Samstag, 28. März 2020

Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt. (Joh 11,15)

05 Sonntag der Fastenzeit  

 

EVANGELIUM

Joh 11, 1-45

 

In jener Zeit

1war ein Mann krank, Lazarus aus Betanien, dem Dorf, in dem Maria und ihre Schwester Marta wohnten.

2Maria ist die, die den Herrn mit Öl gesalbt und seine Füße mit ihrem Haar abgetrocknet hat; deren Bruder Lazarus war krank.

3Daher sandten die Schwestern Jesus die Nachricht: Herr, dein Freund ist krank.

4Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit wird nicht zum Tod führen, sondern dient der Verherrlichung Gottes: Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden.

5Denn Jesus liebte Marta, ihre Schwester und Lazarus.

6Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt.

7Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen.

8Die Jünger entgegneten ihm: Rabbi, eben noch wollten dich die Juden steinigen, und du gehst wieder dorthin?

9Jesus antwortete: Hat der Tag nicht zwölf Stunden? Wenn jemand am Tag umhergeht, stößt er nicht an, weil er das Licht dieser Welt sieht;

10wenn aber jemand in der Nacht umhergeht, stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist.

11So sprach er. Dann sagte er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken.

12Da sagten die Jünger zu ihm: Herr, wenn er schläft, dann wird er gesund werden.

13Jesus hatte aber von seinem Tod gesprochen, während sie meinten, er spreche von dem gewöhnlichen Schlaf.

14Darauf sagte ihnen Jesus unverhüllt: Lazarus ist gestorben.

15Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt. Doch wir wollen zu ihm gehen.

16Da sagte Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, zu den anderen Jüngern: Dann lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben.

17Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen.

18Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt.

19Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten.

20Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus.

21Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.

22Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.

23Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.

24Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag.

25Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,

26und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?

27Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

28Nach diesen Worten ging sie weg, rief heimlich ihre Schwester Maria und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich rufen.

29Als Maria das hörte, stand sie sofort auf und ging zu ihm.

30Denn Jesus war noch nicht in das Dorf gekommen; er war noch dort, wo ihn Marta getroffen hatte.

31Die Juden, die bei Maria im Haus waren und sie trösteten, sahen, dass sie plötzlich aufstand und hinausging. Da folgten sie ihr, weil sie meinten, sie gehe zum Grab, um dort zu weinen.

32Als Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie ihm zu Füßen und sagte zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.

33Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert.

34Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh!

35Da weinte Jesus.

36Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte!

37Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?

38Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt, und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.

39Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, entgegnete ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag.

40Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?

41Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.

42Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herum steht, habe ich es gesagt; denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast.

43Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!

44Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden, und lasst ihn weggehen!

45Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.

 

 

Tagesimpuls:

 

Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt.  (Joh 11,15)

 

Jesus will, dass wir glauben. Damit unser Glaube wachsen kann, zögert er mit seiner göttlichen Hilfe. In solchen Situationen sind wir versucht, an Gott zu zweifeln: „Warum lässt er das zu? Gibt es überhaupt einen Gott?" Aber er zieht sich mit seiner göttlichen Hilfe nur aus dem einen Grund zurück: Damit wir wieder neu lernen, ihm zu vertrauen.

 

Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt.

 

Ein Kind hat Angst im Dunkeln. Nun kann man jede Nacht das Licht anlassen. Das Kind wird nie lernen, dass es gar nicht schlimm ist, wenn das Licht nachts ausgeschaltet ist. Wie kann das Kind lernen, dass man auch im Dunklen vertrauen kann? Nur, indem es doch einmal versucht, im Dunklen einzuschlafen. Wenn man immer das Licht anlässt, könnte es sein, dass die Person sogar im Erwachsenenalter immer noch Angst hat im Dunklen. Wäre das im Sinne Gottes? Will Gott, dass wir mit Ängsten leben? Natürlich nicht. Also müssen wir lernen, in Krisen auszuhalten und dabei erkennen, dass Gott uns immer alles Nötige gibt, was wir brauchen.

 

Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt.

 

Wir sträuben uns intuitiv gegen diese Pädagogik Gottes. Wir wollen, dass es uns immer gut geht. Dieser Wunsch wurde von Gott selber in uns hineingelegt. Wir spüren zutiefst, dass wir für die Freude geschaffen sind, nicht für das Leid. Wir spüren, dass wir sogar einen Anspruch darauf haben, dass es uns gut gehe. Das ist unsere Erinnerung an das Paradies. Wir haben den Plan Gottes, wie er die Schöpfung gewollt hat, tief in uns. Aber das setzt ein vollkommenes Gottvertrauen voraus, wie es im Paradies der Fall war. In unserer heutigen Welt müssen wir dieses Gottvertrauen erst wieder neu lernen. Daher gibt es diese Prüfungen. Jesus entzieht uns seine göttliche Hilfe für ein paar Tage, damit wir das Gottvertrauen neu lernen können.

 

Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt.

