüber mit meinem geistlichen Begleiter. Er sagte zu mir, dass es doch gut ist, wenn Menschen in der Gemeinde den Pfarrer als betenden Priester erleben. Daraufhin hatte ich einen inneren Frieden, und jeden Donnerstag putzte die Putzfrau in der Kirche, während ich in Ruhe weiter vor dem Tabernakel betete. Warum auch nicht? Mir musste das doch nicht peinlich sein.

Gebet:
Jesus, aufgrund deines Gebets haben dich die Jünger angesprochen. Sie wollten von dir das Beten lernen. Bitte hilf uns, dass wir ein tiefes Gebetsleben haben und dass wir ebenso wie du Lehrer des Gebetes werden können. Jesus, ich glaube dass heute viele Menschen sich nach Tiefgang, Spiritualität und Gebet sehnen. Hilf uns, dass wir dazu beitragen können, ihre Sehnsucht zu stillen.


Pastor Roland Bohnen 


Dienstag, 4. Oktober 2022

Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen. (Lk 10,40)

27 Woche im Jahreskreis    Dienstag

EVANGELIUM
Lk 10, 38-42
In jener Zeit
38kam Jesus in ein Dorf und eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf.
39Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu.
40Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!
41Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen.
42Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.


Tagesimpuls

Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen. (Lk 10,40)

Wenn man von etwas ganz in Anspruch genommen wird, das ist nie gut. Dann verliert man die Gelassenheit und den inneren Frieden. Jesus spiegelt der Marta das, in dem er sagt: „Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen!" Für seine Familie sorgen, das ist etwas sehr Gutes, aber sich Sorgen machen, das ist eine Sünde. Jesus sagt in der Bergpredigt deutlich: macht euch keine Sorgen! (Mt 6,25) Und im Gleichnis vom Seemann sind die Sorgen ein Grund dafür, warum die gute Saat relativ schnell durch die Dornen erstickt wird. (Mk 4,19)

Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen.

Wir dürfen uns also nicht durch irgendeine Sache so sehr unter Druck setzen lassen, dass wir den inneren Frieden verlieren. Dass man von etwas ganz in Anspruch genommen wird, ist ein typisches Zeichen der Verführung. Bei einer Sucht ist es auch so, dass man so ein totales Verlangen hat, dass man gar nicht mehr anders kann. In diesen Augenblicken ist man völlig irrational und macht Dinge, die man normalerweise nicht machen würde.

Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen.

Maria macht das einzig richtige, sie geht zu Jesus. Genau das ist es, was Marta fehlt. Wenn Marta zu Jesus gehen würde, dann wäre sie nicht von irgendwelchen Dingen ganz in Anspruch genommen. Mir hat zum Beispiel mal ein Mann gesagt, seine Frau habe einen „Putzfimmel". Sie war ganz davon in Anspruch genommen, immer nur die Wohnung in Ordnung zu halten. Aber es geht nicht nur um das Putzen oder um den Haushalt. Das kann in allen Lebensbereichen so sein. Ein häufiges Beispiel ist auch leider die Sexualität. Auch da können Menschen ganz verloren sein in einem Verlangen, dass so stark ist und alles andere überlagert. Gerade deswegen ist es so wichtig, zu Jesus zu gehen. Wenn es jemanden gibt, der einen befreien kann, dann ist es Jesus. Und wenn man regelmäßig zu Jesus in die Anbetung geht, so wie Maria es gesagt hat, zu Füßen Jesu zu setzen, dann ist das der beste Garant für die innere Freiheit, dass nichts Weltliches die Macht bekommt, uns ganz in Anspruch zu nehmen. Wenn Marta zu Jesus gegangen wäre, dann wäre sie nicht böse geworden. 

