Mittwoch, 28. Oktober 2020

Er rief seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus. (Lk 6,13)

HL. SIMON UND HL. JUDAS     Fest

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 6,12-19

In jenen Tagen ging Jesus auf einen Berg, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott. 

Als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus; sie nannte er auch Apostel. 

Es waren Simon, dem er den Namen Petrus gab, und sein Bruder Andreas, dazu Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus, 

Matthäus und Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, genannt der Zelot, 

Judas, der Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde. 

Jesus stieg mit ihnen den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen, und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon

strömten herbei. Sie alle wollten ihn hören und von ihren Krankheiten geheilt werden. Auch die von unreinen Geistern Geplagten wurden geheilt. 

Alle Leute versuchten, ihn zu berühren; denn es ging eine Kraft von ihm aus, die alle heilte.

 

 

Tagesimpuls:

 

Er rief seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus.  (Lk 6,13)

 

Jesus ist mit einer großen Schar von Menschen zusammen. Ein Teil dieser Menge sind seine Jünger. Sie folgen ihm nach, lernen von ihm, wollen sehr bewusst so leben, wie er es lehrt. Aus den Jüngern beruft er dann noch einmal die zwölf Apostel. Damit gibt er der Kirche eine Struktur. Wir sind alle Kinder Gottes, wir haben alle durch die Taufe Anteil am Priesteramt Jesu, wir haben alle den Heiligen Geist empfangen, wir sind alle gesandt, zu segnen, zu beten, zu heilen, die frohe Botschaft zu verkünden und zur Nachfolge Jesu einzuladen. Aber so viel wie wir als Christen gemeinsam haben – das heißt nicht, dass es nicht eine Struktur von Ämtern, eine Hierarchie geben dürfe.

 

Er rief seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus.

 

Seit dem Marxismus ist das Wort Hierarchie verpönt. Man denkt sofort an „die da oben", die die Arbeiterklasse ausbeuten. „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" hieß davor schon das Motto der französischen Revolution. So wie Jugendliche sich manchmal gegen die Autorität der Eltern auflehnen, so lehnt sich unsere Gesellschaft gegen jede Form der Hierarchie auf. Und doch sieht man sie schon in der Natur. Alles hat eine wunderbare Ordnung. Gleichmacherei führt zum Chaos. Wenn man ein z.B. wunderbares Bauwerk hat, dann besteht es aus vielen Steinen, die aber alle ganz besonders angeordnet sind. Die Anordnung macht die Schönheit aus. Und so ist auch in der Natur alles geordnet. Und Jesus gibt auch seiner Kirche eine Struktur.

 

Er rief seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus.

 

Die Apostel sind von Jesus dazu berufen – so versteht es die katholische Kirche – durch die Spendung der Sakramente das Volk Gottes zu nähren und mit dem auszustatten, was es braucht, um seine priesterliche Sendung in der Welt zu leben. Damit wird deutlich, dass der Glaube ein Geschenk ist, das man sich nicht selber machen kann. Z.B. nehme ich mir nicht die Heilige Kommunion, die Hostie, sondern ich empfange sie vom Priester, der sie mir in die Hand (oder auf die Zunge) legt. Ich taufe mich nicht selber, sondern ich empfange die Taufe usw.

 

Er rief seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus.

 

Letztlich müssen wir die Struktur der Kirche nicht bis aufs letzte ergründen, warum Jesus das so und nicht anders gemacht hat. Bitte entschuldigen Sie den Vergleich, aber das wäre so, wie wenn man fragt, warum die Banane krumm ist. Gott hat sie so geschaffen, er hat sie so gewollt. Und wenn Jesus Apostel beruft und ihnen ein besonderes Amt gibt, dann muss man nicht fragen, ob er das nicht auch anders hätte machen können. Er hat es so gesehen, er hat es so gewollt. Wir schauen es von ihm ab, wir lernen es von ihm.

 

Er rief seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus.

 

Daher ist es wichtig, was auch immer wir für Strukturveränderungen in der Kirche vornehmen müssen, dass diese nie das Priesteramt des geweihten Priesters (des Mitarbeiters der Bischöfe, die die Nachfolger der Apostel sind), überflüssig zu machen versuchen. Jede Struktur der Kirche muss auf die Eucharistiefeier mit einem geweihten Priester ausgerichtet sein. Wir machen uns unsere Kirche nicht selbst, wir bekommen sie geschenkt, und dafür steht die Eucharistiefeier, der der Priester vorstehen muss.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du der Kirche ein Gesicht gibst, eine Struktur. Du willst, dass wir erkennen, dass wir uns deine Gaben nicht selber nehmen, sondern dass wir sie geschenkt bekommen. Heute bitte ich besonders für alle Bischöfe, die die Nachfolger der Apostel sind. Ich bitte auch für alle Priester, die die Mitarbeiter der Bischöfe sind und in ihrem

