Donnerstag, 20. Juni 2019

Gebt ihr ihnen zu essen! (Lk 9,13)

Hochfest des Leibes und Blutes Christi - Fronleichnam  

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 9,11b-17

In jener Zeit redete Jesus zum Volk vom Reich Gottes und heilte alle, die seine Hilfe brauchten. 

Als der Tag zur Neige ging, kamen die Zwölf zu ihm und sagten: Schick die Menschen weg, damit sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen, dort Unterkunft finden und etwas zu essen bekommen; denn wir sind hier an einem abgelegenen Ort. 

Er antwortete: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische; wir müssten erst weggehen und für all diese Leute Essen kaufen. 

Es waren etwa fünftausend Männer. Er erwiderte seinen Jüngern: Sagt ihnen, sie sollen sich in Gruppen zu ungefähr fünfzig zusammensetzen. 

Die Jünger taten, was er ihnen sagte, und veranlassten, dass sich alle setzten. 

Jesus aber nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, segnete sie und brach sie; dann gab er sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten. 

Und alle aßen und wurden satt. Als man die übriggebliebenen Brotstücke einsammelte, waren es zwölf Körbe voll.

 

 

Tagesimpuls:

 

Gebt ihr ihnen zu essen!  (Lk 9,13)

 

Heute feiern wir das Fest Fronleichnam. Es ist eindeutig, dass wir in dem Brot, das Jesus vermehrt hat, ein Zeichen für die Eucharistie sehen. Wir sollen den Leuten zu Essen geben. Das bezieht sich nicht nur auf das karitative Wirken der Kirche, sondern vor allem auf das geistliche. Wir sollen den Menschen geistliche Nahrung geben, damit unsere Welt die Liebe nicht verliert. Die höchste Form der geistlichen Nahrung ist die Eucharistie. Von ihr lebt die Kirche, von ihr leben wir. Ein Mystiker hat einmal gesagt: „Wenn auf der Welt nur einen Tag keine Eucharistie mehr gefeiert würde, dann würde sie untergehen." Die Eucharistiefeier hält unsere Welt am Leben.

 

Gebt ihr ihnen zu essen!

 

Durch den relativen Priestermangel bei uns („relativ" gemessen an den Priesterzahlen bei uns vor einigen Jahren – im weltkirchlichen Vergleich sieht das ganz anders aus) wird die Eucharistiefeier knapper als früher. Es gibt weniger Messen, auch weniger Fronleichnamsprozessionen. Trotzdem sagt Jesus zu den Aposteln: „Gebt ihr ihnen zu essen." Jesus wirkt ein Wunder, damit alle Menschen zu essen bekommen. Auf unsere heutige Situation in Deutschland übertragen verstehe ich das so: Wir sollen beten, damit der Herr mehr Arbeiter in den Weinberg senden kann. Beten! Es geht nicht darum, dass wir menschliche Strategien suchen, wie wir den sogenannten Priestermangel kompensieren. Es geht um eine Lösung, die Gott schenkt, wenn wir beten. Das mag unrealistisch scheinen, aber das Wunder der Brotvermehrung war auch nach menschlichem Ermessen nicht realistisch.

 

Gebt ihr ihnen zu essen!

 

Die Aufforderung zum Gebet wird in der deutschen Kirche an vielen Orten nicht ernst genug genommen. In den USA gibt es eine Initiative „Adoration vor Vocations". In vielen Bistümern sind eucharistische Anbetungsstunden entstanden für Berufungen von Priestern. Daraus resultiert ein beachtliches Wachstum an Priesterberufungen. Im letzten Jahr und in diesem Jahr wurden bzw. werden in den USA jeweils um die 600 Priester geweiht. Das ist ein Zuwachs von 34%. Der Leiter dieser Initiative sagt, dass er keine Diözese kennt, in der Priesterberufungen gewachsen sind, wo keine besonderen Anbetungen für Berufungen gehalten werden.

