Dienstag, 16. August 2022

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. (Mt 19,24)

20 Woche im Jahreskreis    Dienstag

EVANGELIUM
Mt 19, 23-30

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
23Amen, das sage ich euch: Ein Reicher wird nur schwer in das Himmelreich kommen.
24Nochmals sage ich euch: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
25Als die Jünger das hörten, erschraken sie sehr und sagten: Wer kann dann noch gerettet werden?
26Jesus sah sie an und sagte zu ihnen: Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich.
27Da antwortete Petrus: Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was werden wir dafür bekommen?
28Jesus erwiderte ihnen: Amen, ich sage euch: Wenn die Welt neu geschaffen wird und der Menschensohn sich auf den Thron der Herrlichkeit setzt, werdet ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten.
29Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen.
30Viele aber, die jetzt die Ersten sind, werden dann die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein.

Tagesimpuls

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. (Mt 19,24)

Reichtum kann verschiedenes sein, nicht nur Geld. Reichtum ist alles, an das ich mich klammere. Wenn ich mich an etwas anderes klammere als Jesus, dann sind meine Hände gebunden. Dann habe ich keine Zeit mehr für Jesus, dann stelle ich Jesus automatisch hinter meinen Reichtum zurück. Das können zum Beispiel meine Talente sein, meine Fähigkeiten, was ich mir erarbeitet habe, mein Erfolg, meine Leistungen in Beruf oder im Sport, oder auch das, was ich als Priester erreicht habe und nicht aufgeben möchte. Auch geistliche Dinge, so wertvoll sie auch sein mögen, könnten die Stelle Gottes einnehmen, und das darf nicht sein. Wir müssen immer bereit sein, alles loszulassen.

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.

Wenn unsere Hände voll sind, dann haben wir keinen Raum für Jesus. Wir sollen aber Jesus ergreifen. Deswegen müssen unsere Hände immer wieder leer sein, damit wir Platz für Jesus haben. Wir könnten heute uns fragen: woran hängt mein Herz? Was ist mein Reichtum? Was sind die Dinge, die ich nicht loslassen könnte, wenn sie mir weggenommen würden? 

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.

Das ist ganz praktisch: wenn jemand zum Beispiel ein Hobby hat, dass er sehr gerne macht und in dass er sehr viel Zeit steckt, dann fehlt wahrscheinlich die Zeit für Jesus, für das Gebet, für den Gottesdienst, für das Mitmachen in der Gemeinschaft der Christen. Der Reichtum ist das, was sich vor Jesus schiebt. Vielleicht ist es sogar bei jemandem der Fußball, oder ein anderer Sport. Wenn es etwas gibt, weswegen ich die Heilige Messe zurückstellen würde, dann sehe ich, dass das mein Reichtum ist. Ich kann aber nur in das Himmelreich kommen, wenn ich mich an Jesus klammere. Wenn ich mich an etwas anderes klammere, dann ist der Weg zum Himmel verschlossen. Wenn ich sterbe, dann habe ich eben das andere in der Hand und nicht Jesus. Wenn ich mich an Jesus klammere und dann sterbe, dann habe ich Jesus in der Hand, und dann komme ich ins Himmelreich.

Gebet:
Jesus, ich will mich an dich klammern. Ich will dich an die erste Stelle meines Lebens setzen. Jesus, ich brauche dich. Ich will bereit sein, alles andere loszulassen, damit du wirklich in meinen Händen bist, wenn ich sterbe.


Pastor Roland Bohnen 


Montag, 15. August 2022

Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. (Lk 1,48)

 Mariä Aufnahme in den Himmel
Hochfest

Evangelium

Lk 1, 39–56

39In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg
und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
40Sie ging in das Haus des Zacharías
und begrüßte Elisabet.
41Und es geschah:
Als Elisabet den Gruß Marias hörte,
hüpfte das Kind in ihrem Leib.
Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
42und rief mit lauter Stimme:
Gesegnet bist du unter den Frauen
und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
43Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
44Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte,
hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
45Und selig,
die geglaubt hat, dass sich erfüllt,
was der Herr ihr sagen ließ.
46Da sagte Maria:
Meine Seele preist die Größe des Herrn
47 und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
48Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
49Denn der Mächtige hat Großes an mir getan
und sein Name ist heilig.
50Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die ihn fürchten.
51Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
52er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.
53Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.
54Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen,
55 das er unsern Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
56Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr;
dann kehrte sie nach Hause zurück.

