Dienstag, 22. August 2017

Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich. (Mt 19,26)

20 Woche im Jahreskreis – Dienstag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 19,23-30.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Amen, das sage ich euch: Ein Reicher wird nur schwer in das Himmelreich kommen.
Nochmals sage ich euch: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
Als die Jünger das hörten, erschraken sie sehr und sagten: Wer kann dann noch gerettet werden?
Jesus sah sie an und sagte zu ihnen: Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich.
Da antwortete Petrus: Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was werden wir dafür bekommen?
Jesus erwiderte ihnen: Amen, ich sage euch: Wenn die Welt neu geschaffen wird und der Menschensohn sich auf den Thron der Herrlichkeit setzt, werdet ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten.
Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen.
Viele aber, die jetzt die Ersten sind, werden dann die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein.

 

Tagesimpuls:

 

Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich.  (Mt 19,26)

 

Manchmal macht Gott uns bewusst, wie schwach und unfähig wir sind, etwas für ihn zu tun. In solchen Stunden erkennen wir, dass wir vollkommen auf seine Gnade angewiesen sind. Wir haben von uns aus nicht die Kraft, die Sünde zu besiegen. Wir können es nur mit seiner Gnade. Therese von Lisieux hat es einmal in einem Bild beschrieben. Wir sind wie kleine Kinder, die nur krabbeln können. Wir versuchen eine Treppe hochzuklettern, aber wir scheitern immer wieder an der ersten Stufe. Wir kommen einfach nicht hoch. Und dann plötzlich kommt der Vater und nimmt uns auf seinen Arm. Dann hebt er uns die ganze Treppe hinauf. Aber es war gut, dass wir es probiert haben. Alle Mühe, die wir an der ersten Stufe verwendet hatten, war wichtig. Es war nicht umsonst. Es ist Gott wohlgefällig, dass wir unseren Teil tun, auch wenn dieser Teil nur sehr klein ist im Vergleich zu dem, was er tut.

 

Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich.

 

Theologen haben sich in allen Jahrhunderten darum bemüht, das Zusammenspiel von göttlicher Gnade und menschlicher Freiheit, menschlichem Wirken, zu erklären. Es ist ein Geheimnis, dem wir immer nur nachspüren, über das wir immer nur staunen können, aber wir können es nie ganz erklären. Alles ist Gnade, und trotzdem kommt es auch darauf an, dass wir unseren Teil tun, auch wenn er angesichts unserer Schwachheit geradezu vergeblich erscheint. In der Liturgie der Heiligen Messe wird es symbolisch ausgedrückt. Ein winziges Tröpfchen Wasser wird in den Kelch mit Wein gegeben. Dies ist unser winzig kleiner menschlicher Beitrag, mit dem wir zusammenwirken mit dem Strom der göttlichen Gnade.

Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich.

 

Lassen wir uns durch dieses Evangelium Hoffnung schenken, wenn es uns schlecht geht, wenn wir entmutigt sind angesichts unserer Sünden und unserer Unfähigkeit! Schenken wir Jesus unsere Schwachheit, schenken wir ihm all unser Unvermögen, schenken wir ihm all das, wo wir selber keinen Ausweg sehen! Schenken wir ihm unsere Sünden, denn er ist die Barmherzigkeit, er will nichts anderes von uns!

 

Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich.

 

Zum Schluss möchte ich noch ein Zitat schreiben von Chiara Lubich aus einem Brief an einige Ordensschwestern aus dem Jahr 1946: „Meine lieben Schwestern..., um uns mit Jesus zu vereinen (und er ist der einzige Sinn unseres Lebens – wir haben uns ihm geschenkt) gibt es nur ein einziges Mittel: unsere Sünden. Wir müssen uns jeden anderen Gedanken aus dem Kopf schlagen und daran glauben, dass Jesus sich nur dann von uns angezogen fühlt, wenn wir ihm voll Demut, Vertrauen und Liebe unsere Sünden schenken. Wir haben nichts anderes anzubieten als unser Elend, unsere Sünden. Und er ist uns gegenüber nichts anderes als Barmherzigkeit. Wir können uns mit ihm nur vereinen, wenn wir ihm unsere Sünden zum Geschenk machen – das einzige, was wir haben – nicht unsere Tugend. Der Mensch, der Jesus liebt, weiß, was der Geliebte bevorzugt. Er weiß, dass Jesus auf die Erde gekommen und Mensch geworden ist, weil er sich aus tiefster Seele nur das eine wünscht: Erlöser zu sein, Arzt zu sein. Nichts anderes will er. ‚Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen, und wie froh wäre ich, es würde schon brennen!' Er hat ein Feuer gebracht, das verzehrt, das nichts anders will, als Sünden und Elend zu finden, das es verzehren kann.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass bei dir alles möglich ist. Darin liegt unsere Hoffnung, in nichts sonst. Ich will mich dir heute neu schenken, und ich weiß, dass du alles in mir vollbringen kannst, auch das, was mir noch unmöglich scheint. Ich will dir meine Schwachheit und meine Sünden schenken. Ich danke dir, dass du nichts lieber von mir haben willst, als meine Sünden, denn du bist die Barmherzigkeit, du bist das Feuer, das alles verzehrt.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

 

 

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