Samstag, 23. Oktober 2021

Was willst du, dass ich dir tue? (Mk 10,51)

30 Sonntag im Jahreskreis   

Evangelium                                                                                                  Mk 10, 46b–52

In jener Zeit,
46b als Jesus mit seinen Jüngern
und einer großen Menschenmenge Jéricho verließ,
saß am Weg ein blinder Bettler,
Bartimäus, der Sohn des Timäus.
47Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war,
rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!
48Viele befahlen ihm zu schweigen.
Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids,
hab Erbarmen mit mir!
49Jesus blieb stehen
und sagte: Ruft ihn her!
Sie riefen den Blinden
und sagten zu ihm: Hab nur Mut,
steh auf, er ruft dich.
50Da warf er seinen Mantel weg,
sprang auf
und lief auf Jesus zu.
51Und Jesus fragte ihn: Was willst du, dass ich dir tue?
Der Blinde antwortete: Rabbúni, ich möchte sehen können.
52Da sagte Jesus zu ihm: Geh!
Dein Glaube hat dich gerettet.
Im gleichen Augenblick
konnte er sehen
und er folgte Jesus auf seinem Weg nach.

Tagesimpuls:

Was willst du, dass ich dir tue?  (Mk 10,51) 

Der Blinde hat nicht dieselben Möglichkeiten wie wir, sich Jesus zu nähern. Er hat nur ein Mittel, auf sich aufmerksam zu machen, seine Stimme. Daher ruft er, ja er schreit immer lauter, ohne sich von den Leuten beirren zu lassen. Hier sehen wir schon etwas sehr Wichtiges. Wir sollen uns nicht konzentrieren auf das, was wir nicht können, sondern auf unsere Ressourcen, auf das was möglich ist. Und gleich in welcher Situation wir uns befinden, es gibt immer etwas, was möglich ist, was wir jetzt machen können. 

Was willst du, dass ich dir tue?

Jesus erkennt, wie wichtig für den Blinden seine Stimme ist. Daher fragt er ihn ausdrücklich. Der Blinde soll sich artikulieren. Er soll seine Bitte aussprechen. Hier lernen wir sehr viel über das Gebet. Man könnte meinen, dass dieses Formulieren überflüssig wäre, weil Gott es ja schon weiß. Aber sagen wir das mal zwei Liebenden! Wenn man weiß, dass man sich liebt, muss man das nicht mehr aussprechen, nicht mehr zeigen ­– wäre das richtig? Oder wenn zwei Menschen sich versöhnen: Ist es überflüssig, dass jemand seine Schuld eingesteht? Nein! Es gibt Worte, die müssen ausgesprochen werden, und ohne das Aussprechen ist die Realität eine andere! 

Was willst du, dass ich dir tue?

Und so ist es auch mit unserem Beten. Wenn wir uns über zu wenige Gebetserhörungen beklagen, dann prüfen wir uns doch einmal, wie viele Gebete wir ausgesprochen haben! Zwei Dinge sind beim Gebet wichtig: Zum einen, dass wir glauben, und zum anderen, dass wir die Gebete Jesus gegenüber aussprechen. Mit dem Aussprechen bekräftigen wir unseren Glauben. Wer sowieso nicht glaubt, dem ist das Aussprechen von Bitten auch nicht wichtig. Wer aber an Jesus glaubt, der macht sich auch die Mühe, zu beten und zu bitten. Er weiß, dass Jesus unser Beten segnet, und durch unsere Bittgebete bekräftigen wir unseren Glauben an das Wirken Jesu. 

Gebet: 
Jesus, heute ermutigst du mich, meine Bitten auszusprechen. Ich will meinen Glauben und mein Vertrauen auf dich bekräftigen, indem ich meine Bitten dir gegenüber ausspreche. Ich will meinen Glauben stärken, dass du der Messias bist, der Sohn Davids, der Sohn Gottes, dem alles möglich ist. 


Pastor Roland Bohnen  
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Roland Bohnen
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Freitag, 22. Oktober 2021

Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten? (Lk 12,56)

29 Woche im Jahreskreis     Freitag

EVANGELIUM

Lk 12, 54-59



In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
54Sobald ihr im Westen Wolken aufsteigen seht, sagt ihr: Es gibt Regen. Und es kommt so.
55Und wenn der Südwind weht, dann sagt ihr: Es wird heiß. Und es trifft ein.
56Ihr Heuchler! Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten?
57Warum findet ihr nicht schon von selbst das rechte Urteil?
58Wenn du mit deinem Gegner vor Gericht gehst, bemüh dich noch auf dem Weg, dich mit ihm zu einigen. Sonst wird er dich vor den Richter schleppen, und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben, und der Gerichtsdiener wird dich ins Gefängnis werfen.
59Ich sage dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast.


Tagesimpuls:

Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten?  (Lk 12,56) 

Was sind denn die Zeichen der Zeit? Für Jesus ging es immer hauptsächlich darum, dass er sich den Menschen als Gottes Sohn offenbarte. Also ist dies das Zeichen der Zeit, was die Menschen erkennen sollten. Es geht darum, dass Gott auf die Erde gekommen war, dass die Menschen Jesus erkennen als Gottes Sohn. Jesus hat die Barmherzigkeit Gottes gebracht. Wer zu ihm kommt mit seinen Sünden, dem wird verziehen. Wer nicht zu Jesus kommt, wer nicht an Jesus glaubt, der findet keine Barmherzigkeit, der muss für alle seine Sünden bezahlen. 

Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten?

Aber die Pharisäer, auch die heutigen Pharisäer, glauben ja, im Recht zu sein. Sie sehen die Schuld ja immer nur bei den anderen. Sie ziehen die anderen zum Gericht. Für sich selbst brauchen sie keinen Erlöser. Sie selbst sind ja sowieso gerecht, so glauben sie. Daher wird es ihnen so ergehen, wie Jesus ankündigt. Sie werden keine Barmherzigkeit finden, sondern nur Gottes Gerechtigkeit, und das heißt, dass sie für jede ihrer Sünden bezahlen müssen. 

Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten?

Wir sollen also die Zeichen der Zeit erkennen. Jetzt ist die Zeit der Barmherzigkeit. Jeder kann zu Jesus kommen und Vergebung seiner Sünden finden. Die Kranken brauchen den Arzt, hat Jesus gesagt. Dazu ist er gekommen. Wer meint, dass nur die anderen krank seien, der erkennt die Zeichen der Zeit nicht. Der verpasst die göttliche Barmherzigkeit, die er uns in Jesus schenkt. Jetzt, zu unseren Lebzeiten, haben wir die Möglichkeit, Jesus als unseren Herrn, Jesus als Gott, anzuerkennen und seine Vergebung zu finden. Nutzen wir diese Gelegenheit jeden Tag! 

Gebet: 
Jesus, danke für deine Barmherzigkeit, die du uns in dieser Zeit anbietest. Ich nehme sie an, ich kann nicht anders. Ich erkenne dich an als meinen Herrn und Gott, der mir seine Barmherzigkeit schenkt. Jesus, ich bete für die anderen, dass sie dich auch annehmen können. Du siehst, wie du so vielen Menschen wie durch eine dicke Mauer verborgen bist. Ich rede über dich, aber sie scheinen es nicht verstehen zu können. Jesus, öffne du die Türen, die ich nicht öffnen kann, damit mehr Menschen dich erkennen und deine Barmherzigkeit annehmen. 


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Donnerstag, 21. Oktober 2021

Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! (Lk 12,49)

29 Woche im Jahreskreis     Donnerstag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 12,49-53

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!

Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist.

Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.

Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei,

der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.



Tagesimpuls:

Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!  (Lk 12,49) 

Beim Wort Feuer habe ich gemischte Reaktionen. Einerseits will ich kein Feuer, ich will mich nicht verbrennen, ich will mir nicht weh tun. Ich sträube mich auch immer wieder gegen die innere Reinigung, die das Feuer mit sich bringen würde. Es gibt in mir etwas, was bequem sein will, was in Ruhe gelassen und nicht überfordert werden will. Andererseits sehe ich, dass Jesus sich dieses Feuer wünscht, und dann kann ich ja nicht dagegen sein. Und wenn mit dem Feuer die Liebe zu Jesus gemeint ist, dann will ich natürlich, dass es brennt. Ich will, dass in allen Menschen das Feuer dieser Liebe entzündet wird. Mir fällt es sogar schwer, zu akzeptieren, dass es vielen Christen kein Herzensanliegen ist, missionarisch zu sein, das Feuer zu verbreiten. Dass es uns schwer gelingt, dieses Feuer zu verbreiten, ist das eine. Aber ich bin so dankbar für Christen, denen das wenigstens nicht egal ist, die darunter leiden, die die Sehnsucht nach der Verbreitung dieses Feuers im Herzen haben. 

Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!

Wenn ich Jesus anschaue, wenn ich mit ihm rede, dann verstehe ich, was er mit dem Feuer meint. Und dann wünsche ich es mir auch, so wie er selbst es sich wünscht. Jesus sieht das in Verbindung mit seiner „Feuertaufe" am Kreuz. Das wiederum kann ich mir nicht wünschen. Aber ich gehe weiter in der Liebe zu ihm. Ich denke an das Wort, was er in Bezug auf den Reichtum gesagt hatte: „Für Menschen ist das nicht möglich, aber für Gott ist alles möglich." Vielleicht kann ich mir eine vergleichbare „Feuertaufe" wünschen, wenn er es sich von mir wünscht, wenn er mir dann auch die Kraft gibt, denn aus menschlicher Sicht erscheint es mir ganz unmöglich. 

Gebet: 
Jesus, du wolltest das Feuer auf die Erde bringen, und du musstest am Kreuz leiden, damit das Feuer auf die Erde kommen kann. Ich danke dir für das Feuer der Gottesliebe, das du mir geschenkt hast. Bitte gib, dass sich dieses Feuer verbreitet, und nimm alle unsere Opfer an, dass sie zur Verbreitung dieses Feuers beitragen. Hilf mir, dass ich durch deine Gnade auch bereit zu dieser Taufe werde. 


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Mittwoch, 20. Oktober 2021

Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! (Lk 12,43)

29 Woche im Jahreskreis     Mittwoch

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 12,39-48

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht.

Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

Da sagte Petrus: Herr, sagst du dieses Gleichnis nur zu uns oder auch zu allen?

Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde einsetzen wird, damit er ihnen zur rechten Zeit die Tagesration gibt?

Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt!

Wahrhaftig, das sage ich euch: Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen.

Wenn aber der Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr verspätet sich zu kommen! und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich zu berauschen,

dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen.

Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen.

Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man um so mehr verlangen.



Tagesimpuls:

Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt!  (Lk 12,43) 

Ich glaube, hier sind die Apostel gemeint, und damit auch deren Nachfolger, die Bischöfe und die Priester. Man kann es aber auch auf alle Christen übertragen, denen Verantwortung gegeben ist. Und einen gewissen kleinen Verantwortungsbereich hat jeder. Aber dass Jesus die Nahrung erwähnt, ist in meinen Augen ein Hinweis auf die Eucharistie. Daher glaube ich, dass in erster Linie die Bischöfe und die Priester gemeint sind, die den Gläubigen die eucharistische Nahrung geben sollen. Darüber hinaus ist natürlich das Wort Gottes auch eine Nahrung, die wir alle (nicht nur Priester und Bischöfe) unseren Mitmenschen geben können. 

Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt!

