Dienstag, 23. Juli 2019

So könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. (Joh 5,4)

Heilige Birgitta von Schweden

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Joh 15,1-8

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. 

Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. 

Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. 

Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. 

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. 

Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. 

Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. 

Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.

 

 

Tagesimpuls:

 

So könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.  (Joh 5,4)

 

In Jesus bleiben, das ist das Wichtigste, wenn wir wollen, dass unser Leben fruchtbar wird und bleibt. Man muss sich zunächst fragen, ob man überhaupt will, dass das Leben fruchtbar wird, und worin die Frucht bestehen würde. Es gibt sehr viele Menschen, die leben nur für sich selber. Sie heiraten, weil sie einen Mann oder eine Frau an ihrer Seite haben wollen, weil das schön ist. Aber das ist immer noch egoistisch. „Ich will das, ich finde das schön." Fruchtbar wird das Leben erst durch die Liebe. Die Heilige Theresa von Avila sagt in ihrem Gleichnis vom Bewässern des Gartens, dass die Liebe und die damit verbundenen Tugenden die Früchte sind, die der Garten hervorbringen soll.

 

So könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.

 

Also ist die erste Frage: Will ich nur für mich leben, für das, was ich schön finde, oder will ich, dass die Liebe das Ziel meines Lebens wird? Wenn diese Frage beantwortet ist, dann führt uns Jesus dazu, dass wir nur dann fruchtbar werden, wenn wir in ihm bleiben. Ich nehme ein Beispiel aus meinem Leben: Ich bin dabei, für einen Anlass eine Predigt vorzubereiten. Ich will es besonders gut machen. Und dabei wird mir klar: Egal, was du jetzt predigen wirst, egal, wie gut du das jetzt vorbereitest, die Fruchtbarkeit, also, ob es auf offene Herzen trifft, ob es verstanden wird, hängt von einem ganz anderen Faktor ab. Ob die Leute gelangweilt nach unten schauen, ob die Leute sagen werden: „das war zu lang", womit sie meinen, dass es sie nicht angesprochen hat, oder ob irgendwie die Herzen bewegt und jemand einen positiven Vorsatz machen oder sein Leben einen kleinen Schritt verbessern wird, das hängt viel mehr von meinem Gebet ab als von meiner Vorbereitung. Wie die Menschen in diesem Gottesdienst reagieren werden, das liegt zu 99% in Gottes Hand, nicht in meiner. Ich kann einen kleinen Beitrag leisten, dass es fruchtbar wird, aber dieser Beitrag wiederum besteht zu 99% darin, wie ich in Christus bin, wie ich bete, und dann natürlich auch ein wenig in meiner Vorbereitung.

 

So könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.

 

Dies war ein Beispiel von mir, ich hoffe, dass jeder das auf seine Situationen übertragen kann. Ein weiterer Hinweis liegt in der Formulierung „in mir". Auf den ersten Blick klingt das ungewöhnlich, aber es führt in die Tiefe. Jesus geht nicht nur mit mir, an meiner Seite, sondern er will auch in mir sein. Wir denken an die Eucharistie, wir sollen seinen Leib essen, uns mit ihm vereinigen. Was Jesus sich wünscht, ist eine sehr große Tiefe, eine sehr große Einheit. Und ich vermute, dass es sogar so geschehen kann, dass wir täglich an der Eucharistiefeier teilnehmen, uns dabei mit ihm vereinigen, und dann ist er in uns, auch wenn wir uns dann seiner Gegenwart in den Situationen des Alltags gar nicht immer bewusst sind. Am Abend in der Reflexion sehen wir dann, wie sehr er mit unserem Leben an diesem Tag verwoben war. Trotzdem wollen wir uns natürlich seine Gegenwart so oft wie möglich bewusst machen. Aber es ist schön zu wissen, dass er in uns lebt, auch dann, wenn wir nicht daran denken.

 

Gebet:

Jesus, ich will für dich leben, nicht für meinen Egoismus. Ich will, dass mein Leben fruchtbar wird. Ich will mit dir verbunden bleiben, dass du in mir lebst und ich in dir. Danke für die Eucharistiefeier, in der du dich mit mir vereinigst. Lass mich heute in dieser Verbundenheit bleiben soweit es möglich ist.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

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Montag, 22. Juli 2019

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. (Joh 20,11)

Heilige Maria Magdalena

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Joh 20,1-2.11-18

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. 

Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. 

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. 

Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. 

Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. 

Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. 

Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. 

Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. 

Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. 

Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.

 

 

Tagesimpuls:

 

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. (Joh 20,11)

 

Während die anderen alle wieder nach Hause gegangen waren, blieb Maria am Grab und weinte. Das zeigt, was für einen Charakter sie hat. Sie ist eifriger als die anderen, sie liebt mehr, sie glaubt mehr, sie hofft mehr. Diese Situation erinnert mich an das (er)wartende Gebet. Viele würden sagen: „Was bringt das Beten? Geh doch lieber nach Hause und ruh dich aus!" Viele verstehen das nicht, warum Menschen z.B. in der Nacht für Stunden beten und auf den Herrn warten. Ich will nicht sagen, dass Maria die Auferstehung konkret erwartet hätte. Aber sie hat irgendwie nicht aufgegeben, hat nicht resigniert. Jedenfalls ist sie am Grab geblieben, und diesen Eifer hat Jesus belohnt, indem er ihr als erstes erschienen ist.

