Donnerstag, 31. August 2017

Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr eingesetzt hat, damit er dem Gesinde zur rechten Zeit gibt, was sie zu essen brauchen? (Mt 24,45)

21 Woche im Jahreskreis – Donnerstag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 24,42-51.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Seid wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.
Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht.
Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr eingesetzt hat, damit er dem Gesinde zur rechten Zeit gibt, was sie zu essen brauchen?
Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt!
Amen, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen.
Wenn aber der Knecht schlecht ist und denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht!,
und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, wenn er mit Trinkern Gelage feiert,
dann wird der Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt;
und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Heuchlern zuweisen. Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.

 

Tagesimpuls:

 

Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr eingesetzt hat, damit er dem Gesinde zur rechten Zeit gibt, was sie zu essen brauchen? (Mt 24,45)

 

Als Priester sehe ich natürlich mich als der treue und kluge Knecht an, den Jesus meint. Wer Vater oder Mutter ist, wird sich vermutlich ähnlich angesprochen fühlen, ebenso Lehrer. Aber ich meine, dass jeder sich angesprochen fühlen kann. Es kommt einfach darauf an, für welche Menschen ich verantwortlich bin, wen Gott mir geschenkt hat, damit ich ihm diese so wichtige Nahrung gebe. Wir alle als Christen haben von Gott Menschen geschenkt bekommen, und diesen Menschen sollen wir die Nahrung geben. Manche haben die ganze Nation auf Herz gelegt bekommen und beten dafür, manche beten für ihre Region, in der sie wohnen, manche für ihre Nachbarschaft. Es gibt Menschen, die gehen auf die Straßen und evangelisieren dort, weil sie den Menschen die wichtige Nahrung schenken wollen.

 

Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr eingesetzt hat, damit er dem Gesinde zur rechten Zeit gibt, was sie zu essen brauchen?

 

Nun, was sagt Jesus mir damit? Ich soll das Evangelium echt verkünden. Dort, wo die echte Verkündigung stattfindet, wird Samen für den Glauben ausgestreut. Mit echt meine ich unverkürzt, nicht nur so, wie die Menschen es vielleicht schon kennen, nicht nur das, was sie vielleicht gerne hören. Dann betont Jesus noch die rechte Zeit. Das verstehe ich jetzt so, dass es für alles eine richtige Zeit gibt. Ich soll z.B. auch schlafen, ich soll Zeit zum Gebet und zum Lesen haben, alles zur rechten Zeit. Der Teufel hat eine Strategie, wie er uns außer Kraft setzen will, indem er uns täuscht, wir müssten immer mehr machen, und dann überfordern wir uns. Zur rechten Zeit, das heißt, dass ich auf die Führung Gottes achten muss. Wenn ich in der Führung Gottes bin, dann ist meine Verkündigung gesegnet, „gesalbt" vom Heiligen Geist. Ich soll also zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, und das heißt auch, dass ich zur richtigen Zeit auf den Knien in der Kirche sein soll, damit ich die Kraft habe, das Evangelium zu verkündigen, so wie Jesus es will.

 

Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr eingesetzt hat, damit er dem Gesinde zur rechten Zeit gibt, was sie zu essen brauchen?

 

Freuen wir uns also auf einen Tag, an dem wir für Jesus sprechen dürfen! Ich darf heute Schulgottesdienste feiern, zu vielen Kindern sprechen. Das ist eine besonders große Freude. Jeder von uns hat andere Aufgaben, die vor ihm liegen. Aber wir werden von Gott Gelegenheiten bekommen, wo wir das Evangelium verkünden dürfen.

 

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass ich für dich sprechen darf. Ich danke dir, dass du uns einen guten Weg gezeigt hast, wie wir deine Liebe in die Herzen der Menschen säen können: durch die Verkündigung des Evangeliums. Bitte hilf mir, schenke mir den Heiligen Geist, dass ich das Evangelium gut verkünde, unverkürzt, echt, so dass es auch kraftvoll ist und Frucht bringen kann! Bitte hilf mir aber auch, in der Führung des Heiligen Geistes zu leben, dass ich immer zur rechten Zeit am rechten Ort bin, und dass ich nicht der Versuchung erliege, mich zu überfordern.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

 

 

Mittwoch, 30. August 2017

So erscheint ihr von außen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Ungehorsam gegen Gottes Gesetz. (Mt 23,28)

21 Woche im Jahreskreis – Mittwoch

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 23,27-32.

