Freitag, 20. Juli 2018

Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. (Mt 12,7)

15 Woche im Jahreskreis     Freitag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 12,1-8.

In jener Zeit ging Jesus an einem Sabbat durch die Kornfelder. Seine Jünger hatten Hunger; sie rissen deshalb Ähren ab und aßen davon. 

Die Pharisäer sahen es und sagten zu ihm: Sieh her, deine Jünger tun etwas, das am Sabbat verboten ist. 

Da sagte er zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren - 

wie er in das Haus Gottes ging und wie sie die heiligen Brote aßen, die weder er noch seine Begleiter, sondern nur die Priester essen durften? 

Oder habt ihr nicht im Gesetz gelesen, dass am Sabbat die Priester im Tempel den Sabbat entweihen, ohne sich schuldig zu machen? 

Ich sage euch: Hier ist einer, der größer ist als der Tempel. 

Wenn ihr begriffen hättet, was das heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer, dann hättet ihr nicht Unschuldige verurteilt; 

denn der Menschensohn ist Herr über den Sabbat.

 

 

Tagesimpuls:

 

Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.  (Mt 12,7)

 

Wir Menschen leben mit Regeln, und ohne die geht es nicht. Zur Zeit Jesu waren es die Gebote, aber heute gibt es auch Regeln, nach denen wir unser Zusammenleben ordnen. Dass man die Regeln einfordert, ist eigentlich normal. Wenn man sie nicht einfordern würde, dann brächte man sie erst gar nicht aufzustellen. Es liegt in der Natur einer Regel, dass man ihre Befolgung einfordert. Und trotzdem ist das noch nicht alles. Jesus sagt, dass die Barmherzigkeit am wichtigsten ist.

 

Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.

 

Ich übertrage das nun auf mein Leben. Ich finde, dass unser christliches Leben extrem frei ist. Wir können wirklich nicht sagen, dass die Kirche uns mit strengen Regeln knechtet. Wir müssen sonntags zur Messe gehen, das ist ein Kirchengebot, dessen Befolgung von uns gefordert wird, aber das ist ja wirklich nicht sehr viel. Aber dennoch kann ich das Evangelium auf mich anwenden. Ich meine, wir machen uns selber Regeln, wir machen uns selber Pläne die wir einhalten wollen. Diese Pläne orientieren sich an den Aufgaben und Anforderungen, die an uns gestellt sind. Ich lebe ständig unter dem Druck, bestimmte Dinge machen zu müssen. Aufgaben müssen zu einer bestimmten Zeit erledigt sein. Und dieser Druck hindert mich an der mitmenschlichen Begegnung. Ich habe keine Zeit für Menschen, die spontan dazwischenkommen. Wenn ich dann höre, dass Jesus Barmherzigkeit will statt Opfer, dann könnte das heißen, dass ich manchmal den Mut haben sollte, meine selbstgemachten Pläne und Regeln loszulassen, um jetzt in Liebe für den Menschen da zu sein, der mir gerade begegnet.

 

Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.

 

Was würde es nützen, wenn ich alles erledigt habe, meine Pläne alle erfüllt, aber ich hätte die Liebe nicht gehabt? (vgl. 1 Kor 13) Hier ist ein großes Gottvertrauen nötig. Denn die Alternative kann ja nicht sein, dass ich einfach so in den Tag hineinlebe. Ich habe ja Aufgaben, die müssen gemacht werden. Aber in bestimmten Momenten davon loszulassen um der Barmherzigkeit willen, und dann zu vertrauen, dass ich das, was ich eigentlich machen müsste, mit Gottes Hilfe trotzdem schaffen werde, das ist vermutlich genau das, was ich lernen soll.

 

Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.

 

Denken wir heute einmal nach: Wo bin ich vielleicht zu starr? Wo bin ich vielleicht Sklave meiner eigenen Regeln, meiner eigenen Gesetze? Wo müsste ich mir mehr Zeit für die zwischenmenschliche Begegnung nehmen statt auf die Erledigung meiner Arbeit zu achten? Wo muss ich auch barmherziger mit mir selber werden? Wo muss ich barmherziger mit anderen Menschen werden, die vielleicht nicht so gut ihre Arbeit erledigen, wie ich es erwarte?

 

Gebet:

Jesus, hilf mir barmherzig zu sein! Hilf mir, herauszukommen aus dem Druck, den ich mir selber mache. Ich will die mitmenschlichen Beziehungen mehr beachten als bisher. Und ich will auch darauf achten, dass mein Gebet, mein Gespräch mit dir, nicht in eine Art „Abarbeiten" von Gebetspflichten ausartet. Hilf mir, dass auch das Gebet immer ein lebendiger Austausch mit dir ist.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 

 

Donnerstag, 19. Juli 2018

Kommt alle zu mir! (Mt 11,28)

15 Woche im Jahreskreis     Donnerstag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 11,28-30.

In jener Zeit sprach Jesus: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. 