Gebet:
Jesus, danke dass ich immer wieder hier zu dir kommen kann in die Anbetung. Bitte bewahre mich davor, dass mich irgendetwas so sehr in Anspruch nimmt, so sehr unter Druck setzt, dass ich beginne zu sündigen wie Marta, als sie böse auf ihre Schwester war. Bewahre mich vor Hektik und Stress und hilf mir, immer den inneren Frieden zu bewahren, damit ich nicht sündige. 


Pastor Roland Bohnen 


Montag, 3. Oktober 2022

Was steht im Gesetz? Was liest du dort? (Lk 10,26)

27 Woche im Jahreskreis    Montag

EVANGELIUM
Lk 10, 25-37
25Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?
26Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort?
27Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.
28Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach, und du wirst leben.
29Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster?
30Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halb tot liegen.
31Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter.
32Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter.
33Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid,
34ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn.
35Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.
36Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde?
37Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!


Tagesimpuls

Was steht im Gesetz? Was liest du dort? (Lk 10,26)

Jesus will dem Gesetzeslehrer beweisen, dass nichts von dem, was er lehrt, den Geboten Gottes, wie sie der Gesetzeslehrer gelernt hat, widerspricht. Wenn Jesus geantwortet hätte, „die Leute sollen an mich glauben, und die Gebote des alten Testamentes sind egal", dann hätte der Gesetzeslehrer einen Grund gehabt, Jesus anzugreifen. Aber einen solchen Grund liefert Jesus ihm nicht. Jesus ist Gottes Sohn, er ist selbst Gott, und der selbe Gott, der Jesus gesandt hat, ist auch der Gott, der die Gebote des alten Testaments erlassen hat. Da gibt es also keinen Widerspruch. Alles gipfelt in der Liebe zu Gott und in der Liebe zu den Mitmenschen.

Was steht im Gesetz? Was liest du dort?

Heute könnte sich die selbe Diskussion zwischen einem Humanisten und einem Christen entwickeln. Der Humanist würde den Christen auf die Probe stellen und fragen, was man aus christlicher Sicht tun muss, um ein guter Mensch zu sein. Der Humanist würde dann erwarten, dass der Christ sagt, man müsse Gott lieben und zur Kirche gehen, und dann hätte er einen Grund zur Anklage gegen ihn. Er würde sagen, die Christen tun nichts für ihre Mitmenschen, die beten nur und gehen nur zur Kirche. Aber auch heute würde der Christ dann auf die Nächstenliebe verweisen, wie Jesus es zum Beispiel im heutigen Evangelium vom barmherzigen Samariter gelehrt hat. Diese Lehre kann Jesus genauso gegenüber dem Gesetzeslehrer wie auch gegenüber dem Humanisten anbringen. Und auch der Humanist hätte keinen Grund zur Anklage gegen den Christen, denn all das, was er fordert, tun die Christen sowieso.

Was steht im Gesetz? Was liest du dort?

In dem Wasser-Gleichnis von Theresa von Avila, wo es darum geht, einen schönen Garten zu bewässern, sind die Tugenden, und damit meint Theresa die Liebe, die Blumen, also die guten Früchte, die das christliche Leben hervorbringt. Das Bewässern dagegen ist das Gebet, die Beziehung zu Jesus. Ohne das Bewässern wird es keine schönen Blumen geben. Das ist unser christlicher Standpunkt. Wir brauchen die Beziehung zu Jesus, wir brauchen das Gebet, um das Böse zu besiegen, damit es die guten Früchte der Nächstenliebe geben kann. Ohne das Gebet fehlt uns die Unterscheidung der Geister, wir werden verwirrt und verblendet, aber wir merken es nicht. Die Menschen ohne Jesus werden über kurz oder lang vom Teufel in die irre geführt. Das können Zeitströmungen und Ideologien sein. Den Menschen fehlt dann der Maßstab, den Jesus uns schenkt. Nur durch Jesus bekommen wir den Maßstab für wahre Menschlichkeit, und wir bekommen die Kraft, das Böse zu überwinden. Man könnte sogar sagen: Jesus ist der wahre Humanist, er ist der wahre Maßstab für die Nächstenliebe, für wirklich menschliches Handeln.