In jener Zeit sprach Jesus: Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr seid wie die Gräber, die außen weiß angestrichen sind und schön aussehen; innen aber sind sie voll Knochen, Schmutz und Verwesung.
So erscheint auch ihr von außen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Ungehorsam gegen Gottes Gesetz.
Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr errichtet den Propheten Grabstätten und schmückt die Denkmäler der Gerechten
und sagt dabei: Wenn wir in den Tagen unserer Väter gelebt hätten, wären wir nicht wie sie am Tod der Propheten schuldig geworden.
Damit bestätigt ihr selbst, dass ihr die Söhne der Prophetenmörder seid.
Macht nur das Maß eurer Väter voll!

 

Tagesimpuls:

 

So erscheint ihr von außen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Ungehorsam gegen Gottes Gesetz. (Mt 23,28)

 

Jesus sieht unser Herz. Es nützt nichts, wenn wir nach außen vor den Menschen als gut dastehen. Im Gegenteil, es wäre viel besser, wenn wir mal unseren Stolz verlieren und uns helfen lassen würden, z.B. bei der Beichte, da müssen wir unseren Stolz verlieren und zugeben, wie es wirklich aussieht in uns. Beim Arzt zeigt man auch seine kranke Stelle, auch wenn es peinlich ist. Wenn man es nicht zeigen will, dann kann der Arzt nicht helfen. Aber denken wir einmal darüber nach, wie viel wir aufwenden, um nach außen, vor den Menschen, gut dazustehen! Dieselbe Kraft sollten wir verwenden, um in einer guten Beziehung zu Jesus zu leben. Und gegenüber den Menschen ist es gar nicht schlecht, wenn wir einmal schwach dastehen, das ist sehr gut für unsere Demut.

 

So erscheint ihr von außen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Ungehorsam gegen Gottes Gesetz.

 

Wenn wir erkennen, dass es in uns Lebensbereiche gibt, die nicht heil sind, dann sollten wir unseren Stolz überwinden und uns helfen lassen. Dazu gibt es Seelsorge, es gibt Beichte, es gibt vielfältige Angebote zu seelsorglichen Diensten bei Einkehrtagen oder auch in Gemeinden und Gemeinschaften. Ich denke z.B. an Kurse für Ehepaare, ich denke an Heilungsexerzitien, Heilungsgottesdienste und vieles mehr. Ja, man muss sich vielleicht eine Blöße geben. Wenn z.B. – um mal ein krasses Beispiel zu geben – in einem Gottesdienst in den USA gefragt wird, wer mit Abhängigkeiten wie z.B. Pornographie zu tun hat, soll jetzt mal aufstehen, damit für ihn gebetet werden kann, man müsse sich in diesem geschützten Raum nicht schämen, und dann werden die Umstehenden eingeladen, den Betreffenden die Hände aufzulegen und für ihn zu beten – dann geht das schon mächtig gegen den Stolz. Ich will dieses Beispiel nicht als Norm darstellen, dass man es so machen müsse, ich sehe auch, dass man da viele berechtigte Bedenken vorbringen kann. Mir geht es hier nur um diesen einen Punkt: will ich nach außen vor den Menschen gut dastehen, oder ist meine Beziehung zu Gott das Wichtigste, sehne ich mich danach, dass mein Herz rein wird? Und wenn der Stolz und die Sucht nach Anerkennung der Menschen meiner Heilung im Weg steht, dann ist das sicher nicht im Sinne Jesu.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du so sehr um unser Inneres besorgt bist. Du warnst uns heute, dass wir unserer Sucht nach Anerkennung der anderen nicht zu großen Raum geben. Jesus, ich will mich um das reine Herz bemühen. Jesus, schenke mir ein reines Herz, und wenn ich auf dem Weg der Heilung auch manchmal meinen Stolz vor den anderen verlieren muss, so will ich diesen Weg doch gehen. Befreie mich von aller Menschenfurcht!

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

 

 

Dienstag, 29. August 2017

Johannes hatte zu Herodes gesagt: Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen. (Mk 6,18)

GEDENKTAG DER ENTHAUPTUNG JOHANNES DES TÄUFERS

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus - Mk 6,17-29.

