Samstag, 20. Oktober 2018

Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. (Mk 10,39)

29 Sonntag im Jahreskreis  

 

EVANGELIUM

Mk 10, 35-45

 

In jener Zeit

35traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.

36Er antwortete: Was soll ich für euch tun?

37Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen.

38Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?

39Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde.

40Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind.

41Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes.

42Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.

43Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein,

44und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.

45Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

 

 

Tagesimpuls:

 

Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. (Mk 10,39)

 

Menschen wollen wichtig sein. Sie drängeln sich vor. Sie wollen etwas Besonderes sein. Das ist auch unter den Jüngern Jesu so. Das ist menschlich, das gibt es überall, auch in der Kirche. Natürlich soll man das nicht. Das weiß Jesus auch. Aber trotzdem weist Jesus die beiden nicht zurecht. Was er macht, ist klüger: Er gibt ihnen eine Aufgabe. Er gibt ihnen ein Ziel, für das sie leben sollen. Er kanalisiert ihren Ehrgeiz in die richtige Richtung. Der Ehrgeiz soll nicht mehr auf Kosten anderer gehen, sondern er soll genutzt werden, um anderen zu dienen, um das Opfer auf sich zu nehmen für die anderen.

 

Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde.

 

Was Jesus sagt, ist prophetisch. Das Prophetische ist sehr wichtig, denn es spricht Menschen ihre Identität zu. Jesus beantwortet die Frage: Wer bin ich? Wozu lebe ich? Was soll ich tun? Diese Frage muss jeder Mensch beantworten. Und sie kann nur Jesus beantworten, nur der Gott, der mir das Leben geschenkt hat, der mich gerufen hat, ihm zu dienen, der mich in die Nachfolge Jesu gerufen hat. Das ist der Sinn unseres Lebens. Wenn unser Leben diesen Sinn, diese Richtung gefunden hat, dann haben wir es nicht mehr nötig, uns in falschem unerleuchtetem Ehrgeiz zu verlieren, der auf Kosten anderer geht. Dann können wir alles geben für dieses Ziel, das Jesus uns gesteckt hat.

 

Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde.

 

Um meine Identität zu finden, muss ich mit Jesus reden. Nur er kann mir die Antwort auf meine Fragen geben. Das Gespräch mit Jesus darf so unvollkommen beginnen, wie ich nun einmal bin. Die Jünger gehen auf Jesus zu mit ihrem „Ich will". Und im Gespräch mit Jesus ändert sich das. Jesus führt sie zur Hingabe: „Ja ich bin bereit, den Kelch zu trinken." Wenn alle Christen das sagen würden, dann wären wir schon sehr weit. Natürlich weiß man in diesem Moment noch nicht, worauf man sich einlässt, aber Jesus wird uns Tag für Tag die Kraft schenken, die wir brauchen. Und wenn es darauf ankommt, dann kann Jesus – anknüpfend an unser Ja – uns auch die Kraft schenken, den Kelch ganz zu trinken, so wie Dietrich Bonhoeffer es in seinem berühmten Gebet schreibt:

„Und reichst du uns den schweren Kelch den bittern,

des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand."

 

Gebet:

Jesus, zu dir darf ich kommen mit meiner ganzen Unvollkommenheit. Ich muss nicht perfekt beten. Wenn ich nur mit dir ins Gespräch komme, dann lenkst du mich, meine Gedanken, und du führst mich zur Hingabe. Während des Gebets wächst in mir die Bereitschaft, alles für dich zu tun, alles auf mich zu nehmen, das Opfer zu bringen aus Liebe zu dir, das Opfer meines Lebens. Du gibst meinem Leben Sinn. Ja, ich sage Ja zu dir. Ich will den Kelch trinken, den du mir reichst.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 

 







Roland Bohnen
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Freitag, 19. Oktober 2018

In jener Zeit strömten Tausende von Menschen zusammen, so dass es ein gefährliches Gedränge gab. (Lk 12,1)

28 Woche im Jahreskreis     Freitag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 12,1-7

In jener Zeit strömten Tausende von Menschen zusammen, so dass es ein gefährliches Gedränge gab. Jesus wandte sich zuerst an seine Jünger und sagte: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei. 

Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. 

Deshalb wird man alles, was ihr im Dunkeln redet, am hellen Tag hören, und was ihr einander hinter verschlossenen Türen ins Ohr flüstert, das wird man auf den Dächern verkünden. 

Euch aber, meinen Freunden, sage ich: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, euch aber sonst nichts tun können. 

Ich will euch zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der nicht nur töten kann, sondern die Macht hat, euch auch noch in die Hölle zu werfen. Ja, das sage ich euch: Ihn sollt ihr fürchten. 

Verkauft man nicht fünf Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch vergisst Gott nicht einen von ihnen. 

Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.

 

 

Tagesimpuls:

 

In jener Zeit strömten Tausende von Menschen zusammen, so dass es ein gefährliches Gedränge gab.  (Lk 12,1)

 

Tausende Menschen in so einem kleinen Land wie Israel, und dann bei der damaligen Bevölkerungsdichte, das ist schon sehr viel. Wir würden jetzt vielleicht denken: „Das ist endlich der Durchbruch, auf den Jesus so lange gewartet hatte. Jetzt ist es so weit. Das Reich Gottes wird angenommen von den Menschen!" Aber der Bibeltext geht in eine ganz andere Richtung. Schon der Hinweis auf das gefährliche Gedränge lässt ahnen, dass es gar nicht so gut ist, was hier geschieht. Die große Zahl muss also nicht ein Zeichen dafür sein, dass die Dinge gut laufen. Wir dürfen nicht immer auf die Zahlen schauen. Das ist für uns nicht leicht, denn bei kleinen Zahlen, bei geringer Beteiligung, haben wir immer den Eindruck, dass unsere Bemühungen erfolglos wären.

