Samstag, 29. September 2018

Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. (Mk 9,39)

26 Sonntag im Jahreskreis  

 

EVANGELIUM

Mk 9, 38-43.45.47-48

 

In jener Zeit

38sagte Johannes, einer der Zwölf, zu Jesus: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt.

39Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden.

40Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.

41Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört - amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen.

42Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde.

43Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer.

44/45Und wenn dich dein Fuß zum Bösen verführt, dann hau ihn ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden.

46/47Und wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden,

48wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.

 

 

Tagesimpuls:

 

Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. (Mk 9,39)

 

Es ist ein riesengroßer Unterschied, ob jemand Christus ablehnt oder ob er die Kirche ablehnt. Hier im Evangelium ist die Rede von Christen, die sich nicht den Jüngern um Petrus anschließen. Auf die heutige Zeit übertragen wären das alle evangelischen Christen. Es ist zwar zu bedauern, dass nicht alle Christen in einer Gemeinschaft, in einer versöhnten Kirche, Jesus nachfolgen, aber wenn es nicht so ist, dann sollen wir uns doch nicht gegenseitig bekämpfen, sondern vielmehr gegenseitig unterstützen. Jeder Christ, auch wenn er nicht in der Gemeinschaft um den Nachfolger Petri Jesus nachfolgt, tut etwas Gutes für das Reich Gottes.

 

Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden.

 

Am Freitag hat Papst Franziskus zu mehr Offenheit gegenüber den Pfingstkirchen aufgerufen: „Wir haben die Pflicht, die Anwesenheit des Heiligen Geistes in diesen Gemeinschaften zu unterscheiden und anzuerkennen", sagte das Kirchenoberhaupt bei einer Audienz für die Angehörigen des Päpstlichen Einheitsrates[1]. Alle, die in der charismatischen Erneuerung in der Katholischen Kirche unterwegs sind, erkennen sofort die Geistesverwandtschaft zu den Pfingstkirchen, denn es ist eine Bewegung des Heiligen Geistes, die sich zuerst in den Pfingstgemeinden, dann auch in der katholischen Kirche ausgebreitet hat.

 

Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden.

 

Dieses Evangelium ist also eine Grundlage für die Ökumene. Bemühen wir uns um gute Beziehungen zu allen Schwesterkirchen! Wir können viel voneinander lernen. Wenn jemand, der Jesus nicht in der katholischen Kirche nachfolgt, etwas ablehnt, was für uns Katholiken wichtig ist, dann sollten wir das so stehen lassen. Wir sollten uns auf das Positive konzentrieren. Umgekehrt wäre es auch schön: Wenn die Nichtkatholiken statt abzulehnen auch vom Reichtum der katholischen Tradition lernen und profitieren könnten. Jeder hat einen so großen Schatz! Wir haben es alle nicht nötig, uns vom Ablehnen oder vom Protestieren her zu definieren!

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du uns Hoffnung schenkst trotz aller menschlichen Spaltungen. Du hast uns schon damals einen Weg aufgezeigt, wie wir miteinander gehen können. Es beginnt damit, dass wir uns nicht gegenseitig bekämpfen. Dann können wir viel voneinander lernen. Wir können in gegenseitiger Wertschätzung unsere jeweiligen Erfahrungen und Traditionen betrachten, uns auf das Positive konzentrieren und nicht auf das Ablehnen. Jesus, danke, dass du uns schon viele Schritte zur Einheit geschenkt hast, und danke, dass wir auf diesem Weg sicher noch weite kommen werden.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

Freitag, 28. September 2018

Als Jesus in der Einsamkeit betete und die Jünger bei ihm waren… (Lk 9,18)

25 Woche im Jahreskreis     Freitag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 9,18-22.

In jener Zeit als Jesus in der Einsamkeit betete und die Jünger bei ihm waren, fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? 

Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden. 

Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Messias Gottes. 

Doch er verbot ihnen streng, es jemand weiterzusagen. 

Und er fügte hinzu: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen. 

 

 

Tagesimpuls:

 

Als Jesus in der Einsamkeit betete und die Jünger bei ihm waren… (Lk 9,18)

 

Wir sehen in der Bibel oft, dass Jesus die Einsamkeit sucht, um zu beten. Dass er dabei die Jünger mitnimmt, erleben wir später auch noch in Gethsemane. Es ist schön, dass er die Einsamkeit mit den Jüngern teilt. Es ist dann trotzdem noch die Einsamkeit mit Gott, die sie gemeinsam aufsuchen. Man kann also auch in Gemeinschaft die Einsamkeit mit Gott suchen. Auf diese Weise kann man Menschen helfen, zu beten, die Begegnung mit Gott zu finden.

 

Als Jesus in der Einsamkeit betete und die Jünger bei ihm waren…

 

Dieses Alleinsein mit Gott braucht Jesus, um seinen Weg gehen zu können, um sich auf seine Berufung vorzubereiten, um sich innerlich auf das Leiden am Kreuz einzustellen. In der Einsamkeit mit Gott lernt er, Ja zu sagen zum Willen Gottes, Ja zum Leiden am Kreuz, was sein Weg ist. Ganz stark haben wir das später in Gethsemane, aber hier beginnt es auch schon. Als Mensch muss sich Jesus wie wir durchringen im Gebet, um den Willen Gottes anzunehmen.