Auftrag die Sakramente spenden. Und ich bitte auch für die Diakone, die auch Mitarbeiter der Bischöfe sind.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 

 







Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel 
Telefon 02456 - 3627    
Fax 02456 - 3019


Dienstag, 27. Oktober 2020

Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen. (Lk 13,19)

30 Woche im Jahreskreis     Dienstag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 13,18-21

In jener Zeit sprach Jesus: Wem ist das Reich Gottes ähnlich, womit soll ich es vergleichen? 

Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen. 

Außerdem sagte er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? 

Es ist wie der Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war.

 

 

Tagesimpuls:

 

Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen.  (Lk 13,19)

 

Das Wachsen geht langsam und stetig. Man kann einem Baum beim Wachsen zuschauen, aber man sieht im Moment nichts. Trotzdem wächst er, das sieht man im Laufe der Jahre. Und so ist das Reich Gottes. In der Regel kann man das Wachsen nicht sehen, aber es wächst trotzdem. Allerdings wächst das Reich Gottes leider nicht überall in der Kirche. Wir sehen in Europa, dass Kirchen geschlossen werden. Wir sehen, wie viele Moscheen neu gebaut werden, und wie viele andere religiöse Gruppen oder Institutionen entstehen. Es gibt ein Wachstum, aber es gibt auch ein Sterben.

 

Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen.

 

Da wir uns nicht auf das Sichtbare verlassen können, müssen wir uns auf Gottes Wort stützen. Vom Wort Gottes her bin ich der Überzeugung, dass dort, wo Jesus angebetet wird, das Reich Gottes wächst. Daher haben wir eine 24/7 Anbetungsinitiative ins Leben gerufen. Wir haben das Ziel der ununterbrochenen Anbetung zwar noch nicht erreicht, aber wir haben schon fast die Hälfte, 75 Stunden pro Woche. Dafür bin ich den Betern sehr dankbar, besonders denen, die die Nachtstunden übernehmen. Ich glaube daran, dass dadurch das Reich Gottes hier nicht stirbt, sondern wächst. Wenn man jetzt sichtbares Wachstum benennen müsste, könnten Kritiker das immer wieder zurückweisen und sagen: „Das sind Einzelfälle." Das stimmt. Wir können nicht eine riesige Erfolgsgeschichte vorweisen, wir sehen aber einzelne Menschen, die sich neu auf dem Weg mit Jesus gemacht haben. Und solche gibt es immer wieder.

 

Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen.

 

Wer wünschte sich nicht, dass man das Wachstum stärker sehen könnte? Wer wünschte sich nicht Scharen von Menschen, die sich bekehren? Damit wir aber den Glauben und die Hoffnung nicht verlieren, gibt Jesus uns dieses Gleichnis. Wenn du das Richtige tust, dann kannst du dich darauf verlassen, dass das Reich Gottes wächst, auch wenn du es nicht siehst. Man darf nur kein Pharisäer werden, der seine eigene Vorstellung vom Reich Gottes durchsetzt (z.B. „dass man alles nicht so übertreiben soll") und meint, er wäre ein guter Christ, ohne sich von Jesus und vom Heiligen Geist führen zu lassen. Dann kann man zwar kirchlich engagiert sein, aber dort wächst nicht das Reich Gottes.

 

Gebet:

Jesus, ich wünsche mir, dass dein Reich wächst. Ich will dir folgen, deinen Weg gehen, dich in den Mittelpunkt stellen, dich anbeten. Wenn ich das tue, dann erlebe ich viel Widerstand. Sehr viele der kirchlich engagierten Menschen verstehen diesen Weg nicht. Und ich sehe das Wachstum genauso wenig, wie man es bei einem Baum sieht. Aber ich glaube dir, dass dein Reich wächst, wenn wir das Richtige tun. Hilf uns, in deiner Führung zu leben und zu bleiben, damit dein Reich wachsen kann, ob wir es nun sehen oder nicht.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 







Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel 
Telefon 02456 - 3627    
Fax 02456 - 3019


Montag, 26. Oktober 2020

Dort saß eine Frau, die seit achtzehn Jahren krank war, weil sie von einem Dämon geplagt wurde. (Lk 13,11)

30 Woche im Jahreskreis     Montag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 13,10-17

In jener Zeit lehrte Jesus am Sabbat in einer Synagoge. 