Und nun die Frage: Womit beschäftige ich mich? Tut es mir weh, dass so viele Menschen Jesus nicht kennen? Spüre ich täglich in mir diese Wunde? Und beschäftige ich mich damit, den Menschen die göttliche Nahrung zu spenden? Ein Priester sagte vor kurzem bei einem Priestertreffen zu den anderen: „Wenn ihr diese Sehnsucht nicht mehr habt, dann könnt ihr nach Hause gehen." Brennt mein Herz für die Rettung der Seelen? Ich erinnere mich an eine unserer Kindergartenleiterinnen. Bei jedem Dienstgespräch brachte sie die Frage auf, was wir tun können, um unsere Familien mehr mit Jesus in Kontakt zu bringen. Einmal hatten wir ein Dienstgespräch, wo ich wenig Zeit hatte und früher gehen musste. Beim Hinausgehen rief sie aber noch mal hinter mir her: „Aber Herr Pastor, können wir denn beim nächsten Dienstgespräch dann noch mal darüber sprechen, wie wir unsere Familien mehr zu Jesus bringen können?" Diese Leiterin brannte für unsere Familien. Es ließ ihr keine Ruhe, dass die allermeisten so wenig mit Jesus zu tun hatten. Sie wollte ihnen diese göttliche Nahrung geben. 

Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt!

Ich hoffe und bete, dass ich immer wenigstens diese Sehnsucht behalten werde, dass ich mich nicht in die oberflächlichen Dinge des Lebens verliere. Das schließt auch ein, dass man nie resigniert, sondern dass man immer eine lebendige Hoffnung auf den allmächtigen Gott hat, bei dem alles möglich ist, der die Menschen zur Umkehr führen kann, auch dort, wo es aus unserer Sicht unmöglich erscheinen mag. 

Gebet: 
Jesus, danke für die Sehnsucht nach der Rettung der Seelen, die du mir schenkst. Es ist zwar ein Schmerz, den ich manchmal gerne betäuben würde. Aber ich will ihn nicht betäuben, denn es ist dein Schmerz, an dem du mir Anteil gibst. Bitte bewahre mich vor der Resignation, die sich manchmal einschleichen will. Ich will weiter hoffen, auch wenn ich so wenige Fortschritte sehe. Ich will dir glauben, dass bei dir alles möglich ist. 


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Dienstag, 19. Oktober 2021

Die ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft! (Lk 12,36)

29 Woche im Jahreskreis     Dienstag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 12,35-38

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Legt euren Gürtel nicht ab, und lasst eure Lampen brennen!

Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft!

Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen.

Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach - selig sind sie.



Tagesimpuls:

Die ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft!  (Lk 12,36) 

Wir sollen die Augen offen halten für Jesus, wach sein, wach bleiben. Er kommt und klopft bei uns an, ich denke, er wird immer wieder im Laufe des Tages bei uns anklopfen. Er kann anklopfen durch die Not der Menschen um uns, er kann anklopfen, indem er uns zeigt, dass das, was wir gerade machen oder machen wollen, nicht nötig ist, er kann anklopfen, indem er uns in die Stille ruft. Er kann anklopfen durch Träume, durch Inspirationen, in denen er uns einen Impuls zum Handeln gibt. 

Die ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft!

Wenn er uns scheinbar etwas Sonderbares zeigt, dann müssen wir diesen Impuls vorher mit erfahrenen Christen prüfen, ob er auch echt ist, ob er wirklich von Jesus kommt. Wir sind immer in der Gefahr, vom Teufel irregeleitet zu werden. Daher müssen wir auch in Hinblick auf die möglichen Täuschungen sehr wachsam bleiben. Aber wegen der Gefahr der Täuschung dürfen wir keinesfalls aufhören, auf die Impulse des Heiligen Geistes zu hören, sonst würden wir das Kind mit dem Bad ausschütten. Wir sollen uns führen lassen, aber wir sollen dabei wachsam sein. Ein Vergleich: Wir sagen den Kindern, dass sie im Straßenverkehr aufpassen sollen. Aber es wäre falsch, wenn wir sie wegen der möglichen Gefahren nicht mehr zur Schule schicken würden. Sie sollen zur Schule gehen, aber sie sollen auch aufpassen. So sollen wir auf den Heiligen Geist hören, aber wir sollen auch aufpassen. Dafür gibt es die Geschwister, dafür gibt es die Kirche. Alles, was uns sonderbar vorkommt, sollen wir ans Licht bringen und mit den Geschwistern prüfen. 

Gebet: 
Jesus, ich will offen sein für dich, wachsam. Ich weiß, du wirst heute anklopfen, vielleicht öfter, als ich es wahrnehme. Heiliger Geist, bitte hilf mir, Jesu Anklopfen wahrzunehmen. Und schenke mir die Großzügigkeit des Herzens, dass ich auf Jesus eingehe und tue, was er sagt, auch wenn es mich Überwindung kostet. 


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Montag, 18. Oktober 2021

Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe. (Lk 10,9)

Heiliger Lukas

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 10,1-9

In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere Jünger aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.

Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.

Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.

Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs!

Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!

Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren.

Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes!

Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt.

Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.



Tagesimpuls:

Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.  (Lk 10,9) 

Wir feiern das Fest des Heiligen Lukas. Er war Arzt. Daher passt das Evangelium: „Heilt die Kranken." Trotzdem passt es auch nicht, denn das, was Jesus meint, ist nicht die ärztliche Kunst. Er meint die übernatürliche Heilung durch die Kraft Gottes, die Gott auf Grund unseres Gebets schenken will. 

Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.

Wenn ich das lese, kann ich es nicht überlesen. Mir scheint, dass viele Katholiken es einfach überlesen und dann wieder zur Tagesordnung übergehen. Übernatürliche Heilungen gäbe es nicht, sagen sie. Aber ich kann so nicht denken. Ich glaube einfach zu fest daran, dass Jesus das kann, und dass er es auch will. Aber zugleich fühle ich mich völlig überfordert. Ich habe in dieser Hinsicht eben keine Vorratstasche, ich habe nichts im Gepäck, womit ich das bewerkstelligen könnte. Aber vermutlich ist das genau die richtige Voraussetzung. Man kann bezüglich des übernatürlichen Wirkens Gottes nicht locker und entspannt denken: „Das machen wir schon." Man kann gar nichts. Aber genau in diesem Nicht-Machen-Können kann Jesus wirken. Wir sollen nur den Glauben haben und uns der Peinlichkeit aussetzen, dass wir anbieten, mit jemandem um Heilung zu beten, in dem Vertrauen, dass Gott das machen kann. 

Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.