Herodes hatte Johannes festnehmen und ins Gefängnis werfen lassen. Schuld daran war Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, die er geheiratet hatte.
Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen.
Herodias verzieh ihm das nicht und wollte ihn töten lassen. Sie konnte ihren Plan aber nicht durchsetzen,
denn Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Sooft er mit ihm sprach, wurde er unruhig und ratlos, und doch hörte er ihm gern zu.
Eines Tages ergab sich für Herodias eine günstige Gelegenheit. An seinem Geburtstag lud Herodes seine Hofbeamten und Offiziere zusammen mit den vornehmsten Bürgern von Galiläa zu einem Festmahl ein.
Da kam die Tochter der Herodias und tanzte, und sie gefiel dem Herodes und seinen Gästen so sehr, dass der König zu ihr sagte: Wünsch dir, was du willst; ich werde es dir geben.
Er schwor ihr sogar: Was du auch von mir verlangst, ich will es dir geben, und wenn es die Hälfte meines Reiches wäre.
Sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich mir wünschen? Herodias antwortete: Den Kopf des Täufers Johannes.
Da lief das Mädchen zum König hinein und sagte: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schale den Kopf des Täufers Johannes bringen lässt.
Da wurde der König sehr traurig, aber weil er vor allen Gästen einen Schwur geleistet hatte, wollte er ihren Wunsch nicht ablehnen.
Deshalb befahl er einem Scharfrichter, sofort ins Gefängnis zu gehen und den Kopf des Täufers herzubringen. Der Scharfrichter ging und enthauptete Johannes.
Dann brachte er den Kopf auf einer Schale, gab ihn dem Mädchen, und das Mädchen gab ihn seiner Mutter.
Als die Jünger des Johannes das hörten, kamen sie, holten seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

 

Tagesimpuls:

 

Johannes hatte zu Herodes gesagt: Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen. (Mk 6,18)

 

Jetzt erleben wir, wie Johannes Klartext redet. Viele hätten da vielleicht mehr Angst gehabt. Ich selber traue mich auch nicht immer, das zu sagen, was ich denke bzw. wovon ich überzeugt bin. Ich denke dann, dass der andere es nicht annehmen kann, und dann sage ich es lieber erst gar nicht. Johannes dagegen hat trotzdem seine Meinung gesagt. Er konnte sich vermutlich ebenfalls schon im Voraus denken, dass Herodes es nicht annehmen würde. Warum hat er es dann gesagt? Es hat doch nichts gebracht, im Gegenteil, es hat ihn seinen Kopf gekostet.

 

Johannes hatte zu Herodes gesagt: Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen.

 

Ich lerne, dass wir auch dann etwas sagen müssen, wenn wir davon ausgehen können, dass der andere es noch nicht annehmen kann. Denn wenn wir nie etwas sagen, dann hat der andere auch nie eine Chance, sich mit der Wahrheit auseinanderzusetzen. Auch wenn ich sicher weiß, dass der andere es nicht annehmen wird, dass er vielleicht sogar verärgert sein wird, muss ich trotzdem etwas sagen. Denn die Verärgerung kann der erste Schritt einer Auseinandersetzung sein, im Laufe derer er es dann irgendwann einmal versteht. Dass Menschen ablehnend reagieren auf die Wahrheit, muss nicht immer schlecht sein. Oft ist dir Ablehnung der erste Schritt eines Prozesses, der letztendlich dann doch zum Verstehen und Annehmen der Wahrheit führt.

 

Johannes hatte zu Herodes gesagt: Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen.

 

„Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht!" (2 Tim 4,2) Hier bestätigt Paulus das. Selbst wenn man es nicht hören will, soll Timotheus es dennoch verkünden. Nur so kann sich in den Menschen etwas bewegen.

 

Gebet:

Jesus, du hast uns in Johannes ein großes Vorbild geschenkt. Er hat nicht auf sich selbst geachtet, sondern hat den Auftrag gelebt, den er von dir empfangen hat. Er hat dich verkündet und ist ehrlich dabei geblieben. Er war nicht besonders diplomatisch, sondern klar und eindeutig. Jesus, in vielen Fällen habe ich nicht den Mut. Ich habe Angst, anzuecken und abgelehnt zu werden. Bitte gib mir in den entscheidenden Momenten den Mut und die Klarheit, dass ich deine Botschaft verkünden kann, ob man es hören will oder nicht.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

 

Montag, 28. August 2017

Weh euch, ihr seid blinde Führer! Ihr sagt: Wenn einer beim Tempel schwört, so ist das kein Eid; wer aber beim Gold des Tempels schwört, der ist an seinen Eid gebunden. (Mt 23,16)

21 Woche im Jahreskreis – Montag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 23,13-22.

Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verschließt den Menschen das Himmelreich. Ihr selbst geht nicht hinein; aber ihr lasst auch die nicht hinein, die hineingehen wollen.

Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr zieht über Land und Meer, um einen einzigen Menschen für euren Glauben zu gewinnen; und wenn er gewonnen ist, dann macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, der doppelt so schlimm ist wie ihr selbst.
Weh euch, ihr seid blinde Führer! Ihr sagt: Wenn einer beim Tempel schwört, so ist das kein Eid; wer aber beim Gold des Tempels schwört, der ist an seinen Eid gebunden.
Ihr blinden Narren! Was ist wichtiger: das Gold oder der Tempel, der das Gold erst heilig macht?
Auch sagt ihr: Wenn einer beim Altar schwört, so ist das kein Eid; wer aber bei dem Opfer schwört, das auf dem Altar liegt, der ist an seinen Eid gebunden.
Ihr Blinden! Was ist wichtiger: das Opfer oder der Altar, der das Opfer erst heilig macht?
Wer beim Altar schwört, der schwört bei ihm und bei allem, was darauf liegt.
Und wer beim Tempel schwört, der schwört bei ihm und bei dem, der darin wohnt.
Und wer beim Himmel schwört, der schwört beim Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt.

 

Tagesimpuls:

 

Weh euch, ihr seid blinde Führer! Ihr sagt: Wenn einer beim Tempel schwört, so ist das kein Eid; wer aber beim Gold des Tempels schwört, der ist an seinen Eid gebunden.  (Mt 23,16)

 

Jesus spricht Klartext. Man könnte denken, dass er aus Ärger heraus spricht. So kommt es in der Welt oft vor. Menschen, die sich über etwas ärgern, sagen dem anderen ihre Meinung. Aber Jesus spricht nicht aus Ärger, er spricht aus Liebe. Gerade weil man jemanden liebt, soll man klar mit ihm umgehen. Etwas klar zu sagen, ist mehr Liebe, als wenn man aus falscher Rücksichtnahme nicht die Wahrheit sagt. Oft gehen wir zu höflich miteinander um, enthalten dem anderen die Wahrheit vor, auf die er ein Recht hätte, sie zu erfahren. Wenn wir einander wirklich lieben, dann sollen wir auch ehrlich sein und die Wahrheit sagen.

 

Weh euch, ihr seid blinde Führer! Ihr sagt: Wenn einer beim Tempel schwört, so ist das kein Eid; wer aber beim Gold des Tempels schwört, der ist an seinen Eid gebunden.

 

Es kommt sehr auf den Ton an. Jemand spürt, ob ich aus Ärger oder aus Liebe spreche. Unsere Mitmenschen brauchen keine Härte, sie brauchen aber die Wahrheit. Härte entsteht oft aus Ärger. Härte ich normalerweise nicht gut. Das gilt ebenso für einen spitzen oder zynischen Unterton. Das alles ist nicht gut. Aber in Milde und Güte die Wahrheit klar und deutlich zu sagen, aus einem Herzen, das voller Liebe ist, das ist gut, das ist Liebe.

 

Weh euch, ihr seid blinde Führer! Ihr sagt: Wenn einer beim Tempel schwört, so ist das kein Eid; wer aber beim Gold des Tempels schwört, der ist an seinen Eid gebunden.

 

Noch eins sehen wir hier bei Jesus. Er gibt Beispiele. Das heißt, er macht sich die Mühe, sich in seine Zuhörer hineinzuversetzen. Er überlegt sich: wie muss ich es sagen, dass sie mich verstehen? Man muss sich mit der Denk- und Lebensweise des anderen auseinandersetzen, wenn man ihn liebt. Wenn Jesus keine Ahnung von all diesen Praktiken der Pharisäer gehabt hätte, dann hätte er ihnen nicht helfen können. Aber er hat sich darum bemüht, ihr Leben und Denken zu verstehen. So konnte er an Hand von treffenden Beispielen ihnen helfen, zu verstehen, was er meint.

 

Weh euch, ihr seid blinde Führer! Ihr sagt: Wenn einer beim Tempel schwört, so ist das kein Eid; wer aber beim Gold des Tempels schwört, der ist an seinen Eid gebunden.

 

So ist Jesus für uns ein Vorbild. Auch wir können versuchen, unsere Mitmenschen zu verstehen, auch wenn sie einen anderen Glauben oder andere Anschauungen vertreten. Wenn wir sie verstehen, dann können wir ihnen bei Gelegenheit die Widersprüchlichkeiten ihres Lebens und Denkens aufdecken. Und wenn wir das tun, dann sagen wir die Wahrheit in Liebe. Gerade weil wir unsere Mitmenschen lieben, sagen wir ihnen die Wahrheit. Es kommt dabei natürlich immer auf die Situation an, auf den richtigen Zeitpunkt. Es gibt dabei keine feste Regel. Das Hören auf den Heiligen Geist kann durch nichts ersetzt werden. Ohne seine Führung geht es nicht. Aber wenn er in uns wirkt, dann ist unser Herz voll Liebe.