 

Als Jesus in der Einsamkeit betete und die Jünger bei ihm waren…

 

Jeder von uns braucht diese Einsamkeit mit Gott. Spontan sehe ich drei wichtige Gründe, warum wir das auch brauchen. Einmal brauchen wir viel Gebet, um uns mit dem Leid auseinanderzusetzen, was uns im Laufe des Lebens zugefügt worden ist. Wir lernen zu verzeihen, und im Gebet finden wir Heilung, wir erleben, wie Gott alles zum Guten führt. Zum Zweiten brauchen wir viel Gebet, um unseren Weg, den Gott mit uns gehen will, klar zu erkennen. Wir finden im Gebet zu uns selbst, zu unserer Identität, wir erkennen, wer wir sind, was unsere Berufung ist. Und zum Dritten brauchen auch wir die Einsamkeit mit Gott im Gebet, um uns einzustellen und vorzubereiten auf den Leidensweg, der vor uns liegt. Auch unser Leben ist ein Kreuzweg, auch wir sind von Gott berufen Opfer zu bringen für die Erlösung der Sünder. Aber das erkennen wir nicht ohne die Stille mit Gott, und das können wir nicht leben, wenn wir nicht im Gebet dazu die Kraft bekommen. Wie Jesus im Gethsemane finden wir zu unserem Ja zu diesem Weg in der Stille mit Gott.

 

Gebet:
Jesus, du bist mein Vorbild. Du hast in der Stille gebetet, so will ich es auch tun. Jesus zeige mir meinen Lebensweg, meine Identität, wer ich bin, was mein Weg ist. Gib mir die Kraft, diesen Weg anzunehmen, mit allen Opfern, die es kostet. Danke, dass du den Weg in Gemeinschaft mit den Jüngern gegangen bist, und dass auch wir in Gemeinschaft diesen Weg gehen dürfen.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 

Donnerstag, 27. September 2018

Und er hatte den Wunsch, ihn einmal zu sehen. (Lk 9,9)

25 Woche im Jahreskreis     Donnerstag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 9,7-9.

In jener Zeit hörte der Tetrarch Herodes von allem, was durch Jesus geschah, und wusste nicht, was er davon halten sollte. Denn manche sagten: Johannes ist von den Toten auferstanden. 

Andere meinten: Elija ist wiedererschienen. Wieder andere: Einer der alten Propheten ist auferstanden. 

Herodes aber sagte: Johannes habe ich selbst enthaupten lassen. Wer ist dann dieser Mann, von dem man mir solche Dinge erzählt? Und er hatte den Wunsch, ihn einmal zu sehen.

 

 

Tagesimpuls:

 

Und er hatte den Wunsch, ihn einmal zu sehen.  (Lk 9,9)

 

Herodes hatte eine gewisse Sympathie für Johannes den Täufer, er hörte ihm gern zu. Er hätte ihn nicht umbringen lassen, wenn seine Frau ihn nicht dazu gedrängt hätte. Jetzt erwacht wieder das religiöse Interesse des Herodes, jetzt will er Jesus gerne sehen. Was seine Motive sind, darüber kann man geteilter Meinung sein. Aber doch ist da etwas in ihm. Vielleicht könnte man es so formulieren: Er ist auf der Suche.

 

Und er hatte den Wunsch, ihn einmal zu sehen.

 

Man kann sagen, dass viele Menschen auf der Suche sind, auch wenn sie sich in völlig falschen Wegen verfahren haben. Aber in ihrem Herzen haben sie etwas, was noch nicht völlig verstummt ist, was noch nicht völlig abgestumpft ist. Und genau das wäre ein Anknüpfungspunkt, an dem wir anknüpfen können mit unserer frohen Botschaft. Ob sie sich deswegen bekehren, ist damit noch lange nicht gesagt. Herodes hat sich nicht bekehrt, in ihm hat sich das Böse immer mehr durchgesetzt. Aber er hatte eine Regung in sich, und diese Regung hätte sein Hoffnungsanker werden können.

 

Und er hatte den Wunsch, ihn einmal zu sehen.

 

Wenn wir mit Menschen umgehen, können wir uns auf die Suche machen nach diesem Funken des Interesses, und wenn es auch nur Neugier ist. Wir können uns auf die Suche machen nach dem guten Kern im anderen, wo seine Sehnsucht spürbar wird, seine Sehnsucht nach Gott, nach Veränderung, nach Bekehrung. Wir können nicht garantieren, ob Menschen offen reagieren auf die Verkündigung der frohen Botschaft. Aber wir können nach diesen Anknüpfungspunkten suchen und das Gute in ihnen entdecken.

 

Gebet:

Jesus, ich will dich mehr verkünden. Wir haben so wenig Erfahrung damit. Wir leben noch so sehr in der alten volkskirchlichen Gewohnheit, wo man das Evangelium nicht verkünden musste, weil alle durch die Gesellschaft christlich erzogen worden sind. Die Zeiten haben sich schon so lange geändert, aber wir haben in großen Teilen immer noch nicht gelernt, das Evangelium zu verkünden. Bitte hilf mir, dass ich beginne, mich umzustellen, dass ich lerne, das Evangelium zu verkünden an die Menschen, die auf der Suche sind. Bitte zeige mir, wie ich anfangen kann, was ich tun muss, um das besser zu lernen.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org