Ich sagte, der Heilige Lukas war Arzt. Aus christlicher Sicht ist die Kunst der Ärzte sehr wichtig. Wir Katholiken berufen uns auf Jesus Sirach 38. Wir glauben an übernatürliche Heilung, und zugleich unterstützen wir alle ärztliche Kunst. Das ist kein Gegensatz. Das ist das Zusammenwirken von Natur und Gnade. Das heißt, wenn wir krank sind, dann tun wir beides: Wir beten und wir gehen zum Arzt. Ich denke, dass die meisten Ärzte zustimmen würden, dass es Prozesse gibt, auf die wir mit all unseren menschlichen Mitteln nur wenig Einfluss nehmen können. Ein guter Arzt würde m.E. das zusätzliche Gebet immer begrüßen. Und mit dem Gebet öffnen wir uns für manches ungewöhnliche Gnadenwirken Gottes. So können Wunder geschehen, damals wie heute. 

Gebet: 
Jesus, ich danke dir für den Heiligen Lukas und für alle Ärzte, die so vielen Menschen geholfen haben. Ich danke dir auch für alles übernatürliche Heilswirken, das du schenkst. Lass in unserer Kirche den Glauben an das Übernatürliche wieder wachsen, damit wir mehr Gebet und mehr Wunder erleben in unserer Zeit. 


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Samstag, 16. Oktober 2021

Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. (Mk 10,38)

29 Sonntag im Jahreskreis   

Evangelium                                                                                                  Mk 10, 35–45

In jener Zeit
35 traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus,
zu Jesus
und sagten:
Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.
36Er antwortete: Was soll ich für euch tun?
37Sie sagten zu ihm:
Lass in deiner Herrlichkeit einen von uns rechts
und den andern links neben dir sitzen!
38Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet.
Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke,
oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?
39Sie antworteten: Wir können es.
Da sagte Jesus zu ihnen:
Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke,
und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde.
40Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken
habe nicht ich zu vergeben;
dort werden die sitzen, für die es bestimmt ist.
41Als die zehn anderen Jünger das hörten,
wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes.
42Da rief Jesus sie zu sich
und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten,
ihre Völker unterdrücken
und ihre Großen ihre Macht gegen sie gebrauchen.
43Bei euch aber soll es nicht so sein,
sondern wer bei euch groß sein will,
der soll euer Diener sein,
44und wer bei euch der Erste sein will,
soll der Sklave aller sein.
45Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen,
um sich dienen zu lassen,
sondern um zu dienen
und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

Tagesimpuls:

Ihr wisst nicht, um was ihr bittet.  (Mk 10,38) 

Viele Menschen sagen im Rückblick auf ihr Leben, dass es gut war, dass sie bei bestimmten Lebensentscheidungen nicht wussten, was alles damit auf sie zukommen würde. Sonst hätten sie vielleicht Angst gehabt und gezögert. Wenn man sich für eine bestimmte Sache entscheidet, dann denkt man meistens nicht an das große Kreuz, was damit verbunden sein wird. Man macht sich positive Vorstellungen, vielleicht kreisen die Gedanken darum, was man bekommt, nicht, welches Opfer damit verbunden ist. 

Ihr wisst nicht, um was ihr bittet.

Die Jünger wollen hohe Posten bei Jesus. Aber wer bei Jesus einen hohen Posten haben will, auf den kommt ein großes Kreuz zu. Daher fragt Jesus, ob sie dazu bereit sind. Später erklärt er es allen Jüngern. Es geht immer, in jeder Berufung, in jedem Lebenslauf, darum, wie ich am besten für andere Menschen nützlich sein kann, wie ich am besten anderen dienen kann. Wenn ich diese Position gefunden habe, dann werde ich glücklich. Alles andere ist für mich nicht gut und für die anderen nicht gut. Es nützt nichts, wenn ich irgendwo mehr verdienen kann oder mehr Ansehen bekomme, wenn das für mich nicht die richtige Position ist. Man muss irgendwann zufrieden sein, wenn man spürt, man ist im richtigen Moment am richtigen Ort. 

Ihr wisst nicht, um was ihr bittet.

Die Plätze werden vom Vater vergeben. Darauf dürfen wir vertrauen. Wenn Gott will, dass wir eine höhere Position bekommen, dann wird er alles so fügen. Darüber müssen wir uns nicht den Kopf zerbrechen. Karrierestreben macht uns zu unangenehmen Zeitgenossen. Wir sollten nicht eine Position anstreben, wenn es nicht Gottes Wille ist. Und wenn es sein Wille ist, dann wird er mir diesen Platz geben, dann muss ich mich dazu nicht anstrengen. 

Gebet: 
Jesus, ich danke dir, dass ich mein Leben und besonders meine Karriere in deine Hand legen darf. Du wirst mich genau an die Position setzen, die gut für mich ist, und die vor allem gut für die anderen ist. Jesus, mein Leben soll charakterisiert sein davon, dass ich für andere nützlich sein kann, dass ich anderen dienen kann. Danke Vater, dass du mich an die Position setzt, die für mich und für alle die beste ist. 


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Freitag, 15. Oktober 2021

Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, euch aber sonst nichts tun können. (Lk 12,4)

28 Woche im Jahreskreis     Freitag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 12,1-7

In jener Zeit strömten Tausende von Menschen zusammen, so dass es ein gefährliches Gedränge gab. Jesus wandte sich zuerst an seine Jünger und sagte: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei.

Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.

Deshalb wird man alles, was ihr im Dunkeln redet, am hellen Tag hören, und was ihr einander hinter verschlossenen Türen ins Ohr flüstert, das wird man auf den Dächern verkünden.

Euch aber, meinen Freunden, sage ich: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, euch aber sonst nichts tun können.

Ich will euch zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der nicht nur töten kann, sondern die Macht hat, euch auch noch in die Hölle zu werfen. Ja, das sage ich euch: Ihn sollt ihr fürchten.

Verkauft man nicht fünf Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch vergisst Gott nicht einen von ihnen.

Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.