 

Gebet:
Jesus, ich danke dir für dein Vorbild. Ich danke dir für die Art, wie du mit den Pharisäern gesprochen hast. Du kanntest sie und konntest ihnen deswegen auch helfen. Du hast sie geliebt, du hast ihnen verziehen. Du hast ihnen auch die Wahrheit gesagt, damit sie eine Gelegenheit bekamen, sich weiter zu entwickeln. Hilf mir, dass ich ebenso liebevoll mit Menschen umgehen kann, die nicht meine Meinung und meinen Glauben vertreten.

 

 

Pastor Roland Bohnen  

 

 

 

 

Samstag, 26. August 2017

Ihr aber, für wen haltet ihr mich? (Mt 16,15)

21 Sonntag im Jahreskreis

 

EVANGELIUM

Mt 16, 13-20

 

In jener Zeit,

13als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn?

14Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.

15Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?

16Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!

17Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.

18Ich aber sage dir: Du bist Petrus - der Fels -, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.

19Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.

20Dann befahl er den Jüngern, niemand zu sagen, dass er der Messias sei.

 

 

Tagesimpuls:

 

Ihr aber, für wen haltet ihr mich? (Mt 16,15)

 

Ich finde schön, dass jetzt in der Sommerzeit an zwei Sonntagen hintereinander Evangelien kommen, wo Jesus mit seinen Jüngern „verreist". Das zeigt, dass Jesus auch so etwas wie Ferien gemacht hat mit seinen Jüngern, Einkehrtage, wo sie mal zur Ruhe kommen konnten, und wo man auch theologische und spirituelle Fragen besprechen konnte. Und es geht um eine sehr große und wichtige Frage, die wichtigste Frage im menschlichen Leben überhaupt: Wie stehst du zu Jesus? Wer ist Jesus für dich?

 

Ihr aber, für wen haltet ihr mich?

 

In menschlichen Beziehungen ist es auch so. Wenn ein Junges Paar einige Zeit zusammen ist, dann kommt irgendwann die Frage auf: Wie stehen wir zueinander? Was ist das jetzt zwischen uns? Und wenn es positiv verläuft, dann kann eine Entscheidung fallen: Wir verloben uns. Ich kenne Menschen, für die es unbefriedigend ist, dass sie in einer Beziehung leben, aber einer der Partner genau so eine Entscheidung nicht will. Man bleibt immer in der Ungewissheit. Aber Liebe verlangt nach einer Entscheidung. Und genauso will Jesus diese Entscheidung.

 

Ihr aber, für wen haltet ihr mich?

 

Es mag Christen geben, die zwar mit Jesus eine Beziehung haben, aber nie eine Entscheidung für ihn getroffen haben. Mit diesen Christen würde Jesus vielleicht gern Einkehrtage halten, sich zurückziehen an einen ruhigen Ort, und sie dann fragen: Wie stehst du nun zu mir? Oder auch: Was hindert dich daran, dich mir ganz zu schenken? Jesus möchte, dass wir alle eine solche Entscheidung treffen.

 

Ihr aber, für wen haltet ihr mich?

 

Für mich heißt das, immer wieder neu meinen Glauben zu bekennen. So wie ein Ehepaar immer wieder in Worten und Zeichen die gegenseitige Liebe ausdrückt, so will ich Jesus sagen, dass ich an ihn glaube und dass ich ihn liebe. Unsere Beziehung braucht das. Es ist wichtig für Menschen, dass sie ihre Beziehung durch Liebeserklärungen bestärken, und ebenso wichtig ist es für unsere Beziehung zu Gott. Wenn wir im Gottesdienst das Glaubensbekenntnis sprechen, dann können wir dies als Ausdruck unserer Liebe zu Jesus beten, dann können wir dies als unser ganz persönliches Bekenntnis ihm versprechen.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du eine Beziehung zu mir willst. Ich danke dir auch, dass du diese Beziehung klären willst. Es soll nicht irgendeine Beziehung sein, sondern eine feste Liebesbeziehung mit einem Versprechen. Ich will dir heute wieder neu meine Liebe bekunden und dir sagen, dass ich fest an dich glaube.

 

 

Pastor Roland Bohnen