 

Gebt ihr ihnen zu essen!

 

Wenn Jesus uns auffordert, „gebt ihr ihnen zu essen", dann will er uns in ein übernatürliches Abenteuer führen. Wir sollen erleben, wie er seine Kirche leitet, und wir er selber dafür sorgt, dass alle Gläubigen das eucharistische Brot empfangen können. Unsere Aufgabe ist es, die Eucharistie zu verehren, Anbetungsstunden zu halten für die Berufung von Priestern, die Heilige Messe wertzuschätzen, auch dadurch, indem wir Wege und Zeiten in Kauf nehmen, um die Heilige Messe mitfeiern zu können.

 

Gebet:

Jesus, wir danken dir, dass du uns die Eucharistie geschenkt hast. Vielen ist der Wert der Eucharistie nicht besonders bewusst. Hilf uns, dass wir dich anbeten, dass wir selber die Eucharistie noch mehr wertschätzen; dass wir andere Menschen zur Eucharistie hinziehen, mehr durch unser Vorbild als durch unsere Worte. Und wir bitten dich, dass du unserer Kirche mehr Priester schenken wirst.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 

 

 







Roland Bohnen
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Mittwoch, 19. Juni 2019

Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. (Mt 6,6)

11 Woche im Jahreskreis     Mittwoch

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 6,1-6.16-18

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten. 

Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. 

Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut. 

Dein Almosen soll verborgen bleiben, und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. 

Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. 

Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. 

Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. 

Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, 

damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

 

 

Tagesimpuls:

 

Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist.   (Mt 6,6)

 

Wir sollen die Einsamkeit mit Gott suchen. Immer wieder sollen wir in die verborgene Kammer unseres Herzens gehen, um dort Gott zu begegnen. Das bezieht sich auf die Gebetszeiten, aber auch auf das innere Leben während des ganzen Tages. Ich kann arbeiten oder etwas anderes machen, aber dabei immer wieder in diese verborgene Kammer meines Herzens gehen.

 

Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. 

 

In unserem Inneren finden wir auch vieles Dunkle, Belastende. Dort lagert sich alles ab, die Folgen der Sünden, das Schwere. Wenn wir beten, kann es eine ganze Zeit lang dauern, bis wir diesen Nebel vertrieben haben und mit Gott spürbar in Berührung kommen. Aber genau das ist unsere Aufgabe. Ich vergleiche es mit einem Arbeiter, der irgendeinen Dreck in einen Container schaufeln muss. Jedem gibt Gott etwas von diesem Dreck auf seine Schaufel. Die Heiligen, die viel mehr leiden als wir, haben große Mengen, die sie wegschaufeln. Jesus hat die ganze Sünde der Welt weggeschaufelt, um im Bild zu bleiben. Wir bekommen etwas, vielleicht nicht besonders viel. Aber nun müssen wir beten, wir werden mit dieser Last, mit dieser Dunkelheit im Gebet konfrontiert. Irgendwann wird es frei, finden wir zu einem Durchbruch, und der Himmel öffnet sich über uns. Maria hat das in Medugorje einmal so ausgedrückt: „Betet solange, bis das Gebet für euch zur Freude wird."

 

Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. 

 

Dies ist wie der Übergang von Karfreitag zu Ostern. Wenn man damit fertig ist, fängt es wieder neu an. Solange wir leben, legt Gott uns immer wieder etwas auf die Schaufel, was wir wegschaufeln dürfen. Und je heiliger wir sind, umso mehr wird es sein. Und wir werden unsere Aufgabe mit Freude für den Herrn erfüllen, denn je mehr Dunkelheit besiegt ist, je mehr Dunkelheit in Licht und Liebe verwandelt ist, umso besser. Wir dürfen Jesus mithelfen, und das geschieht zu einem maßgeblichen Teil in unserem Gebet, in dieser stillen Kammer in unserem Inneren.