Tagesimpuls:

Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, euch aber sonst nichts tun können.  (Lk 12,4) 

Dieses Wort hat eine große Tiefe. Jesus sagt: „Ihr braucht keine Angst haben, denn sie können euch nichts tun." Dass sie den Leib töten können, ist in den Augen Jesu eher wenig. Er sieht uns als Menschen in unserer Ganzheit, und der Leib ist dabei gar nicht so wichtig. Er sieht uns also schon in der ewigen Perspektive, er sieht schon den verklärten Auferstehungsleib. Es fühlt sich fast so an, als würde er uns sagen: „Sie können euch vielleicht die Haare abschneiden, aber was ist das schon. Die gehen sowieso irgendwann mal verloren." Oder er würde sagen: „Ok, mag sein, dass sie euch 10 Euro stehlen, aber das ist doch alles nicht so wichtig." 

Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, euch aber sonst nichts tun können.

Ich kann das noch nicht so sehen. Ich habe Angst vor körperlichen Schmerzen. Aber ich lasse mich von Jesus berühren. Wenn Jesus sagt, dass es nicht so wichtig ist, was mit dem Leib geschieht, dann glaube ich ihm. Ich will Jesus ganz vertrauen. Wir erleben, dass der Leib schwach ist. Wir werden ab und zu krank und haben immer wieder unter dem schwächer werdenden Leib zu leiden. Auf irgendeine Weise wird der Leib einmal sterben. Da macht Jesus uns Mut, auf das zu achten, was wirklich für das ewige Leben zählt, auf unsere Seele. 

Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, euch aber sonst nichts tun können.

Wir sollen darauf achten, dass unsere Seele auf dem richtigen Weg ist, Richtung Himmel und nicht Richtung Hölle. Der Teufel will uns regieren durch Angst. Und Jesus sagt uns dagegen, dass wir keine Angst haben sollen. Wir sollen den Leib nicht so in den Mittelpunkt stellen. Wir sollen uns auf die Seele konzentrieren. Am heutigen Freitag können wir das ein klein wenig praktizieren durch ein Opfer des Fastens. Wir müssen den Leib nicht so sehr verwöhnen. Wir sollen darauf achten, dass unsere Seele stark wird. Dazu kann uns dieser Freitag einen Schritt weiterbringen. 

Gebet: 
Jesus, ich danke dir, dass du mir die Angst nimmst vor körperlichen Schmerzen, davor, dass jemand meinem Leib etwas antun könnte. Jemand hat einmal gesagt, Mut sei Angst, die gebetet hat. Du hast im Garten Getsemani deine Angst vor den Vater gebracht. Hilf mir, dasselbe zu tun. Ich will mit deiner Gnade zusammenwirken, dass meine Seele stark wird. Dazu will ich heute dein Angesicht suchen, und den Leib nicht so sehr verwöhnen. 


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Donnerstag, 14. Oktober 2021

An dieser Generation wird es gerächt werden. (Lk 11,51)

28 Woche im Jahreskreis     Donnerstag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 11,47-54

In jener Zeit sprach Jesus: Weh euch! Ihr errichtet Denkmäler für die Propheten, die von euren Vätern umgebracht wurden.

Damit bestätigt und billigt ihr, was eure Väter getan haben. Sie haben die Propheten umgebracht, ihr errichtet ihnen Bauten.

Deshalb hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und sie werden einige von ihnen töten und andere verfolgen,

damit das Blut aller Propheten, das seit der Erschaffung der Welt vergossen worden ist, an dieser Generation gerächt wird,

vom Blut Abels bis zum Blut des Zacharias, der im Vorhof zwischen Altar und Tempel umgebracht wurde. Ja, das sage ich euch: An dieser Generation wird es gerächt werden.

Weh euch Gesetzeslehrern! Ihr habt den Schlüssel der Tür zur Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die, die hineingehen wollten, habt ihr daran gehindert.

Als Jesus das Haus verlassen hatte, begannen die Schriftgelehrten und die Pharisäer, ihn mit vielerlei Fragen hartnäckig zu bedrängen;

sie versuchten, ihm eine Falle zu stellen, damit er sich in seinen eigenen Worten verfange.



Tagesimpuls:

An dieser Generation wird es gerächt werden.  (Lk 11,51) 

Hier behandelt Jesus ein Thema, das auch aktuell sehr umstritten ist. Kann die Schuld der Vorfahren auf uns zurückfallen? Offensichtlich beantwortet Jesus diese Frage mit einem klaren Ja. Aber was heißt das für uns? Jesus gibt noch einen wichtigen Hinweis dazu. Warum ist es schlecht, dass die Juden Denkmäler für ihre Propheten errichten? Weil sie sich damit von der Schuld ihrer Vorfahren distanzieren. Sie sagen: „Wir waren das ja nicht, es ist ja nicht unsere Schuld." Das stimmt zwar, aber trotzdem wäre es besser, wenn sie sich mit der Schuld ihrer Väter identifizieren und Gott dafür um Verzeihung bitten würden. 

An dieser Generation wird es gerächt werden.

Ich weiß, dass dies ein schwieriges Thema ist. Manche fragen: „Wie lange muss man denn in der Vergangenheit herumrühren?" Wir lassen Messen feiern für unsere Vorfahren, damit ihre Schuld gesühnt und sie in den Himmel kommen können. Wie lange muss man das machen? Man kann das nicht aufrechnen. Manche prophetisch begabte Menschen erkennen in Heilungsgebeten Schuld der Vorfahren, für die man um Verzeihung bitten müsse, damit man im Heute geheilt werden kann. Da muss etwas dran sein, denn es gibt Erfahrungen von Heilungen, die bei solchen Gebeten geschenkt werden. Und trotzdem muss man in diesem Bereich sehr behutsam sein. 

An dieser Generation wird es gerächt werden.