Tagesimpuls

Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. (Lk 1,48)

Mit dem Glaubenswahrheiten ist es so: man muss sie erst annehmen, und dann versteht man sie. Vor kurzem erzählte mir eine verheiratete Frau, dass sie die Lehre der katholischen Kirche über die voreheliche Keuschheit erst nach ihrer Hochzeit wirklich verstanden hatte. Zuvor hatte sie diese Lehre nicht voll akzeptiert und daher auch nicht richtig verstanden. Bei Maria ist es ähnlich. Wenn man die Lehre der katholischen Kirche über Maria ablehnt, dann kann man es auch nicht verstehen. In dem Moment, wo man Maria annimmt, versteht man alles, alles ergibt Sinn. 

Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.

Hier in diesem Evangelium ist alles so eindeutig. Elisabeth bezeichnet Maria als die Mutter ihres Herren. Sie sagt „Kyrios" (griech. für „Herr"), das ist der Gottestitel, das hat jeder verstanden. Wenn wir heute Mutter Gottes sagen, dann ist das voll biblisch. Oder „gesegnet unter den Frauen", das bezeichnet doch eine ganz besondere Stellung von Maria. Wenn dann genau dasselbe „gesegnet" für Jesus benutzt wird, (die Frucht deines Leibes), dann wird Maria doch mit Jesus quasi auf eine Stufe gestellt. Zumindest müsste das nachdenklich machen, und man kann weiß Gott nicht sagen, das Maria irgendeine Frau wäre, sondern sie ist die Gesegnete.

Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.

Dass die Kirche Maria bis heute seligpreist, wird hier biblisch vorausgesagt. In der katholischen Kirche nennt man das Marienverehrung. Das ist zu unterscheiden von Anbetung. Wir Katholiken beten nur Gott an. Aber wir verehren Maria, wir preisen sie selig, wie es in der Bibel gesagt wird.

Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.

Maria ist ein sehr wichtiger Teil des Leibes Christi. Und wenn wir als Christen auftreten, dann treten wir immer als Leib auf, immer gemeinsam. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir gemeinsam stark sind. Und genau das ist auch Gottes Plan. Er will, dass wir nicht alleine auftreten, sondern immer als Leib Christi, immer in der Gemeinschaft der Kirche. Dazu zählen die Engel und die Heiligen, und vor allen Heiligen Maria. Wenn wir in Gemeinschaft des Leibes Christi mit Maria gemeinsam beten, dann spüren wir eine ganz besondere Kraft. Gott hat Maria dazu gesegnet und mit Gaben ausgestattet („voll der Gnaden"), und wenn wir die Hilfe Marias annehmen, dann sind wir ganz in seinem Plan.

Gebet:
Jesus, ich danke dir für die Gemeinschaft der Kirche. Ich danke dir dass wir gemeinsam mit Maria und mit den Heiligen und mit den Engeln beten und wirken dürfen und sollen. Du hast zu Johannes gesagt: „siehe meine Mutter!" Wie Johannes, so will auch ich Maria annehmen als meine Mutter. Danke für die Stärke, die du uns allen schenkst, wenn wir als Leib Christi zusammen stehen und zusammenhalten.



Pastor Roland Bohnen 


Samstag, 13. August 2022

Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben. (Lk 12,52)

 20 Sonntag im Jahreskreis    

Evangelium

Lk 12, 49–53

49Ich bin gekommen,
um Feuer auf die Erde zu werfen.
Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!
50Ich muss mit einer Taufe getauft werden
und wie bin ich bedrängt,
bis sie vollzogen ist.
51Meint ihr,
ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen?
Nein, sage ich euch,
sondern Spaltung.
52Denn von nun an werden
fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben:
Drei werden gegen zwei stehen
und zwei gegen drei;
53der Vater wird gegen den Sohn stehen
und der Sohn gegen den Vater,
die Mutter gegen die Tochter
und die Tochter gegen die Mutter,
die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter,
und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

Tagesimpuls

Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben. (Lk 12,52)

Dieses Evangelium spricht besonders in unserer moderne Zeit, die vom Individualismus geprägt ist. In früheren Zeiten wäre dieses Evangelium vielleicht nicht so sehr verständlich gewesen. Damals gab es noch nicht den Individualismus wie heute. Damals teilten die Menschen miteinander die selben Werte. Wenn ein Dorf katholisch war, dann waren in der Regel auch alle katholisch. Aber auch alle anderen Sitten und Gebräuche waren in den Dörfern einheitlich, zum Beispiel bezüglich der Erziehung der Kinder, oder was die Menschen in ihrem Tagesablauf machten, es war alles in allen Familien sehr ähnlich. Da war es höchst selten, dass einer in der Familie eine andere Glaubensrichtung vertrat.

Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben.

Mir wurde unser westdeutscher Individualismus einmal sehr stark vor Augen geführt bei einer Wallfahrt zum Weltjugendtag nach Tschenstochau im Jahre 1991. In unserer Gruppe hörte ich ungefähr 20 mal täglich: „wann haben wir denn mal wieder Freizeit, wann können wir denn mal wieder alleine herumlaufen und machen, was wir wollen?" Die Gruppe war wie eine Herde, die man kaum zusammenhalten konnte. Dann sah ich die großen polnischen Gruppen mit mehreren 100 Jugendlichen zum Heiligtum einziehen über eine große breite Straße. Sie waren jeweils wie in einem quadratischen Block formiert, und um die ganze Gruppe herum war ein Seil gespannt, damit niemand verloren ging. Ich dachte mir, dass in diesen Gruppen niemand auf die Idee käme, zu fragen, wann denn endlich wieder Freizeit wäre. Mir schien es, als wäre es in diesen Gruppen völlig selbstverständlich, dass man zusammen bleibt.

Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben.

 

In der Antike war die Zeit ähnlich wie heute. Wenn man zum Beispiel alte Gräberfelder anschaut, wie man sie unter dem Petersdom finden kann, dann sieht man, dass innerhalb einer Familie Menschen in verschiedenen religiösen Riten bestattet worden sind. Damals gab es also auch diesen Individualismus wie heute bei uns. Und ich glaube, dass Jesus auf diese Spannungen hinweist.

Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben.

Aber die größte Spannung in unserem Leben ist die Spannung zwischen Gut und Böse. Und in diese Spannung sind wir Christen immer hineingestellt. Insbesondere in einer Gesellschaft, in der das Böse nicht mehr böse genannt wird, ist es für uns Christen nicht leicht, zu unserem Glauben zu stehen. Aber das müssen wir. Wir müssen als Christen dazu beitragen, dass das Böse besiegt und überwunden wird. Damit werden wir von Jesus mitten in einen Konflikt hinein gestellt. Wenn wir nichts tun und schweigen, dann machen wir uns mit schuldig. Wir dürfen Jesus nicht verleugnen.

Gebet:
Jesus, jeder wünscht sich Harmonie, aber andererseits will auch jeder frei sein und machen, was er will. Wenn jeder macht was er will, dann kommen Konflikte. In unserer Gesellschaft gibt es keine einheitlichen Werte mehr. Jesus, hilf uns bitte, dass wir die Kraft haben, in diesen Konflikten unseren christlichen Standpunkt zu vertreten und dich nicht zu verraten.


Pastor Roland Bohnen 


Freitag, 12. August 2022

Jetzt live: unsere polnischen Band, die montags die Jugendmesse musiziert und singt

Jetzt live: unsere polnischen Band, die montags die Jugendmesse musiziert und singt - in der eucharistischen Anbetung! 


Liebe Grüße, 
Pastor Roland Bohnen 



Pastor Roland Bohnen 
Pfarrer-Kreins-Str. 2 
52538 Selfkant Süsterseel 
TEL.: 02456 - 3627
pastor.bohnen@kirche-selfkant.de

Hinweis auf Glaubenszeugnis

Liebe Bruder und Schwestern,
Ich möchte nicht versäumen, euch auf dieses gewaltige Glaubenszeugnis von Sandra aufmerksam zu machen, dass sie in unserer Kirche gehalten hat am vergangenen Freitag. Es ist auf unserer Homepage zu finden:



GOTT KANN TOTE ZUM LEBEN AUFERWECKEN – GLAUBENSZEUGNIS VON SANDRA DRZAGZA



Oder auch gleich hier auf unserem YouTube Kanal:

Ich grüße sie mit den herzlichsten Segens Wünschen!

