Mittwoch, 11. Dezember 2019

Ich werde euch Ruhe verschaffen. (Mt 11,28)

Advent 02 Woche     Mittwoch

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 11,28-30

In jener Zeit sprach Jesus: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. 

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. 

Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.

 

 

Tagesimpuls:

 

Ich werde euch Ruhe verschaffen.  (Mt 11,28)

 

Bei den meisten Menschen ist das Leben zu hektisch. Uns fehlt die Ruhe. Ich merke, dass ich dazu neige, krank zu werden, wenn ich zu wenig Ruhe habe. Jeder empfiehlt mir dann Mittel, die helfen. Ich habe aber herausgefunden, dass das Mittel, das mit Abstand am allermeisten hilft, die Ruhe ist. Wenn ich zur Ruhe komme, werde ich wieder gesund. Wenn ich dann wieder zu viel Hektik habe, werde ich wieder krank. Aber trotzdem bleibt in mir das schlechte Gewissen. Ich meine, ich dürfte mir nicht die Ruhe nehmen.

 

Ich werde euch Ruhe verschaffen.

 

Jesus will uns Ruhe schenken. Es gibt ein Wort in der Bibel: „In der Ruhe liegt die Kraft" (Jes 30,15; vgl. auch Ps 46,11). Maria hat sich von den vielen Arbeiten gelöst und Jesus zu Füßen gesessen, und wurde dafür von Jesus gelobt (Lk 10,38ff). Jesus will, dass wir uns Zeit nehmen. Wir dürfen zur Ruhe kommen. Das hat nichts mit Faulheit zu tun. Wir müssen aber lernen, mehr auf Gott als auf die Menschen zu hören. Denn wir werden nur dann zur Ruhe kommen können, wenn wir Menschen gegenüber lernen, Nein zu sagen. Wir können nicht alle Erwartungen der Menschen erfüllen und zugleich genügend Zeit für die Ruhe finden. Wir können eben nicht alles.

 

Ich werde euch Ruhe verschaffen.

 

Unser Philosophieprofessor Jörg Splett sagte in unserem Studium, dass wir Menschen immer noch sein wollen wie Gott, und dass darin eine der größten Sünden liege. Wir wollen sozusagen allmächtig sein, alles können und alles machen. Wir wollen unsere Grenzen nicht anerkennen. Daher ist unser Leben so hektisch. Aber es liegt in der Natur des Menschen, dass er Grenzen hat. Gerade die Grenzen machen unsere Identität aus. Ich bin der, der genau dieses macht und das andere nicht. Wenn wir lernen, unsere Grenzen anzuerkennen, finden wir unsere Identität, dann werden wir wir selber, die Person, als die Gott uns geschaffen hat. Hektik ist also ein Zeichen, dass man alles will und noch nicht seine Identität gefunden hat. Je mehr wir unsere Berufung finden, umso mehr finden wir auch in die Ruhe, umso mehr können wir Nein sagen zu dem, was nicht zu uns gehört (egal wie schön und wertvoll es sein mag).

 

Gebet:

Jesus, ich will meine Identität, meine Bestimmung, meine Berufung finden, die du mir schenkst. Du rufst mich nicht dazu, alles zu wollen und alles zu machen. Das ist der Versucher. Wir sollen nicht werden wie Gott, sondern wir sollen wir selber werden, ein Mensch mit einer ganz bestimmten Identität und ganz bestimmten Grenzen. Hilf mir auf diesem Weg, und hilf mir, immer mehr in die Ruhe zu finden.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

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Roland Bohnen
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Dienstag, 10. Dezember 2019

Er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben. (Mt 18,13)

Advent 02 Woche   Dienstag          

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 18,12-14

In jener Zeit fragte Jesus seine Jünger: Was meint ihr? Wenn jemand hundert Schafe hat und eines von ihnen sich verirrt, lässt er dann nicht die neunundneunzig auf den Bergen zurück und sucht das verirrte? 

Und wenn er es findet - amen, ich sage euch: er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben. 

So will auch euer himmlischer Vater nicht, dass einer von diesen Kleinen verlorengeht.

 

 

Tagesimpuls:

 

Er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben.  (Mt 18,13)

 

Ich kann mich immer wieder gut mit diesem verlorenen Schaf identifizieren. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mal eine Situation hatte, wo ich gesagt oder gedacht hätte: „Ich wüsste jetzt echt nicht, was ich beichten soll." Ich habe immer etwas. Daher kann ich es auch immer als Trost empfinden, wenn ich höre, dass mein himmlischer Vater sich über mich freut, obwohl ich das verlorene Schaf bin. Für mich ist das immer wieder eine frohe Botschaft.

 

Er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben.