Als Jesus am Kreuz gestorben ist, wurde seine Erlösung auch wirksam für alle Vorfahren. Er stieg in die Unterwelt hinab, um die Seelen der Menschen, die vor ihm gelebt haben, zu erlösen. Wir könnten also für alle Menschen ab Adam und Eva beten und ihnen das kostbare Blut Jesu bringen. Aber wie weit sollen wir gehen, wenn wir Messen feiern und beten für unsere Verstorbenen, damit Jesus sie durch sein kostbares Blut erlöst? Wie gesagt, das ist ein schwieriges Thema, und ich würde es mit Augenmaß tun, also nicht übertreiben. Dabei ist zu bedenken, dass wir unterschiedliche Charismen haben. Es gibt Gläubige, die immer wieder Messen feiern lassen für die Armen Seelen, weil Gott ihnen dieses speziell ans Herz legt. Und es gibt charismatisch begabte Menschen, die eine besondere Gabe haben, für unsere Vorfahren zu beten und dadurch sogar für die jetzt lebenden Menschen viel Heil zu bringen. 

An dieser Generation wird es gerächt werden.

Ich verstehe es nicht umfassend. Aber für mich ist die Bibel immer die Grundlage. Und wenn Jesus hier so klar betont, dass die Nachfahren die Auswirkungen der Schuld der Väter zu spüren bekommen, wenn er kritisiert, dass die Nachfahren sich nicht mit dieser Schuld identifizieren und um Vergebung bitten, dann ist das für mich ein Hinweis, den ich nicht ignorieren kann. Dann muss da etwas Wichtiges sein, auch wenn ich es nicht alles verstehe. Ich sehe es so, dass wir uns mit dem Kreuzesopfer in der Messe verbinden und mit Christus und in Christus für die Erlösung unserer Vorfahren beten. 

Gebet: 
Jesus, ich will für die Armen Seelen beten, ich will heute beten für alle, die uns vorausgegangen sind, vor allem für unsere Familienangehörigen. Ich weiß nicht genau, wie lange man für jemanden beten soll, oder wie viele Generationen man zurückgehen soll. Ich vertraue darauf, dass du mir das richtige Augenmaß schenkst, dass ich nicht übertreibe, aber auch nicht zu wenig tue. Ich will mich führen lassen vom Heiligen Geist in meinen Gebeten. 


Pastor Roland Bohnen  
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Roland Bohnen
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Mittwoch, 13. Oktober 2021

Ihr gebt den Zehnten von Minze, Gewürzkraut und allem Gemüse. (Lk 11,42)

28 Woche im Jahreskreis      Mittwoch

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 11,42-46

In jener Zeit sprach Jesus: Weh euch Pharisäern! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Gewürzkraut und allem Gemüse, die Gerechtigkeit aber und die Liebe zu Gott vergesst ihr. Man muss das eine tun, ohne das andere zu unterlassen.

Weh euch Pharisäern! Ihr wollt in den Synagogen den vordersten Sitz haben und auf den Straßen und Plätzen von allen gegrüßt werden.

Weh euch: Ihr seid wie Gräber, die man nicht mehr sieht; die Leute gehen darüber, ohne es zu merken.

Darauf erwiderte ihm ein Gesetzeslehrer: Meister, damit beleidigst du auch uns.

Er antwortete: Weh auch euch Gesetzeslehrern! Ihr ladet den Menschen Lasten auf, die sie kaum tragen können, selbst aber rührt ihr keinen Finger dafür.



Tagesimpuls:

Ihr gebt den Zehnten von Minze, Gewürzkraut und allem Gemüse.  (Lk 11,42) 

Ich kenne mich nicht mit den ökonomischen Gegebenheiten zur Zeit Jesu aus, aber ich vermute sehr, dass Minze, Gewürzkraut und Gemüse auch damals nicht die teuersten Lebensmittel waren, vermutlich sogar recht billig, verglichen z.B. mit Fleisch. Mit anderen Worten, sie geben den Zehnten von den billigsten Dingen. Oder Jesus will betonen, sie geben den Zehnten von den kleinsten Kleinigkeiten. Aber sie geben ihn nicht, wo es wirklich wehtun würde. 

 Ihr gebt den Zehnten von Minze, Gewürzkraut und allem Gemüse.

Jesus sagt nicht, dass man den Zehnten nicht geben sollte. Man soll ihn geben, aber das andere, das wichtigste, nicht unterlassen. Das wichtigste ist Gerechtigkeit und Liebe zu Gott. Das Geben des Zehnten ist Bestandteil unserer Liebe zu Gott, aber es ersetzt sie nicht, wir können uns nicht „freikaufen". 

 Ihr gebt den Zehnten von Minze, Gewürzkraut und allem Gemüse.

Gibt es so etwas auch bei uns? Halten wir uns an unwichtigen Kleinigkeiten auf? Werfen wir anderen Mitchristen vor, wenn sie irgendwelche Kleinigkeiten nicht beachten? Z.B. beschwert sich jemand, weil ich ein falsches Wort in der Messe gebetet hatte. Oder ich ärgere mich, weil jemand nicht richtig aufgeräumt hat. Stattdessen soll unser Fokus auf dem Wichtigsten sein: Gerechtigkeit und Liebe zu Gott. 

 Ihr gebt den Zehnten von Minze, Gewürzkraut und allem Gemüse.

Es gibt noch einen Punkt: Geben wir den Zehnten? Jesus sagt, wir sollen das nicht unterlassen. Wir können den Zehnten unseres Einkommens oder unseres Erbes für Jesus, d.h. für wohltätige oder kirchliche Zwecke spenden. Das bringt einen sehr großen Segen für uns. Wir werden keine finanziellen Sorgen haben, wenn wir immer den Zehnten geben. Das liegt daran, weil Gott für uns sorgt. Man kann auch in Betracht ziehen, den Zehnten seiner Freizeit für Gott zu investieren, z.B. für ein Ehrenamt. Unsere Kirche sucht z.B. einen ehrenamtlichen Techniker, und ich bin gespannt, ob Gott jemanden ruft, bzw. ob jemand den Ruf in sich hört und befolgt. 

Gebet: 
Jesus, du willst, dass wir auf das Wichtigste achten und uns nicht über Kleinigkeiten ärgern. Vor allem willst du nicht, dass wir anderen Menschen Vorwürfe machen wegen Kleinigkeiten. Jesus, ich bitte dich, dass wir alle sehr großzügig werden und den Zehnten gerne geben, damit dein Reich wachsen kann. 