Pastor Roland Bohnen 

Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch. (Mt 19,9)

19 Woche im Jahreskreis    Freitag

EVANGELIUM
Mt 19, 3-12

In jener Zeit
3kamen Pharisäer zu ihm, die ihm eine Falle stellen wollten, und fragten: Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen?
4Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat
5und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein?
6Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
7Da sagten sie zu ihm: Wozu hat dann Mose vorgeschrieben, dass man der Frau eine Scheidungsurkunde geben muss, wenn man sich trennen will?
8Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so.
9Ich sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch.
10Da sagten die Jünger zu ihm: Wenn das die Stellung des Mannes in der Ehe ist, dann ist es nicht gut zu heiraten.
11Jesus sagte zu ihnen: Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist.
12Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht, und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es.


Tagesimpuls

Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch. (Mt 19,9)

Die katholische Kirche, das sind wir Christen, wir fühlen uns der Lehre Jesu verpflichtet. Weder der Papst noch die Bischöfe noch ein Konzil könnten diese Lehre verändern. Denn wenn wir das tun würden, wären wir nicht mehr in der Nachfolge Jesu. Daher hält die Kirche bis heute und auch in Zukunft an der Unauflöslichkeit der Ehe fest. In der Gesellschaft geht es oft drunter und drüber, das ist heute so und war auch zu vielen Epochen in der Geschichte so. Aber die Kirche passt sich nicht an die Gesellschaft an. Die Kirche passt sich an Jesus an, sie wird von ihm geformt. Damit ist sie mitunter auch eine mahnende Stimme in der Gesellschaft.

Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch.

Die Einschränkung, „wenn Unzucht vorliegt", muss man richtig verstehen. Es geht dabei um Fälle, wo ein Familienmitglied ein anderes heiratet, wie zum Beispiel ein Sohn seine Mutter. Eine solche Ehe ist von vornherein ungültig und von Rechtswegen darf man sie gar nicht als Ehe bezeichnen. Eine solche Beziehung soll natürlich getrennt werden. Das meint Jesus mit Unzucht. Es ist aber nicht damit gemeint, dass ein Partner untreu wird. Das ist nach der Lehre Jesu noch keinen Grund, die Beziehung aufzulösen. 

Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch.

Dass das alles nicht leicht ist, betonen schon die Jünger im Evangelium. Und auch heute wird jedem, der an der Lehre Jesu festhält, vorgeworfen, dass dies völlig unrealistisch sei. Weil auch schon die Jünger selber daran Anstoß genommen haben, glaube ich, dass es wohl zu allen Zeiten und zu allen Generationen schwierig war. In der vorchristlichen Zeit gab es deswegen die Scheidung, wie Jesus selbst erklärt. Aber durch Christus wird die paradiesische Zeit wiederhergestellt. Daher betont Jesus, dass es jetzt wieder so sein kann wie „am Anfang". Durch die Erlösung, die Jesus uns schenkt, kann die Sünde vertrieben werden. So befähigt Jesus uns, das zu leben, was normalerweise menschlich nicht möglich ist. Wir müssen also intensiv aus der Gnade Jesu leben. Dann kann die eheliche Treue auch gelingen.

Gebet:
Jesus, wir beten heute für alle Eheleute, besonders für alle, die es schwer haben, und besonders auch für alle, deren Ehe gescheitert ist. Bitte hilf allen, den richtigen Weg zu finden, wie es für sie weitergehen kann. Bitte hilf uns allen, aus der Erlösung zu leben, die du uns schenkst. Lass uns intensiv Kraft schöpfen aus den Sakramenten.


Pastor Roland Bohnen 


Donnerstag, 11. August 2022

Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. (Mt 18,34)

19 Woche im Jahreskreis    Donnerstag

EVANGELIUM
Mt 18, 21 - 19, 1

In jener Zeit
21trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Sieben Mal?
22Jesus sagte zu ihm: Nicht sieben Mal, sondern siebenundsiebzig Mal.
23Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen.
24Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war.
25Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen.
26Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen.
27Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld.
28Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist!
29Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen.
30Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe.
31Als die übrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war.
32Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast.
33Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?
34Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe.
35Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt.
1Als Jesus diese Reden beendet hatte, verließ er Galiläa und zog in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordan.