 

Halten wir also fest am Glauben! Halten wir fest an unseren Gebeten! Halten wir daran fest in der Überzeugung, dass genau das uns retten wird aus aller Not, auch wenn wir ein paar Tage darauf warten müssen. Wir wollen in einer Woche das 24/7 Gebet bei uns im Selfkant starten. Wir suchen noch Beter, um die vielen leeren Stunden auszufüllen. Wahrscheinlich gibt es auch an anderen Orten Gebetsinitiativen, die wir unterstützen können. In den letzten Tagen gab es weltweit so viele Aufrufe zum Gebet. Laden wir aber auch unsere Mitmenschen, unsere Nachbarn, zu Gebeten ein, z.B. das Aufstellen von Kerzen in den Fenstern am Abend als Zeichen für unsere Hinwendung zu Gott in der Not. Das Gebet zu Gott wird uns helfen, darauf vertrauen wir.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du uns nie im Stich lässt. Du hast die Jünger zwar immer wieder allein gelassen, aber nur, damit sie lernen konnten, tief auf Gott zu vertrauen. Das müssen wir lernen, Dazu gibt es die Prüfungen. Jesus, mach uns stark! Hilf uns, mitten in den Krisen unseres Lebens tief auf dich zu vertrauen!

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 







Roland Bohnen
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Freitag, 27. März 2020

Er wollte sich nicht in Judäa aufhalten, weil die Juden darauf aus waren, ihn zu töten. (Joh 7,1)

04 Woche der Fastenzeit    Freitag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Joh 7,1-2.10.25-30

In jener Zeit zog Jesus in Galiläa umher; denn er wollte sich nicht in Judäa aufhalten, weil die Juden darauf aus waren, ihn zu töten. 

Das Laubhüttenfest der Juden war nahe. 

Als aber seine Brüder zum Fest hinaufgegangen waren, zog auch er hinauf, jedoch nicht öffentlich, sondern heimlich. 

Da sagten einige Leute aus Jerusalem: Ist das nicht der, den sie töten wollen? 

Und doch redet er in aller Öffentlichkeit, und man lässt ihn gewähren. Sollte der Hohe Rat wirklich erkannt haben, dass er der Messias ist? 

Aber von dem hier wissen wir, woher er stammt; wenn jedoch der Messias kommt, weiß niemand, woher er stammt. 

Während Jesus im Tempel lehrte, rief er: Ihr kennt mich und wisst, woher ich bin; aber ich bin nicht in meinem eigenen Namen gekommen, sondern er, der mich gesandt hat, bürgt für die Wahrheit. Ihr kennt ihn nur nicht. 

Ich kenne ihn, weil ich von ihm komme und weil er mich gesandt hat. 

Da wollten sie ihn festnehmen; aber keiner wagte ihn anzufassen, denn seine Stunde war noch nicht gekommen.

 

 

Tagesimpuls:

 

Er wollte sich nicht in Judäa aufhalten, weil die Juden darauf aus waren, ihn zu töten.  (Joh 7,1)

 

Jesus ist nicht gleich nach Jerusalem hinaufgezogen, weil er wusste, dass sie ihn töten wollten. Ähnlich ist es auch bei Paulus. Immer wieder wird in der Apostelgeschichte gesagt, dass er vor der Verfolgung geflohen ist. Ich hatte immer die Befürchtung, es könnte Feigheit sein, wenn man vor der Christenverfolgung flieht. Und ich habe mich gefragt, was würde ich machen. Würde ich auch fliehen? Vor kurzem las ich noch mal die Apostelgeschichte, und da war es mir aufgefallen, wie oft Paulus geflüchtet ist. Und Jesus ist auch nicht gleich ins offene Messer gelaufen.

 

Er wollte sich nicht in Judäa aufhalten, weil die Juden darauf aus waren, ihn zu töten.

 

Andererseits, als die Stunde gekommen war, da hat Jesus nicht gezögert, nach Jerusalem zu gehen und sich verhaften zu lassen. Genauso war es bei Paulus. Ihm ist seine Verhaftung prophetisch vorausgesagt worden, und doch ist er konsequent seinem Schicksal entgegengegangen.

 

Er wollte sich nicht in Judäa aufhalten, weil die Juden darauf aus waren, ihn zu töten.

 

Die Moraltheologie hat diese Frage klar beantwortet. Es ist keine Sünde, wenn man sich dem Martyrium entzieht. Ein Christ ist nicht moralisch verpflichtet, Märtyrer zu werden. Es ist aber auch keine Sünde, wenn man sein Leben opfert. Man muss es einfach vor seinem eigenen Gewissen entscheiden. Paulus hätte sicher gesagt, dass er das tue, wozu der Heilige Geist ihn in der jeweiligen Situation leitet. Und Jesus hat immer den Willen des Vaters getan, d.h. er wusste, wann es dran war, den Weg zum Kreuz zu gehen.

 

Er wollte sich nicht in Judäa aufhalten, weil die Juden darauf aus waren, ihn zu töten.

 

Für mich und sicher für viele ist das eine Entlastung. Ich darf mich schützen. Ich muss nicht in ein offenes Messer laufen, weil ich Christ bin. Das soll keine Ausrede für Egoismus und Bequemlichkeit sein. Ich soll mein Leben hingeben, ich soll mich aufopfern. Jesus wird für mich sorgen. Aber ich muss bei allem klug sein, und ich darf auch auf meine Gesundheit und auf mein eigenes Wohlergehen achten. Nur wenn ich gesund bin, kann ich auch viel Gutes für andere tun.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass wir in dir für alles ein Vorbild haben. Wir sollen nicht in Extreme fallen. Wir sollen uns selbst lieben, unseren Nächsten lieben und dich lieben, alles in ausgewogenem Verhältnis. Hilf uns, klug zu sein, unser Leben hinzugeben, aber auch zu erkennen, wann wir uns schützen sollen.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 







Roland Bohnen
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