 

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. 

 

Die Erkenntnis Jesus geschieht nicht direkt. Dieser Vorgang ist, so zeigt es unser Evangelium, hinein gewoben in die Umstände unseres Lebens. Ich will auf keinen Fall leugnen, dass die Erscheinung real geschehen ist. Aber durch die Tatsache, dass sie ihn nicht gleich erkannt hat, erhalten wir einen wichtigen Hinweis darauf, wie wir Jesus erkennen können. Wir müssen die Augen geöffnet halten. Es ist ein subtiler Vorgang, zumindest am Anfang. Es kann mitten in unserem Leben geschehen. Ich denke oft, ob ich nicht die Begegnung mit Jesus öfter als mir lieb ist verpasst habe, weil ich nicht offen war, weil ich mit anderen Dingen beschäftigt war.

 

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. 

 

Hier sehen wir wieder die Wichtigkeit des erwartenden Gebets. Maria hat sich durch das Warten und Trauern am Grab für diese Begegnung vorbereitet, wenn auch unbewusst. Und wenn wir beten, und wenn wir manchmal meinen, dass es sinnlos wäre, dann sind das vielleicht auch für uns die Vorbereitungszeiten, die wir brauchen, damit sich der Herr uns im entscheidenden Moment zeigen kann.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir für das Vorbild der Heiligen Maria Magdalena. Sie hat dich sehr geliebt, sie konnte am Grab ausharren, als alle anderen schon gegangen waren. Hilf mir, dass ich auch im Gebet ausharre, auch dann, wenn es sinnlos scheint. Hilf mir, auf dich zu warten und mich für dich zu öffnen. Hilf mir auch, meine Trauer auszudrücken und nicht zu verdrängen, damit mein Herz für dich offenbleiben kann.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

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Samstag, 20. Juli 2019

Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. (Lk 10,39)

 16 Sonntag im Jahreskreis

 

Evangelium                                                                     Lk 10, 38–42

In jener Zeit
38kam Jesus in ein Dorf.
Eine Frau namens Marta nahm ihn gastlich auf.
39Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß.
Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen
und hörte seinen Worten zu.
40Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen
zu dienen.
Sie kam zu ihm
und sagte: Herr, kümmert es dich nicht,
dass meine Schwester die Arbeit mir allein überlässt?
Sag ihr doch, sie soll mir helfen!
41Der Herr antwortete:
Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen.
42Aber nur eines ist notwendig.
Maria hat den guten Teil gewählt,
der wird ihr nicht genommen werden.

 

Tagesimpuls:

 

Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu.  (Lk 10,39)

 

Es ist so wichtig, bei Jesus zu sein! Es kann nicht sein, dass wir durch alles andere, was scheinbar wichtiger ist, daran gehindert werden. Ich glaube, dass wie bei Marta, die Arbeit bei vielen von uns einen sehr hohen Stellenwert hat. Wir sind aufgewachsen in einem Land, in dem Fleiß und Disziplin sehr wichtig war. Man merkt das immer noch bei den jungen Familien, z.B. bei der Erstkommunionvorbereitung. Für die Schule lernen ist in ihren Augen viel wichtiger als zur Kirche zu gehen. Berufliche Karriere steht bei vielen Menschen an allererster Stelle. Fleiß und Disziplin sind gewiss sehr wichtige Tugenden, aber nichts darf den Stellenwert einnehmen, der nur Gott zusteht.

 

Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu.

Für uns muss Gott an erster Stelle stehen. Aber das muss sich dann auch in unserem Tagesablauf bemerkbar machen. Ich muss wieder denken an das Gespräch zwischen Jacinta, einer der Seherinnen von Fatima, und ihrer Mutter. Die Mutter sagte, dass sie es heute nicht geschafft habe, einen Rosenkranz zu beten, worauf Jacinta antwortete: „Aber Mama!" Vielleicht würde Jesus uns manchmal auch so antworten, nicht vorwurfsvoll, aber doch deutlich im Sinne von: „Denk doch mal nach, gab es für das Gebet heute wirklich keine Zeit?"

 

Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu.

Ich glaube, dass es jeden Tag etwas gibt wie der Vorwurf von Marta, was uns am Gebet hindern will. Mal sind es innere Ablenkungen, mal sind es Menschen, die uns irgendwie ablenken oder mit Unverständnis auf unsere Gebetszeit reagieren. Viele Menschen verstehen das innere Leben nicht. Sie brauchen immer Impulse von außen. Sie können es nicht verstehen, wieso man glücklich sein kann, wenn man einfach nur eine Zeit lang still betet. Aber die Menschen dürfen uns das nicht wegnehmen. Jesus will, dass uns das nicht genommen wird. Halten wir fest an unserer täglichen Zeit mit Jesus, zu seinen Füßen, damit das innere Leben in uns immer noch stärker wird.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir für alle Freude und allen Frieden, für alles, was du mir im Gebet schenkst. Ich bitte dich, dass viel mehr Menschen das verstehen. Hilf mir, heute still bei dir zu bleiben, mich nicht ablenken zu lassen. Und lass jeden Konflikt, der deswegen in unserer Familie oder in meiner Umgebung entsteht, umgewandelt werden zu großem Segen.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

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