Gebet:
Jesus ich danke dir, dass du uns deutlich gezeigt hast, dass nichts von dem, was du lehrst, den weltlichen Erwartungen widerspricht. Im Gegenteil, wir Christen können das erfüllen, was alle Menschen sich wünschen: echte und wahre Liebe untereinander. Jesus, hilf uns, Zeugnis zu geben über deine Liebe, denn deine Liebe befreit uns zum Guten, deine Liebe hilft uns, wirklich gute Menschen zu sein.


Pastor Roland Bohnen 


Samstag, 1. Oktober 2022

Wir haben nur unsere Schuldigkeit getan. (Lk 17,10)

27 Sonntag im Jahreskreis    

Evangelium

Lk 17, 5–10

In jener Zeit
5
baten die Apostel den Herrn:
Stärke unseren Glauben!
6
Der Herr erwiderte:
Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn,
würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen:
Entwurzle dich
und verpflanz dich ins Meer!
und er würde euch gehorchen.
7
Wenn einer von euch einen Knecht hat,
der pflügt oder das Vieh hütet,
wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen:
Komm gleich her und begib dich zu Tisch?
8
Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen:
Mach mir etwas zu essen,
gürte dich und bediene mich,
bis ich gegessen und getrunken habe;
danach kannst auch du essen und trinken.
9
Bedankt er sich etwa bei dem Knecht,
weil er getan hat, was ihm befohlen wurde?
10
So soll es auch bei euch sein:
Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde,
sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Knechte;
wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

Tagesimpuls

Wir haben nur unsere Schuldigkeit getan. (Lk 17,10)

Wir sollen uns nichts einbilden auf unseren Glauben und nicht denken, dass wir schon große Meister wären. Wir sollen immer in der Haltung leben: wir haben nur das getan, was wir tun mussten. Wir sollen immer in der Haltung leben, dass es noch Größeres gibt, dass es noch mehr gibt, auf das wir hinstreben können und sollen. Keiner von uns kann durch sein gläubiges Gebet einen Baum versetzen. Das zeigt, dass wir noch keine Meister sind im Glauben, und dass wir noch viele Entwicklungsmöglichkeiten haben.

Wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

Man könnte einwenden: „Ich will aber gar keine Bäume versetzen. Mir genügt mein kleines Leben, wie es jetzt gerade ist." Aber das ist nicht die Perspektive Gottes. Das ist nicht, wozu Gott uns geschaffen hat. Gott hat uns zu dem Größeren geschaffen, und es ist eben unsere Frage, ob wir das Größere annehmen wollen, oder ob wir lieber haben, dass alles so bleibt wie es ist. Ich befürchte, dass Gott genau aus diesem Grund die Krisen zulässt. Wenn die Krisen nicht kämen, dann hätten alle Menschen nur den Wunsch, dass alles so bleibt. Und wir würden nie das Größere erleben, für das Gott uns bestimmt hat.

Wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

Ich glaube fest daran, dass wir dazu berufen sind, durch unseren Glauben und unser Gebet Bäume zu versetzen. Das bedeutet, dass wir in dem Glauben leben sollen, dass kein Ding unmöglich ist, dass nichts so groß ist, dass wir nicht dafür beten dürften. Die Muttergottes hat in Medugorje gesagt, dass man durch Beten und Fasten sogar Kriege beenden kann. Genau das liegt doch heute sehr nahe. Wir stehen nun einmal vor sehr großen und nicht vor kleinen Herausforderungen. Unsere Berufung ist es, wirklich große Herausforderungen zu bewältigen, große Gebetsanliegen vor Gott zu tragen. In der heutigen Zeit müssen wir schon Bäume versetzen, wenn wir etwas bewirken wollen. Und deswegen fordert Jesus uns heraus zu einem großen Glauben, und nicht zu einem kleinen. Und die beste Voraussetzung, damit wir im Glauben wachsen, ist die Demut. Wir dürfen auf keinen Fall denken, wir wären schon Meister und hätten schon alles, was man braucht, um ein guter Christ zu sein.