 

Trotzdem erlebe ich mich auch noch dabei, über andere zu urteilen, die ebenfalls verloren sind, zumindest wo es mir so scheint. Aber das wird bei mir besser. Ich erinnere mich an eine sehr alte Schwester. Irgendwie wurde mal wieder über Menschen geklagt, weil sie irgendwas falsch gemacht oder gesagt hätten. Und dann sagte die Schwester, wir sollten nicht urteilen, wir haben doch alle unsere Fehler. Dieser Satz begleitet mich immer. Da denke ich bis heute immer wieder dran. Wir sind ja alle die verlorenen Schafe. Wenn etwas nicht in Ordnung ist bei anderen, wenn etwas mich verletzt, mir weh tut, dann sage ich heute normalerweise: „Oh, das hat mich jetzt tief getroffen, Jesus legt mir das ans Herz, da muss ich jetzt viel Fürbitte machen." Und ich spüre wirklich, wenn ich den Rosenkranz in diesem Anliegen bete, wie es besser wird. Also Jesus legt mir die Verlorenen ans Herz, ich bete für sie, und ich verstehe das, weil ich selbst auch ein Verlorener bin.

 

Er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben.

 

Jedes Leid, jeden Schmerz zu Jesus bringen, darin liegt die Lösung. Sei es meine eigene Verlorenheit, sei es die der anderen. Nur er kann heilen, und er will heilen. Durch unsere Gebete fördern wir die Heilungsprozesse. Wir merken das in uns selber.

 

Gebet:

Jesus, ich will so gerne perfekt sein, ich will, dass alles klappt. Aber dennoch erlebe ich mich als Verlorener, ich erlebe mich als Sünder. Ich danke dir so sehr, dass der Vater sich über mich freut, das tröstet mich. Ich danke dir, dass ich für alle Verlorenen beten darf, besonders für die, die du mir ans Herz legst, die mich verletzen, die meinen Weg kreuzen. So kannst du vieles Verlorene verwandeln und heilen. Und ich danke dir, dass ich mit dazu beitragen kann durch meine Gebete.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

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Montag, 9. Dezember 2019

Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. (Lk 1,38)

Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 1,26-38

In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret 

zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. 

Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. 

Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. 

Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. 

Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. 

Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. 

Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben. 

Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? 

Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. 

Auch Elisabeth, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. 

Denn für Gott ist nichts unmöglich. 

Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

 

 

Tagesimpuls:

 

Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.  (Lk 1,38)

 

Maria gibt sich dem Willen Gottes hin. Das Wort Gottes, der Wille Gottes, das Wirken Gottes, das stimmt bei Gott alles überein. Bei uns Menschen ist das manchmal anders. Wir sagen etwas, aber wir wollen etwas anderes, und wir tun etwas anderes. Bei Gott ist das nicht so. Wenn Maria sagt, „mir geschehe nach deinem Wort", dann lebt sie im Willen Gottes, und sie lässt Gott in ihrem Leben wirken.

 

Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.

 

Theoretisch müsste die Hingabe an den Willen Gottes einfach sein. Man muss da ja nichts machen, was einen überfordert oder unter Druck setzt. Im Gegenteil, man muss ja „nur" Gott wirken lassen. Aber trotzdem ist es für uns nicht einfach, denn wir hängen an unserem eigenen Willen, an dem, was wir unbedingt wollen oder vermeiden wollen. Dies wiederum ist gesteuert von vergangenen Erfahrungen, meist von Verletzungen und Ängsten. Daher brauchen wir erst viel seelische Heilung, damit wir uns dem Willen Gottes hingeben können wie Maria.

 

Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.

 

Ein Kriterium, an dem ich erkennen kann, ob ich im Willen Gottes lebe oder nicht, ist der innere Friede. Immer wenn ich in mir einen großen Druck oder eine Angst spüre, bin ich noch nicht im Willen Gottes. Dann versuche ich mir zu sagen: Das wichtigste ist, dass mein Herz bei Jesus ist. Nichts ist jetzt wichtiger. Ich versuche, wieder mit meinem Herzen bei Jesus zu sein. Ich spüre den Schmerz in mir. Mit diesem Schmerz gehe ich zu Jesus. Und es kann dauern, bis der innere Friede wieder zurückkommt. Das ist die Heilung. Am besten geschieht sie vor der Eucharistie in der Anbetung.

 

Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.

 

So können wir uns danach ausstrecken, im Willen Gottes zu leben, in der Hingabe. Wenn wir in der Nähe von Maria bleiben, kann sie uns sehr dabei helfen.

 

Gebet:

Maria, heute ist dein großes Fest. Du bist von der Erbsünde bewahrt worden. So konntest du dich ganz Gott hingeben und Mutter von Jesus werden. Ich will in deiner Nähe bleiben, damit ich an deiner Seite zu Jesus gehe, damit ich Heilung finde und mich mehr und mehr Gott hingeben kann, so wie du es vorgelebt hast.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 







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