Pastor Roland Bohnen  
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Dienstag, 12. Oktober 2021

Gebt lieber, was in den Schüsseln ist, den Armen. (Lk 11,41)

28 Woche im Jahreskreis      Dienstag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 11,37-41

In jener Zeit lud ein Pharisäer Jesus zum Essen ein. Jesus ging zu ihm und setzte sich zu Tisch.

Als der Pharisäer sah, dass er sich vor dem Essen nicht die Hände wusch, war er verwundert.

Da sagte der Herr zu ihm: O ihr Pharisäer! Ihr haltet zwar Becher und Teller außen sauber, innen aber seid ihr voll Raubgier und Bosheit.

Ihr Unverständigen! Hat nicht der, der das Äußere schuf, auch das Innere geschaffen?

Gebt lieber, was in den Schüsseln ist, den Armen, dann ist für euch alles rein.



Tagesimpuls:

Gebt lieber, was in den Schüsseln ist, den Armen.  (Lk 11,41) 

Jesus spielt mit einer doppelten Bedeutung: das was in den Schüsseln ist, und das Innere des Menschen. Und Jesus will sagen, es kommt mehr auf das Innere als auf das Äußere an. Aber ist das Äußere deswegen ganz unwichtig? Wenn das Äußere nur geheuchelt ist, ohne innere Überzeugung, dann ist es sicherlich problematisch. Aber wenn unser Herz offen ist, kann durch die äußerliche Praxis auch die innerliche Überzeugung wachsen. 

Gebt lieber, was in den Schüsseln ist, den Armen.

Ein Beispiel: Manche sagen, sie beten nicht mehr, weil sie nicht mehr glauben. Aber ist es nicht vielmehr umgekehrt? Weil sie nicht mehr beten, glauben sie nicht mehr? Wenn ich regelmäßig zu Jesus komme (das ist zunächst vielleicht ziemlich äußerlich), dann wird das seine Auswirkungen auf meinen Glauben, auf mein Inneres haben. Und wenn mein Herz voller Liebe ist, dann werde ich auch meinen Besitz teilen, d.h. es hat äußere, sichtbare Auswirkungen.

Gebt lieber, was in den Schüsseln ist, den Armen.

Wir sehen, innen und außen sollten übereinstimmen. Dazu muss ich mein Herz aber immer wieder öffnen, und wenn es auch nur einen kleinen Spalt weit ist. Wenn mein Herz dagegen ganz zu ist, dann führt die rein äußerliche Praxis nu nichts, vielleicht sogar noch zu mehr Verhärtung. Das ist es, was nicht passieren darf: die Verhärtung des Herzens. Darauf legt Jesus Wert, darauf weist er uns hin. 

Gebet: 
Jesus, du willst, dass unser Herz in Ordnung ist, voll Liebe. Darauf kommt es hauptsächlich an, nicht auf äußere Traditionen oder Rituale. Aber wenn unser Herz auch nur einen Spalt weit offen ist, dann sind viele Traditionen und Rituale sehr wertvoll, weil sie uns näher zu dir führen. Das regelmäßige Beten fördert den Glauben wie nichts anderes. Jesus, daher will ich immer wieder zu dir kommen im Gebet. Hilf mir, alle meine Traditionen mit offenem Herzen zu vollziehen. Und zeige mir, wo ich Dinge zu oberflächlich mache, wo ich etwas überdenken muss, wo ich mehr in die Tiefe gehen muss. 


Pastor Roland Bohnen  
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Montag, 11. Oktober 2021

Als immer mehr Menschen zu Jesus kamen, sagte er: Diese Generation ist böse. (Lk 11,29)

28 Woche im Jahreskreis      Montag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 11,29-32

In jener Zeit, als immer mehr Menschen zu Jesus kamen, sagte er: Diese Generation ist böse. Sie fordert ein Zeichen; aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Jona.

Denn wie Jona für die Einwohner von Ninive ein Zeichen war, so wird es auch der Menschensohn für diese Generation sein.

Die Königin des Südens wird beim Gericht gegen die Männer dieser Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Hier aber ist einer, der mehr ist als Salomo.

Die Männer von Ninive werden beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie haben sich nach der Predigt des Jona bekehrt. Hier aber ist einer, der mehr ist als Jona.



Tagesimpuls:

Als immer mehr Menschen zu Jesus kamen, sagte er: Diese Generation ist böse.   (Lk 11,29)

Dass immer mehr Menschen zu Jesus kommen, ist ein Erfolg für seine Verkündigung. Wenn immer mehr Menschen in unsere Gottesdienste oder Veranstaltungen kämen, dann würden wir das für einen großen Erfolg halten. Der Erfolg könnte verführerisch sein, dass man jetzt den Menschen schmeicheln wollte: „Schön, dass ihr da seid, ihr tut genau das Richtige! Ihr lasst euch von Gott rufen und wollt ihm folgen." So oder so ähnlich würden wir die Menschen ansprechen. Aber Jesus spricht ganz anders: 

Als immer mehr Menschen zu Jesus kamen, sagte er: Diese Generation ist böse. 
 
Jesus schmeichelt nicht. Im Gegenteil, es erscheint sogar irgendwie unklug. Warum muss man, wenn man sich gerade auf der Erfolgswelle befindet, den Leuten vor den Kopf stoßen? Es kann nur eine Antwort geben: Weil es die Wahrheit ist! Jesus sagt die Wahrheit, und er sagt sie aus Liebe. Wenn es so ist, dass die Menschen böse sind, dann muss Jesus es auch sagen, denn anders kann er ihnen nicht helfen, anders wäre es keine Liebe. 

Als immer mehr Menschen zu Jesus kamen, sagte er: Diese Generation ist böse. 