Gebet:
Jesus, ich danke dir, dass du uns zu einem großen Glauben berufen hast. Ich will mich nach diesem großen Glauben ausstrecken, auch wenn ich mir total nicht vorstellen kann, Bäume zu versetzen durch mein Gebet. Ich weiß, dass das auch nur ein Beispiel von dir war, um uns zu zeigen, wie wichtig ein großer Glaube ist. Bitte gib, dass mein und unser Glaube wachsen möge, damit wir die großen Herausforderungen unserer Zeit anpacken können.


Pastor Roland Bohnen 


Freitag, 30. September 2022

Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab. (Lk 10,16)

26 Woche im Jahreskreis    Freitag

EVANGELIUM
Lk 10, 13-16
In jener Zeit sprach Jesus:
13Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wenn einst in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die bei euch geschehen sind - man hätte dort in Sack und Asche Buße getan.
14Tyrus und Sidon wird es beim Gericht nicht so schlimm ergehen wie euch.
15Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du wirst bis zum Himmel erhoben? Nein, in die Unterwelt wirst du hinabgeworfen.
16Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat.

Tagesimpuls

Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab. (Lk 10,16)

Beim Gericht geht es darum, ob wir Jesus angenommen oder ob wir ihn abgelehnt haben. Und wenn man die Boten Jesu ablehnt, dann ist das so als wenn man ihn selbst abgelehnt hätte. Natürlich geht es beim Gericht auch um die Sünden. Aber die Frage, ob ich Jesus annehme, ist die alles entscheidende. Wenn ich Jesus annehme, dann heißt das, dass ich daran glaube, dass er die Lösung für wirklich alle meine Probleme ist. Er sagte ja „ohne mich könnt ihr nichts tun". Jesus annehmen heißt, ihn einzubeziehen in alles, was mich betrifft, ganz besonders in das, was mich bedrückt. Ich glaube daran, dass er mein einziger Helfer ist, und dass er mir wirklich in allem helfen kann und will.

Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab.

Ich meine das nicht so, dass man zum Beispiel eine psychologische Hilfe ablehnen würde, wenn man sie bräuchte, und stattdessen sagen würde: Jesus ist mein einziger Helfer. Man sollte dann die psychologische Hilfe trotzdem in Anspruch nehmen. Aber man würde Jesus immer in alles einbeziehen, auch wenn man dann die weltlichen Schritte zur Lösung eines Problems geht. Man würde in diesem Beispiel vor dem Gang zum Psychologen beten, dass der Heilige Geist in dem Gespräch wirkt, und nach dem Gespräch würde man auch wieder beten, dass Jesus hilft bei den Schritten, die man jetzt weitergehen muss. Es geht also nicht darum, dass man eventuelle weltliche Schritte weglassen sollte, sondern es geht darum, dass man nichts ohne Jesus macht, dass man ihn nicht nur theoretisch annimmt als Retter der Welt, sondern ganz praktisch als meinen persönlichen Retter für alle meine Probleme.

Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab.

In diesem Wort steckt aber noch ein wichtiger Aspekt bezüglich der Kirche. Wir als Kirche sind die Boten Jesu. Und wenn man uns ablehnt, dann lehnt man auch Jesus ab. Hier ist also ein ganz klarer Hinweis, dass Jesus nicht ohne die Kirche geht. Jesus lebt in der Kirche, sie ist sein Leib. Es mag sein, dass ich mich vielleicht von einer konkreten Gemeinde trenne, weil ich mich dort nicht wohl fühle. Aber ich kann nicht ohne die Kirche leben. Ich brauche immer einen lebendigen Kontakt zur Kirche.