 


Tagesimpuls

Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. (Mt 18,34)

Immer wieder kommt es vor, dass wir schlecht über andere Menschen reden, weil wir uns über sie geärgert haben. Dazu kommen noch alle die schlechten Gedanken über diese Menschen. Müssten wir in solchen Situationen nicht viel mehr vergeben? Unser ganzer Ärger über diese Menschen, und wenn es ausgesprochen wird, ist es noch schlimmer, schadet sehr vielen Personen. Zu allererst schadet es aber auch uns selbst. Solange wir uns ärgern und nicht vergeben, werden wir von den Folterknechten gequält.

Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe.

Wir laden Schuld auf uns, solange wir nicht vergeben. Unsere Schuld ist die Bitterkeit, der Ärger, vielleicht sogar Hass. Das sind schwere Sünden, und diese Sünden quälen uns, solange wir nicht verzeihen. Wir meinen, wir hätten ein Recht darauf, uns zu ärgern, weil der andere ist ja schuld sei. Aber das stimmt nicht. Der andere ist für seine Tat verantwortlich, wir aber sind für unsere Taten verantwortlich. Und unser Ärger und unsere Bitterkeit, das sind unsere Sünden, nicht die des anderen. 

Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe.

Es gibt Menschen, die können scheinbar nicht verzeihen, weil sie so sehr verletzt sind. Diese Menschen brauchen innere Heilung. Aber sie könnten wenigstens Gott bitten, dass er ihnen hilft, dass sie mit seiner Hilfe eines Tages doch vergeben könnten. Man kann zum Beispiel beten: „Jesus, in deinem Namen und in deiner Kraft, denn ohne deine Hilfe werde ich es nicht schaffen, will ich dieser Person verzeihen, dass sie das und das gemacht hat."

Gebet:
Jesus, ich danke dir, dass du uns ganz frei machen willst von Hass, Bitterkeit und Ärger. Wir müssen aber mitmachen. Jesus, hilf uns, aufmerksam zu bleiben, wo wir schlecht über andere reden oder denken. Hilf uns, dass wir diese Situationen schnell bereinigen, indem wir diesen Menschen verzeihen und versuchen, sie von Herzen zu lieben. Jesus, hilf uns in innerem Frieden mit uns und mit unseren Mitmenschen zu leben.


Pastor Roland Bohnen 


Mittwoch, 10. August 2022

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. (Joh 12,24)

Heiliger Laurentius

EVANGELIUM
Joh 12, 24-26

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
24Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.
25Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.
26Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.

Tagesimpuls

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. (Joh 12,24)

Viele Christen beklagen sich über die Menschen in ihrer Familie, in ihrer Umgebung, vor allem auch in der Kirche, dass die anderen den christlichen Glauben nicht so leben, wie es richtig wäre. Insbesondere hört man viele Klagen über die Kirche, dass sie nicht so ist, wie es sein müsste. Die Christen wären lau, liberal, nicht auf dem richtigen Weg und so weiter. Aber Gott hat uns genau in diese Zeit, in diese Familie, in dieser Umgebung, in diese Kirche hineingestellt.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.

Gott möchte, dass wir das Weizenkorn sind, dass du genau in diese Umgebung hinein fällt und stirbt. Ich erinnere mich an die Zeit nach der Priesterweihe, voll erfüllt vom Schwung des Heiligen Geistes aus der charismatischen Erneuerung. In mir war immer dieses Wort. Ich dachte: ich muss in die real existierende Kirche hinein sterben. Tief in mir war das Vertrauen, dass all das irgendwann einmal große Früchte bringen würde.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.

Es nützt also nichts, wenn wir uns wünschen, dass wir in einer idealen Familie oder in einer idealen Kirche leben würden. Es ist wahrscheinlich noch nie ideal gewesen, so lange die Kirche existiert. Am besten ist es, wenn wir Ja sagen dazu, dass wir Weizenkorn sind, dass dazu bestimmt ist zu sterben. Wenn wir das akzeptieren, dann heißt das nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen. Wir können und sollen uns durchaus engagieren, um die Welt ein wenig besser zu machen. Wir bringen uns in unsere Kirche beziehungsweise in unserer Familie und in unsere Umgebung ein mit dem was wir sind und haben. Und wir vertrauen darauf, dass Gott alles fruchtbar machen wird.