Dort saß eine Frau, die seit achtzehn Jahren krank war, weil sie von einem Dämon geplagt wurde; ihr Rücken war verkrümmt, und sie konnte nicht mehr aufrecht gehen. 

Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte: Frau, du bist von deinem Leiden erlöst. 

Und er legte ihr die Hände auf. Im gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott. 

Der Synagogenvorsteher aber war empört darüber, dass Jesus am Sabbat heilte, und sagte zu den Leuten: Sechs Tage sind zum Arbeiten da. Kommt also an diesen Tagen und lasst euch heilen, nicht am Sabbat! 

Der Herr erwiderte ihm: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? 

Diese Tochter Abrahams aber, die der Satan schon seit achtzehn Jahren gefesselt hielt, sollte am Sabbat nicht davon befreit werden dürfen? 

Durch diese Worte wurden alle seine Gegner beschämt; das ganze Volk aber freute sich über all die großen Taten, die er vollbrachte.

 

 

Tagesimpuls:

 

Dort saß eine Frau, die seit achtzehn Jahren krank war, weil sie von einem Dämon geplagt wurde.  (Lk 13,11)

 

Wir müssen aufpassen, wenn wir uns die Welt zu einfach erklären. Aus der Offenbarung Jesu erkennen wir, dass die Welt tiefgründig und komplex ist. Aber es gibt Menschen, die die Realität von Dämonen ganz leugnen und Jesu Rede darüber als Mythologie erklären. Dann gibt es Menschen, die sich mit der Realität von Dämonen beschäftigen, die daran glauben, dass es so etwas gibt, weil Jesus das gesagt hat. Teilweise haben wir auch schon eigene persönliche Erfahrungen mit dieser Realität gemacht, z.B. in der Seelsorge. Aber auch, wenn man daran glaubt und sich damit beschäftigt, ist es nicht so ganz einfach.

 

Dort saß eine Frau, die seit achtzehn Jahren krank war, weil sie von einem Dämon geplagt wurde.

 

Wir haben unterschiedliche seelsorgliche Ansätze zum Befreiungsgebet. Wir verstehen das Wirken der Dämonen häufig – zu Recht – als Verführung zur Sünde, die das Leben zerstören soll. Vielfach hat das dämonische Wirken mit Schuld zu tun, damit, dass man sich dem Bösen in besonderer Weise geöffnet hat. Daher sind in den pastoralen Ansätzen zum Befreiungsgebet Vergebung und Widersagen wichtige Elemente. Aber hier, in diesem Evangelium, ist es wieder ganz anders. Hier ist keine Rede von irgendeiner Schuld, hier geht es überhaupt nicht um Verzeihung, auch nicht, darum, dass die Frau jemandem verzeihen müsste, der sie verletzt hat. Hier proklamiert Jesus einfach nur das Wort der Befreiung. Und dann legt er ihr die Hände auf, ich vermute, als Geste des Segens und Gebet für Heilung.

 

Dort saß eine Frau, die seit achtzehn Jahren krank war, weil sie von einem Dämon geplagt wurde.

 

Wir können immer nur lernen. Nach außen scheinbare Krankheit kann eine dämonische Ursache haben. Wenn jemand dämonisch belastet ist, heißt das nicht, dass man in allen Fällen über Verzeihung und Widersagen sprechen muss. Es kann sein, dass man einfach nur beten soll. Ich lerne, dass man sich nicht auf eine Erklärung, auf ein Konzept, versteifen soll. Jede Situation ist wieder anders, und jede Situation erfordert eine besondere Reaktion. Wir können den Heiligen Geist fragen, wie wir reagieren sollen. Wir können auch nach besten Wissen und Gewissen ausprobieren, was hilft. Dabei ist der Respekt vor der Würde der betreffenden Person natürlich immer die oberste Priorität. Was ich aber auch lerne: Es gibt zurzeit verschiedene „Schulen" für den Befreiungsdienst. Das ist sehr gut so. Keiner hat das Konzept, das für alle Fälle passt. Wir brauchen die vielfältigen Ansätze, weil die Situationen so unterschiedlich sind.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass ich jeden Tag von deinem Wort lerne. Ich danke dir, dass du die Frau einfach nur durch Gebet befreit und geheilt hast. Das zeigt, dass es nicht immer so kompliziert sein muss. Manchmal ist es genug, einfach nur zu beten. Dafür danke ich dir von ganzem Herzen. Bitte zeige mir in den verschiedenen Situationen immer die angemessene seelsorgliche Reaktion.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 







Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel 
Telefon 02456 - 3627    
Fax 02456 - 3019