Gebet:
Jesus, ich danke dir, dass ich dich annehmen darf. Ich nehme dich an als meinen persönlichen Retter, der mir in jeder Lebenslage hilft. Jesus, ich bete auch für alle, die dich noch nicht annehmen können und auch für alle die die Kirche ablehnen. Segne sie und hilft den Menschen, dich anzunehmen und zu erkennen, dass du durch die Boten der Kirche sprichst.


Pastor Roland Bohnen 


Donnerstag, 29. September 2022

Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn. (Joh 1,51)

HL. MICHAEL, HL. GABRIEL, HL. RAFAEL
Erzengel 

EVANGELIUM
Joh 1, 47-51

In jener Zeit
47sah Jesus Natanaël auf sich zukommen und sagte über ihn: Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit.
48Natanaël fragte ihn: Woher kennst du mich? Jesus antwortete ihm: Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.
49Natanaël antwortete ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!
50Jesus antwortete ihm: Du glaubst, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah? Du wirst noch Größeres sehen.
51Und er sprach zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.


Tagesimpuls

Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn. (Joh 1,51)

Heute ist das Fest der Erzengel. Aber das Evangelium bezieht sich nicht speziell auf einen der Erzengel, sondern auf die Engel im Allgemeinen. Jesus sagt zu Natanael, und ich denke, dass er es auch zu uns sagen möchte, dass wir noch Größeres sehen werden, dass wir die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen werden über dem Menschensohn. Wann erfüllt sich diese Verheißung? Wann wird das Wirklichkeit? Ich muss als erstes an die Liturgie denken, an den Gottesdienst. Können wir glauben, dass das unsere Berufung ist? Dass wir dazu bestimmt sind, das zu sehen? Dass ich dazu bestimmt wurde von Gott, das sehen zu dürfen?

Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.

Wenn das so ist, dann ist es wahrscheinlich für die allermeisten für uns eine große Herausforderung. Aber Jesus will uns immer herausfordern, er will uns immer zu Größerem rufen. Das, was wir heute erleben, ist noch weit entfernt von dem, was unsere Berufung ist, was Jesus für uns vorgesehen hat. Wozu hat Jesus uns denn die Augen gegeben? Und damit sind die äußeren wie auch die inneren Augen gemeint. Ich muss beispielsweise an den Heiligen Don Bosco denken mit seinen vielen göttlichen Träumen. Ihm wurde geschenkt, vieles zu sehen, was übernatürlich ist, was von Gott kommt. Was Jesus sagt, was die Heiligen erleben, das ist unser Maßstab, und nicht was wir vielleicht heute erleben.

Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.

Ja, es ist ganz sicher, dass der Menschensohn vor allem in der Messe, aber ebenso auch im Tabernakel, und überall dort wo die Hostie sich befindet, umgeben ist von einer Vielzahl von Engeln, die auf- und niedersteigen. Im ersten eucharistischen Hochgebet wird das bestätigt: „Dein heiliger Engel trage diese Opfergabe auf deinen himmlischen Altar vor deine göttliche Herrlichkeit". Hier werden die Engel in Verbindung mit der Eucharistiefeier ausdrücklich erwähnt. Ich würde sagen, der erste Schritt für uns ist, dass wir uns die Gegenwart der Engel über dem Menschensohn in der Eucharistie bewusst machen, dass wir sie uns vorstellen vor unserem inneren Auge. Und mit der Gnade Gottes wird uns im Laufe der Zeit immer mehr das Sehen geschenkt, von dem Jesus hier spricht. Allerdings hat Jesus an dieses Sehen in der Bergpredigt eine Bedingung geknüpft: „Selig dir ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen".

Gebet:
Jesus, ich danke dir für unsere große und wunderbare Berufung, dass wir dich und die Engel schauen sollen. Jesus bitte verzeih uns unsere Unreinheit, die uns bisher daran hindert, dich und die Engel zu schauen. Jesus bitte heilige unsere Herzen, damit wir dich und die Engel und all die göttlichen Wirklichkeiten so schauen dürfen, wie du es für uns bestimmt hast.