Gebet:
Jesus, ich danke dir, dass du unsere Situation interpretierst, dass du uns zeigst, wer wir sind und wozu wir leben. Wir sind diese Weizenkörner, von denen du gesprochen hast. Wir werden hinein geworfen in die Welt, in die Familie, die Kirche, in die Umgebung der Menschen, zu denen du uns gesandt hast. Jesus, ich will, mich dir als dein Weizenkorn schenken. Ich vertraue dir, dass du dafür sorgen wirst, dass mein Leben fruchtbar wird. Amen.


Pastor Roland Bohnen 


Dienstag, 9. August 2022

Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. (Joh 4,24)

HL. TERESIA BENEDICTA VOM KREUZ
Märtyrin, Ordensfrau
Fest

EVANGELIUM
Joh 4, 19-24

19Die Frau sagte zu Jesus: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.
20Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.
21Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
22Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.
23Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.
24Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

Tagesimpuls

Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. (Joh 4,24)

Es gab immer heilige Orte, und es gibt auch heute heilige Orte. Aber wenn es nur auf den Ort ankäme, dann wäre es Magie. Man müsste sich also an diesen oder jenen Ort begeben, und dann würde man geheilt und geheiligt. Aber so einfach ist es nicht. Es geht um die Verbindung zu Jesus Christus im Heiligen Geist. Wenn diese Verbundenheit nicht existiert, dann nützen auch heilige Orte nichts. Deswegen sagt Jesus:

Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

Diese Verbundenheit zu Jesus durch den Heiligen Geist wird selbstverständlich gefördert durch heilige Orte und heilige Zeichen. Die Eucharistie ist ein heiliges Zeichen, alle Sakramente, alle liturgischen Feiern, und natürlich auch alle geheiligten Orte wie unsere Kirchen, und ganz besonders die Wallfahrtsorte. Gottes Geist kann uns zwar immer berühren, und wir können uns immer für seinen Heiligen Geist öffnen, aber heilige Orte und heilige Zeichen sind eine große Hilfe dabei. Und wenn man es ganz genau nimmt, selbst wenn wir mitten im gestressten Alltag an irgendeiner Stelle beten, dann machen wir vielleicht doch ein Kreuzzeichen, und auch die Gebete, die wir in Gedanken formulieren, sind im Grunde genommen ja ebenfalls Heilige Zeichen (wenn man ein Wort auch als Zeichen bezeichnen darf). Wenn man es so betrachtet, dann vollzieht sich unsere Gottes Beziehung immer in heiligen Zeichen.

Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

Ich möchte noch eine kurze Erklärung zum Stichwort Wahrheit geben. Mit Wahrheit meint Jesus sich selbst, so wie er gesagt hat: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben" (Joh 14,6). Also bestätigt Jesus eindeutig, dass unsere Gottesbeziehung geschehen muss in Christus und im Heiligen Geist.

Gebet:
Jesus, ich danke dir, das wir dich an allen Orten und zu jeder Zeit anbeten können. Danke für den Heiligen Geist, der uns überall diese wunderbare Gottesbeziehung ermöglicht. Wir wollen Gott nur in dir, Jesus, und im Heiligen Geist anbeten. Danke auch für alle heiligen Orte, ganz besonders für unsere Kirchen, in denen du im Allerheiligsten Sakrament gegenwärtig bist. Amen.


Pastor Roland Bohnen 


Montag, 8. August 2022

Also sind die Söhne frei. (Mt 17,26)

19 Woche im Jahreskreis    Montag

EVANGELIUM
Mt 17, 22-27

In jener Zeit,
22als Jesus und seine Jünger in Galiläa zusammen waren, sagte Jesus zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert werden,
23und sie werden ihn töten; aber am dritten Tag wird er auferstehen. Da wurden sie sehr traurig.
24Als Jesus und die Jünger nach Kafarnaum kamen, gingen die Männer, die die Tempelsteuer einzogen, zu Petrus und fragten: Zahlt euer Meister die Doppeldrachme nicht?
25Er antwortete: Doch! Als er dann ins Haus hineinging, kam ihm Jesus mit der Frage zuvor: Was meinst du, Simon, von wem erheben die Könige dieser Welt Zölle und Steuern? Von ihren eigenen Söhnen oder von den anderen Leuten?
26Als Petrus antwortete: Von den anderen!, sagte Jesus zu ihm: Also sind die Söhne frei.
27Damit wir aber bei niemand Anstoß erregen, geh an den See und wirf die Angel aus; den ersten Fisch, den du heraufholst, nimm, öffne ihm das Maul, und du wirst ein Vierdrachmenstück finden. Das gib den Männern als Steuer für mich und für dich.

