Mittwoch, 23. Januar 2019

Was ist am Sabbat erlaubt: Gutes zu tun oder Böses? (Mk 3,4)

02 Woche im Jahreskreis     Mittwoch

Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus - Mk 3,1-6

In jener Zeit als Jesus in eine Synagoge ging, saß dort ein Mann, dessen Hand verdorrt war. 

Und sie gaben acht, ob Jesus ihn am Sabbat heilen werde; sie suchten nämlich einen Grund zur Anklage gegen ihn. 

Da sagte er zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und stell dich in die Mitte! 

Und zu den anderen sagte er: Was ist am Sabbat erlaubt: Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder es zu vernichten? Sie aber schwiegen. 

Und er sah sie der Reihe nach an, voll Zorn und Trauer über ihr verstocktes Herz, und sagte zu dem Mann: Streck deine Hand aus! Er streckte sie aus, und seine Hand war wieder gesund. 

Da gingen die Pharisäer hinaus und fassten zusammen mit den Anhängern des Herodes den Beschluss, Jesus umzubringen.

 

 

Tagesimpuls:

 

Was ist am Sabbat erlaubt: Gutes zu tun oder Böses?  (Mk 3,4)

 

Hier geht es um Prioritäten. Es wäre vergleichbar, wenn man heute einen Gottesdienst macht, Menschen werden übernatürlich geheilt, und dann beschweren sich Kritiker, weil man zu viel Geld ausgegeben hätte für das Heizen der Kirche, oder sie beschweren sich, weil in dem Gottesdienst jemand umgefallen ist oder geschrien hat. Diese Beispiele habe ich mir jetzt gerade ausgedacht, um darzustellen, was ich mit Prioritäten meine. Wenn ein Kranker geheilt wird, vielleicht sogar von einer unheilbaren Krankheit, dann ist das doch absolut vorrangig! Dann ist doch alles andere sekundär. Wir müssen doch den Fokus auf das Positive legen und alles tun, damit das Positive möglich wird. Selbstverständlich gibt es auch da Grenzen. Niemals darf man sündigen. Der Zweck heiligt nicht immer die Mittel. Man darf nicht Böses tun, damit das Gute möglich wird. So meine ich das nicht. Aber man darf das Gute nicht verhindern wegen unwichtiger Dinge, auch wenn sie den ein oder anderen vielleicht stören.

 

Was ist am Sabbat erlaubt: Gutes zu tun oder Böses?

 

Aber wie oft kommt es vor, dass sich Menschen über charismatische Gruppen ärgern, obwohl dort nachweislich Menschen gerettet werden, zum ewigen Leben finden, geheilt werden und auf einen neuen, guten Weg gebracht werden. Und wie oft wird dieses Gute nicht verstanden. Z.B. habe ich voller Freude und Dankbarkeit Flüchtlinge zur Taufe geführt. Aber viele verstehen das nicht. Sie verstehen nicht, dass Menschen innerlich zu Jesus finden können. Sie meinen, die Flüchtlinge würden das nur tun, um weltliche Vorteile zu erlangen. Vielleicht ist das der Grund, warum geistlich so wertvolle Dinge von Christen oft abgelehnt werden: Weil sie das Gute, das dort geschieht irgendwie nicht verstehen, obwohl es doch meiner Meinung nach so offensichtlich ist.

 

Was ist am Sabbat erlaubt: Gutes zu tun oder Böses?

 

Aber ich sollte nicht klagen über andere Menschen, die das Wirken Gottes noch nicht so gut verstehen können. Wir sollten vielmehr nachdenken, was wir für unser Leben aus dem Evangelium mitnehmen können. Ich will mir vornehmen, den Blick für die Prioritäten zu schärfen. Ich will mich bemühen, das Gute, das Gott wirken will, nicht wegen weniger wichtiger Dinge zu behindern. Gesetze und Regeln sind zwar an sich gut, weil sie meinem Leben Halt und Struktur geben. Aber trotzdem will ich aufpassen, dass ich den Willen Gottes nicht versäume, nur weil ich mich an Gesetze, Gewohnheiten oder Regeln gehalten habe. Mir erzählte vor kurzem jemand ein Zitat von der freikirchlichen Predigerin Heidi Baker. Einige kennen sie. Sie wurde gefragt, was ihrer Meinung nach der tiefere Grund für ihren großen Erfolg sei. Sie hätte geantwortet: „Stop for the single one" – halte an für den einzelnen. Also bereit sein, seine Pläne zu unterbrechen. Und sie wäre immer die Lippen bewegend durch die Straße gegangen, also ständig mit Gott in Kontakt, ihn fragend, was er wirken will. Ein Pater in meiner Ausbildung sagte mal: „Die Gebote und Regeln sind so etwas wie ein Sprungbrett für das Wirken des Heiligen Geistes." Niemand ist gegen Gebote. Das Wirken des Heiligen Geistes benutzt diese gute Ordnung sozusagen als Absprungbasis. Und da muss man hellhörig sein für das Wirken Gottes im Augenblick. Man kann auch sagen: Neben den Geboten und Regeln gibt es dann das „Gebot der Stunde" und das müssen wir erkennen.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir für dieses Evangelium. Du hast einerseits das Gesetz nicht abgelehnt, aber du hast den Willen Gottes im Augenblick gelebt und Menschen geheilt, ohne dir vom Gesetz Fesseln anlegen zu lassen. Hilf mir, auch so zu leben. Lass mich erkennen, wo mein Leben mehr Struktur braucht, lass mich aber auch dein Gebot der Stunde nicht versäumen. Hilf mir, für den einzelnen anzuhalten, und dann auf mich zu vertrauen, auch wenn ich meine, keine Zeit zu haben, weil mich das Korsett meiner Aufgaben drängt. Hilf mir, in solchen Fällen das Richtige zu tun.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 







Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel 
Telefon 02456 - 3627    
Fax 02456 - 3019