Pastor Roland Bohnen 


Mittwoch, 28. September 2022

Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. (Lk 9,57)

26 Woche im Jahreskreis    Mittwoch

EVANGELIUM
Lk 9, 57-62
In jener Zeit
57als Jesus und seine Jünger auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.
58Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.
59Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben.
60Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!
61Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen.
62Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.


Tagesimpuls

Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. (Lk 9,57)

Den Menschen, die Jesus nachfolgen wollen, macht er klar, dass es in der Nachfolge keine Kompromisse mehr geben kann. Man muss sich dafür entscheiden und alles dafür einsetzen. Wir Menschen sind aber immer wieder geneigt, Kompromisse zu machen, weil wir alles unter einen Hut bekommen wollen. Wir wollen jedem gerecht werden und auch alle unsere eigenen Vorstellungen nicht loslassen. Die Nachfolge Jesu aber kann nur gelingen, wenn er an die erste Stelle kommt. Wenn man zum Beispiel den Sport an die erste Stelle setzt und deswegen zum Beispiel sonntags nicht zur Messe geht, dann hat man noch nicht die richtige Priorität. Jesus will uns den Sport nicht wegnehmen, genauso wenig wie er uns die Eltern wegnehmen will. Aber trotzdem muss das alles seine richtige Ordnung, seinen richtigen Stellenwert haben. Und wenn Gott nicht den höchsten Stellenwert hat, dann wird alles im wahrsten Sinne des Wortes gleich-gültig. Dann kommt das Phänomen, unter dem wir so sehr leiden in der heutigen Zeit, der Stress! All diese vielen Anliegen stehen in Konkurrenz zu einander, jeder meint, dass er mit seinem Anliegen der wichtigste wäre. Und wir schaffen es eben doch nicht, alles unter einen Hut zu bringen.

Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.

Dabei haben wir noch gar nicht von den Kompromissen mit der Sünde gesprochen, die wir ja auch so gerne machen. Wir bagatellisieren die Sünde und meinen, das wäre doch nicht so schlimm. Wir möchten gerne Jesus nachfolgen und gleichzeitig auch hier und da sündigen, weil es uns anscheinend zu schwer fällt, ganz konsequent zu sein. Natürlich können und sollen wir nach jeder Sünde umkehren und zurück zu Jesus gehen. Und Jesus ist unser Arzt, der uns immer heilt, auch wenn wir uns immer wieder durch die Sünde selbst verletzt haben (und andere natürlich auch). Aber die Tatsache, dass Jesus uns heilt, heißt nicht, dass die Sünde eine Bagatelle wäre. Und in dem Moment, wo wir sündigen, sind wir nicht in der Nachfolge Jesu. Nachfolge Jesu und Sünde schließen sich gegenseitig aus, das ist ganz klar.

Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.

Ob wir in der Nachfolge Jesu sind oder nicht, erkennen wir an dem inneren Frieden, den er uns schenkt. Der Teufel will uns aufwühlen und unruhig machen. Der Heilige Geist dagegen schenkt uns tiefen inneren Frieden. Und wir müssen uns immer wieder entscheiden: will ich diesen Frieden, der mit der Nachfolge Jesu verbunden ist, oder will ich die Unruhe, die entsteht durch die Sünde, aber auch dadurch, dass wir Jesus nicht an die erste Stelle gesetzt haben?

Gebet:
Jesus, ich kann nur das Wort des Evangeliums wiederholen: ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Dann muss ich aber auch die Ermahnung anhören, die du mir sagst. Es ist kein leichter und bequemer Weg, es ist kein Weg, den man mit Kompromissen gehen kann. Bitte hilf mir, dir mit ungeteiltem Herzen nachzufolgen. Hilf mir, die Kompromisse mit meinen eigenen Vorstellungen und vor allem mit der Sünde loszulassen.


Pastor Roland Bohnen 


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