 


Tagesimpuls

Also sind die Söhne frei.  (Mt 17,26)

Jesus hat hier eine sehr ausgewogene Einstellung. Er betont die Freiheit der Kinder Gottes, aber trotzdem fügt er sich in das Staatswesen ein, damit man keinen Anstoß erregt. Warum soll man keinen Anstoß erregen? Ich glaube, dass die Erfahrung der letzten 2000 Jahre gezeigt hat, dass es für die Evangelisierung wichtig ist, dass wir nicht wegen unwichtiger Dinge Anstoß erregen. Wenn wir diskutieren, dann diskutieren wir über das Wesentliche, über Jesus Christus, über den Wert des Lebens vom Beginn bis zum Ende, aber nicht über Dinge, die nicht so wichtig sind.

Also sind die Söhne frei.

Wenn man in die Geschichte der Christenheit hineinschaut, dann sieht man, dass die Christen tendenziell eher gute Staatsbürger waren und sein wollten. Man wollte vorbildlich sein, um der Evangelisation willen. Man sollte den Christen nichts vorwerfen können. Und auch heute in autoritären Regime erleben wir die Christen eher als nicht politisch. Sie bemühen sich, Sauerteig für die Gesellschaft zu sein. Der Weg Gottes ist nicht die politische Revolution, sondern die Evangelisierung. Das geschieht von Mensch zu Mensch. Und wir glauben, dass, je mehr Menschen Jesus annehmen, dadurch die Gesellschaft schließlich verändert wird. Wir beginnen aber nicht bei der Gesellschaft, sondern wir beginnen beim einzelnen Menschen.

Also sind die Söhne frei.

Auch wenn die Christen – vor allem in totalitären Regimen – nicht so sehr politisch waren und sind, dann ist es doch wichtig, dass Jesus betont: wir sind frei! Das meinte ich mit ausgewogen. Wir haben unsere Freiheit, wir sind nicht Sklave eines Regimes, aber trotzdem bemühen wir uns, möglichst keinen Anstoß zu erregen für Dinge, die es nicht wert sind. Wenn wir in die Gesellschaft hinein wirken wollen, dann leben wir in erster Linie für die Evangelisierung von Mensch zu Mensch. Das ist unser Fokus. Suchen wir die Begegnung mit den Menschen, die Jesus uns heute sendet!

Gebet:
Jesus, ich danke dir, dass du uns durch dein Leben und durch deine Worte eine Richtlinie geschenkt hast. Wir sollen zu aller erst versuchen, die menschlichen Begegnungen mit Liebe zu füllen und dich zu bezeugen. Wir beten heute für alle Christen, die sich politisch engagieren. Segne ihr Engagement, und hilf uns, wieder eine von christlichen Werten geprägte Gesellschaft zu werden.


Pastor Roland Bohnen 


Samstag, 6. August 2022

Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft! (Lk 12,36)

19 Sonntag im Jahreskreis    

Evangelium

Lk 12, 32–48

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
32Fürchte dich nicht, du kleine Herde!
Denn euer Vater hat beschlossen,
euch das Reich zu geben.
33Verkauft euren Besitz
und gebt Almosen!
Macht euch Geldbeutel, die nicht alt werden!
Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt,
im Himmel, wo kein Dieb ihn findet
und keine Motte ihn frisst!
34Denn wo euer Schatz ist,
da ist auch euer Herz.
35Eure Hüften sollen gegürtet sein
und eure Lampen brennen!
36Seid wie Menschen,
die auf ihren Herrn warten,
der von einer Hochzeit zurückkehrt,
damit sie ihm sogleich öffnen,
wenn er kommt und anklopft!
37Selig die Knechte,
die der Herr wach findet, wenn er kommt!
Amen, ich sage euch:
Er wird sich gürten,
sie am Tisch Platz nehmen lassen
und sie der Reihe nach bedienen.
38Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache
und findet sie wach – selig sind sie.
39Bedenkt:
Wenn der Herr des Hauses wüsste,
in welcher Stunde der Dieb kommt,
so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht.
40Haltet auch ihr euch bereit!
Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde,
in der ihr es nicht erwartet.
41Da sagte Petrus:
Herr, sagst du dieses Gleichnis nur zu uns
oder auch zu allen?
42Der Herr antwortete:
Wer ist denn der treue und kluge Verwalter,
den der Herr über sein Gesinde einsetzen wird,
damit er ihnen zur rechten Zeit die Tagesration gibt?
43Selig der Knecht,
den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt!
44Wahrhaftig, ich sage euch:
Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen.
45Wenn aber der Knecht in seinem Herzen sagt:
Mein Herr verspätet sich zu kommen!
und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen,
auch zu essen und zu trinken und sich zu berauschen,
46dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen,
an dem er es nicht erwartet,
und zu einer Stunde, die er nicht kennt;
und der Herr wird ihn in Stücke hauen
und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen.
47Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt,
sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt,
der wird viele Schläge bekommen.
48Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen,
etwas tut, was Schläge verdient,
der wird wenig Schläge bekommen.
Wem viel gegeben wurde,
von dem wird viel zurückgefordert werden,
und wem man viel anvertraut hat,
von dem wird man umso mehr verlangen.