Wie ist es bei uns? Ich möchte lieber nette Sachen sagen als unangenehme Wahrheiten. Aber heute zeigt mir Jesus: Du musst die Wahrheit sagen. Selbstverständlich sollen wir alles in Liebe tun. Ich soll nicht meinen Frust an Menschen ablassen, wenn ich enttäuscht bin. Aber Liebe heißt auch, dass man nicht immer nur nett sein kann. Ich muss auch bereit sein, unangenehme Dinge zu sagen, um den anderen damit zu helfen. Ob es nützt oder nicht, ist eine andere Sache. Auf Jesus haben die Menschen mehrheitlich nicht gehört, aber er hat trotzdem gesagt, was er sagen musste. 

Gebet: 
Jesus, ich will lieber nett sein als unangenehme Wahrheiten zu sagen. Aber du lehrst mich, dass die Liebe auch manchmal gebietet, etwas zu sagen, womit ich dem anderen wehtun muss. Jesus, hilf mir, immer wieder zu erkennen wann ich etwas sagen muss, und wann ich besser schweigen soll. 


Pastor Roland Bohnen  
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Samstag, 9. Oktober 2021

Da sah ihn Jesus an, umarmte ihn und sagte: Eines fehlt dir noch. (Mk 10,21)

28 Sonntag im Jahreskreis   

Evangelium                                                                                                    Mk 10, 17–30

In jener Zeit
17 lief ein Mann auf Jesus zu,
fiel vor ihm auf die Knie
und fragte ihn: Guter Meister,
was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?
18Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut?
Niemand ist gut außer der eine Gott.
19Du kennst doch die Gebote:
Du sollst nicht töten,
du sollst nicht die Ehe brechen,
du sollst nicht stehlen,
du sollst nicht falsch aussagen,
du sollst keinen Raub begehen;
ehre deinen Vater und deine Mutter!
20Er erwiderte ihm: Meister,
alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt.
21Da sah ihn Jesus an,
umarmte ihn
und sagte: Eines fehlt dir noch:
Geh, verkaufe, was du hast,
gib es den Armen
und du wirst einen Schatz im Himmel haben;
dann komm und folge mir nach!
22Der Mann aber war betrübt, als er das hörte,
und ging traurig weg;
denn er hatte ein großes Vermögen.
23Da sah Jesus seine Jünger an
und sagte zu ihnen:
Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen,
in das Reich Gottes zu kommen!
24Die Jünger waren über seine Worte bestürzt.
Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen:
Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen!
25Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr,
als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
26Sie aber gerieten über alle Maßen außer sich vor Schrecken
und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden?
27Jesus sah sie an
und sagte: Für Menschen ist das unmöglich,
aber nicht für Gott;
denn für Gott ist alles möglich.
28Da sagte Petrus zu ihm:
Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.
29Jesus antwortete: Amen, ich sage euch:
Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen
Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater,
Kinder oder Äcker verlassen hat,
30 wird das Hundertfache dafür empfangen.
Jetzt in dieser Zeit
wird er Häuser und Brüder, Schwestern und Mütter,
Kinder und Äcker erhalten,
wenn auch unter Verfolgungen,
und in der kommenden Welt das ewige Leben.

Tagesimpuls:

Da sah ihn Jesus an, umarmte ihn und sagte: Eines fehlt dir noch.  (Mk 10,21) 

Hier heißt es, Jesus umarmte ihn. In einer anderen Übersetzung heißt es, er liebte ihn. Wir verstehen auf jeden Fall, was gemeint ist. Jesus liebt uns. Wenn er etwas von uns verlangt, dann ist das aus Liebe. Wir meinen manchmal, die Gebote wären unmenschliche Forderungen, die wir doch nie einhalten könnten. Aber das ist eine Lüge. Alles, was Jesus gebietet, tut er aus Liebe. Es ist genau wie Eltern, die dem Kind sagen: „Da darfst du nicht dran gehen!" Sie tun das aus Liebe. Sie wollen nicht, dass das Kind sich verletzt. 

Da sah ihn Jesus an, umarmte ihn und sagte: Eines fehlt dir noch.

Für den jungen Mann ist der Schritt zu groß. Er geht traurig weg. Scheinbar braucht er noch etwas Zeit, um diesen großen Schritt tun zu können. Und wenn man den Willen Gottes nicht erfüllt, ja, das macht traurig. Wahrscheinlich kennen viele diese echte Traurigkeit über die eigenen Sünden, die mit echter Reue und echter Bereitschaft zur Umkehr zu tun hat. Umkehr ist natürlich viel mehr als nur ein Gefühl von Traurigkeit, aber Umkehr kann mit der Traurigkeit beginnen. Bei diesem jungen Mann ist die Traurigkeit gewiss etwas Gutes. 

Da sah ihn Jesus an, umarmte ihn und sagte: Eines fehlt dir noch.

Später sprechen die Jünger mit Jesus über die Unmöglichkeit, den Willen Gottes ganz zu erfüllen. Es scheint so, dass wir es nie alles richtig machen können. Wir werden immer nach dem Ziel streben, aber wie Jesus sagt, bei Menschen ist es unmöglich. Der Trost ist dann: Bei Gott ist alles möglich. Nur die Pharisäer leben in dem trügerischen Bewusstsein, alles richtig zu machen. Wir dagegen erkennen, dass wir es nie schaffen, und mit Gottes Hilfe schaffen wir es dann doch irgendwie. Unser Leben bleibt in dieser Spannung. 

Da sah ihn Jesus an, umarmte ihn und sagte: Eines fehlt dir noch.

Kommen wir jetzt wieder zum Anfangssatz zurück. Genau in dieser Spannung hat uns Jesus lieb, umarmt er uns, sieht er uns liebevoll an. So wie er den Petrus nach der Verleugnung liebevoll angeschaut hat, als der Hahn krähte. Wir werden es nie schaffen, wir werden immer wieder traurig sein über unsere Sünden, aber er liebt uns so, wie wir sind. 

Gebet: 
Jesus, ich liebe dich, auch wenn ich oft traurig bin über meine Sünden. Ich liebe dich, weil du mich liebst. Auch heute schaust du mich liebevoll an, umarmst du mich. Ich danke dir dafür. Und ich danke dir für den Trost, dass bei Gott alles möglich ist. 


Pastor Roland Bohnen  
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