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. 

Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.

 

Tagesimpuls:

 

Kommt alle zu mir! (Mt 11,28)

 

Wir können es uns nicht oft genug sagen lassen! Kommt zu Jesus! Immer wieder, den ganzen Tag über, haben wir die Gelegenheit, zu ihm zu kommen: in unserem Herzen, in unseren Gedanken, mit unserem Leib, z.B. indem wir in die Kirche gehen, zur Anbetung, zur Messe; immer wenn wir beten, immer wenn wir wieder an sein Wort denken. Und er sagte: „Ohne mich könnt ihr nichts tun." (Joh 15,5). Das heißt, wir brauchen ihn, wir müssen zu ihm kommen, sonst macht das Leben keinen Sinn.

 

Kommt alle zu mir!

 

Aber wie viele Minuten lebe ich immer noch ohne ihn? Wie oft ärgert man sich, und viel zu spät denkt man erst daran, zu Jesus zu kommen? Wie oft ist man traurig, und viel zu spät wendet man sich an Jesus? Wie viele Minuten ist unser Herz ohne diese Ruhe, ohne seinen Frieden? Das müsste nicht sein. Er will Ruhe schenken. Wenn wir zu ihm kommen, dann beginnt er zu wirken.

 

Kommt alle zu mir!

 

Nehmen wir es uns heute wieder neu vor! Kommen wir zu Jesus, immer wieder! Warten nicht zu lange damit! Und nehmen wir sein Joch auf uns, seine Gebote, seine guten Werke, auch wenn es manchmal nicht leicht scheint. Er verspricht: Sein Joch ist leicht. Lassen wir uns nicht vom Teufel einreden, es sei schwer, oder wir würden es nicht schaffen!

 

Gebet:

Jesus, ich will heute wieder zu dir kommen. Hilf mir, in dieser Haltung zu leben, immer an dich zu denken, keine längeren Zeitabschnitte ohne dich zu leben. Hilf mir, vor jeder Tätigkeit immer wieder alles dir zu weihen! Gib mir die Gnade, heute ganz in deinem Willen zu leben!

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

Mittwoch, 18. Juli 2018

Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. (Mt 11,25)

15 Woche im Jahreskreis     Mittwoch

 

EVANGELIUM

Mt 11, 25-27

 

25In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.

26Ja, Vater, so hat es dir gefallen.

27Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

 

 

Tagesimpuls:

 

Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.  (Mt 11,25)

 

Jesus sieht in der Offenbarung ein Werk Gottes. Gott offenbart sich den Menschen. Und dafür dankt er Gott. Insofern Jesus Mensch ist, ist er auf die Hilfe des Vaters angewiesen. Er kann nichts aus sich selbst heraus tun. Er tut den Willen des Vaters und bezeugt somit den Menschen die göttliche Liebe, aber ob das bei jemandem ankommt, das ist ein Werk des Vaters. Später spricht Jesus dann als Gott, wenn er sagt: „dem es der Sohn offenbaren will". Insofern Jesus Gott ist, ist er natürlich der, der sich offenbart.

 

Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.

 

Ich gehe davon aus, dass wir alle wollen, dass noch viel mehr Menschen die Liebe Gottes kennenlernen. Heute werden wir daran erinnert, dass es ein Werk Gottes ist. Er will sich den Menschen offenbaren. Aber Gott braucht uns, genauso, wie er Jesus gebraucht hat. Er braucht unsere Stimme, er braucht unser Leben. Wenn wir aber alles getan haben, was unsere Aufgabe war, dann sollen wir alles in seine Hände legen. Wir können die Offenbarung nicht produzieren, wir können und sollen nur unseren Teil tun.

 

Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.

 

Wenn wir zweifeln, dann meinen wir, Gott wolle sich verstecken, er wolle sich nicht offenbaren. Das ist aber falsch. Wir dürfen nie das Böse in Gott hineinprojizieren. Heute wird Gott immer verantwortlich gemacht für alles Böse in der Welt. Das ist falsch, das ist Zweifel, das ist das Gegenteil von Glauben und Vertrauen. Wir sollen immer glauben: Gott will sich offenbaren. Wenn etwas dagegensteht, dann ist es der menschliche Stolz, unsere Borniertheit, Engstirnigkeit usw. Wir Menschen sind es, die Gott ablehnen, er selber will nichts dringender als sich offenbaren.

 

Gebet:

Jesus, hilf uns, unsere Aufgaben zu erfüllen, damit es für dich leichter wird, dich den Menschen zu offenbaren. Danke, dass du es schaffen wirst, auch trotz unserer Schwäche und unseres Versagens. Wir beten, dass du dich noch mehr Menschen zeigen kannst, und dass viele Hindernisse weggeräumt werden. Hilf uns selber, unseren Stolz abzulegen, damit du dich auch uns selber noch mehr und tiefer offenbaren kannst.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org