Tagesimpuls

Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft! (Lk 12,36)

Was Jesus hier erklärt, ist etwas Innerliches, dass aber, je nachdem, ob man es beachtet oder nicht, große Auswirkungen haben kann. Wir sollen unser Herz und unsere Gedanken auf Jesus Christus ausgerichtet haben. Die Tatsache, dass er unterwegs ist (in dem Vergleich, den Jesus erzählt), zeigt an, dass wir tatsächlich Jesus nicht mit unseren leiblichen Augen sehen können. Wie viele andere Menschen in unserem Leben ist Jesus anwesend, auch wenn wir sie gerade in diesem Augenblick nicht sehen, weil sie unterwegs sind. Jeder erlebt das in seiner Familie. Wenn ein Familienmitglied nicht im Haus ist würden wir niemals darauf kommen, zu sagen, dass es nicht existieren würde, auch wenn wir es in diesem Augenblick nicht sehen.

Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft!

Die Diener sollen aber an ihn denken. Sie sollen in ihrem Herzen auf ihn ausgerichtet sein. Vor kurzem habe ich einmal auf einem Pizzaservice gewartet. Da wir in Pfarrheim waren, befürchtete ich, dass der Service uns nicht finden würde. Als er sich dann verspätete, ging ich immer wieder hinaus, um zu schauen, ob er vielleicht draußen wäre und möglicherweise das richtige Haus suchen würde. In der Zeit, die verging, bin ich mindestens fünf mal aufgestanden und zur Tür gegangen, um den Pizzaservice entgegen zu gehen. Das zeigt mir, wie es ist, wenn man jemanden erwartet. Das Gegenteil wäre, dass man nicht mehr an die Person denkt, dass man sie völlig aus den Augen verliert. Dazu gibt es im deutschen auch ein passendes Sprichwort: „Aus den Augen – aus dem Sinn". Aber genau so darf es nicht sein. Weil wir Jesus mit den leiblichen Augen nicht sehen, dürfen wir ihn nicht aus dem Sinn verlieren.

Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft!

Wir sollen unser ganzes Leben, nicht nur eine Stunde am Sonntag, an Jesus denken und ihn erwarten. Aber damit Jesus nicht ganz aus unseren Augen verschwindet, gibt es die Feier der Eucharistie. Hier werden wir immer wieder an ihn erinnert. Hier können wir ihn immer wieder mit unserem leiblichen Augen schauen in der Hostie, die in seinen Leib verwandelt wird. Wenn wir Jesus anschauen, in der Hostie, in der heiligen Messe, in der eucharistischen Anbetung, dann richten wir unser Herz auf ihn aus. Dann wird er uns helfen, dass wir ihn auch während des gesamten Tages und während der gesamten Woche in unserem Herzen behalten.

Gebet: 
Jesus, ich danke dir, dass du immer bei uns bist. Wir sollen uns in unserem Herzen auf dich konzentrieren und dich nicht aus den Augen verlieren. Danke das du uns in der Eucharistie die Möglichkeit schenkst, dich auch mit unseren leiblichen Augen zu schauen. So können wir immer auf dich fokussiert bleiben. Bitte hilf uns, dass wir diese innere Aufmerksamkeit auf dich behalten auch während des ganzen Tages. 




Pastor Roland Bohnen 


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