 

Gebet:

Jesus, danke, dass du uns so eine wichtige Aufgabe gibst. Wir beklagen uns oft über die Ablenkungen im Gebet, über die Anfechtungen. Aber du möchtest, dass wir immer wieder zu deinem Licht durchbrechen, dass deine Liebe durch unser Gebet in die Welt fließt. Hilf uns, nicht aufzugeben, wenn das Gebet schwer wird, sondern hilf uns, dass wir unsere Aufgabe erkennen und erfüllen, dass wir all das Dunkle und Belastende dir geben, damit es durch deine Gnade in Liebe verwandelt werden kann.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

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Dienstag, 18. Juni 2019

Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen. (Mt 5,44)

11 Woche im Jahreskreis     Dienstag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 5,43-48

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 

Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 

damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 

Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? 

Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? 

Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.

 

 

Tagesimpuls:

 

Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.   (Mt 5,44)

 

Meistens haben wir Angst vor unseren Feinden, und daher ziehen wir uns zurück und wollen mit ihnen nichts zu tun haben. Einige wenige gibt es, die aggressiv versuchen, ihre Feinde zu vernichten. Aber ich finde, dass die meisten eher Angst haben. Ich kenne sehr viele Menschen, die nicht gerne Konflikte haben wollen. Aber Jesus zeigt uns noch einen anderen Weg. Und dieser Weg ist ein echtes Heilmittel gegen die Angst. Wir sollen unsere Feinde lieben und für sie beten.

 

Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.

 

Ich weiß nicht, ob man die Reihenfolge auch umdrehen könnte, also dass man erst für sie betet, und dann wächst auch die Liebe. Aber so, wie Jesus es sagt, geht es auch. Weil man sie liebt, darum will man auch für sie beten. Vielleicht darf man auch erst mal einige Vorstufen der Liebe benennen, die aber in sich auch schon Liebe sind. Liebe beginnt ja mit Toleranz, dass man den anderen erträgt, seine Andersheit, seine andere Meinung, und dass man sein anderes Verhalten aushält. (vgl. Kol 3,13: Ertragt einander!) Eine wichtige Form der Liebe ist auch das Verständnis. Warum ist der andere so, warum handelt er so? Ich hatte z.B. als Kind immer wieder viel Verständnis für andere „böse" Kinder, weil meine Mutter uns öfter gesagt hatte: „Wir wissen nicht, wie es in deren Familie aussieht, ob sie vielleicht kein gutes Elternhaus haben." Wenn man bedenkt, was der andere vielleicht schon alles erlitten hat, dann hat man mehr Verständnis.

 

Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.

 

Wichtig ist auch, dass man einfach annimmt, dass die Situation so ist wie sie ist. Wir nehmen das Kreuz an. So wie Jesus gelitten hat, so leiden wir auch unter der Gewalt, unter der Aggression der anderen. Und genau das gibt Jesus mir in diesem Moment auf, das ist meine Aufgabe. Jetzt soll ich den anderen lieben und für ihn beten. Jesus hat für seine Feinde gebetet: Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Er hat Verständnis für sie aufgebracht. Sie wussten es nicht besser. Versuchen wir also auch so zu leben. Das wird uns die Angst vor der Verfolgung nehmen, wir selber bleiben aktiv, wir werden nicht zum Opfer, sondern wir behalten die Möglichkeit in der Hand, die Situation aktiv zu gestalten.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir von ganzem Herzen, dass du uns zeigst, wie wir mit Konflikten umgehen sollen und können. Du erweiterst unseren Handlungsspielraum. Wir müssen nicht zum Opfer werden. Wir müssen keine Angst haben. Wir können uns bemühen, die Menschen zu lieben, und wir können für sie beten. Heiliger Geist, bitte erinnere uns daran, wenn es so weit ist. Hilf uns, nach dem Wort Jesu zu leben.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 







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