 

In jener Zeit strömten Tausende von Menschen zusammen, so dass es ein gefährliches Gedränge gab.

 

Jesus wendet sich zuerst an seine Jünger. In Zeiten, wo es noch keine Lautsprecher und kein Radio und Fernsehen gab, hat das auch einen praktischen Sinn. Jesus braucht die Multiplikatoren. Man kann nicht zu Tausenden sprechen so, dass sie ihn alle verstehen. Aber dahinter steckt mehr als nur die praktische Frage. Jesus stärkt die Kleingruppe. Diese Jünger sollen der Sauerteig sein für die große Gesellschaft. Die große Masse nützt Jesus nichts, solange er nicht eine gut ausgebildete Mannschaft – besser Jüngerschaft – hat, die Menschen auffangen kann, die sich ihm anschließen. In einem Bild gesagt: Wenn Tausende von Menschen auf hoher See ertrinken, dann brauche ich Rettungsboote mit gut ausgebildeten Matrosen, die diese Menschen aufnehmen können. Und das sind die Jüngerschaftsgruppen, das sind die kleinen Zellen in der Kirche, in denen sich Menschen um das Wort Gottes versammeln und miteinander Jesus in die Mitte stellen.

 

In jener Zeit strömten Tausende von Menschen zusammen, so dass es ein gefährliches Gedränge gab.

 

Die Gegenseite macht es genauso. Da gibt es auch „Elitegruppen" wie die Pharisäer, die versuchen Sauerteig zu sein, die Gesellschaft zu beeinflussen und zu prägen. Wir Christen sind der christliche Sauerteig, wir wollen das Gute in die Gesellschaft bringen. Es beginnt immer mit der kleinen Gruppe von Jüngern. Wenn die gut auf dem Weg ist, dann können wir die ganze Gesellschaft zum Guten beeinflussen.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir für diese Lehre. Es ist gut, dass so viele Menschen zu dir gekommen sind. Aber trotzdem lenkst du unser Augenmerk auf die Kleingruppe, auf deine Jünger, an die du dich zuerst wendest. Hier beginnt das christliche Leben. Und wenn es hier nicht stark ist, dann lässt es sich von den Strömungen der Gesellschaft (dem Sauerteig der Pharisäer) wegreißen. Daher willst du die Jüngergruppen stärken. Schenke uns in unserer Kirche viele solcher Jüngergruppen.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Er sandte sie zu zweit. (Lk 10,1)

HEILIGER LUKAS

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 10,1-9

In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere Jünger aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte. 

Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. 

Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. 

Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs! 

Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus! 

Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren. 

Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes! 

Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. 

Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.

 

 

Tagesimpuls:

 

Er sandte sie zu zweit.  (Lk 10,1)

 

Wir brauchen keine Waffenrüstung, wir brauchen keine sonstige Ausrüstung, um Jesus zu verkünden und ihm den Weg zu bereiten in unserer Welt. Wir sind Schafe unter Wölfen, wehrlos und hilflos, aber wir haben eine andere Stärke! Das ist die Gemeinschaft. Es ist die geschwisterliche Liebe, und natürlich auch die Gemeinschaft mit Gott. Das ist unsere Stärke als Christen. Auf diese Stärke sollen wir setzen, nicht auf Technik, Ausrüstung oder Methoden.

 

Er sandte sie zu zweit.

 

Es gibt immer noch Christen, die ziemlich allein auf dem Weg sind, ohne Gebets- oder Bibelkreis, ohne diese enge geistliche Gemeinschaft, die notwendig ist, damit wir unseren Glauben leben und verkünden können. Ein Leib besteht aus Zellen. Und genauso ist es mit dem Leib Christi. Jeder Christ müsste in einer Zelle, in einer kleinen Gruppe, mit anderen Christen Gemeinschaft erleben. Charakteristisch für diese Gemeinschaft muss sein, das gemeinsame Gebet (wobei das freie Gebet sehr wichtig ist), das gemeinsame Bibellesen, der Austausch, und die gegenseitige Hilfe. Früher mag das anders gewesen sein, da gab es die Volkskirche und die christliche Familie. Da sprach man nicht über kleine Zellen und Jüngergemeinschaft.  Ob das richtig, war, will ich nicht beurteilen. Aber heute brauchen wir diese Zellen. Wir müssen christliche Jüngergemeinschaft konkret erleben.

 

Er sandte sie zu zweit.

 

Darüber hinaus geht es heute um die Verkündigung des Evangeliums, um das Missionarische. In den kleinen Zellen lernen wir, uns mitzuteilen, über den Glauben zu sprechen. Wir lernen die Bibel kennen. All das sind Grundvoraussetzungen für das Missionarische. Wer in einer Bibelgruppe über den Glauben sprechen gelernt hat, der kann es auch in anderen Lebenssituationen. Am Arbeitsplatz, in der Schulklasse, an jedem Ort sollten wir nach einem Partner ausschauen, mit dem wir gemeinsam den Glauben leben und verkünden. Wenn z.B. in einer Schulklasse ein schlechtes Klima herrscht, und ich als Christ komme allein nicht dagegen an, dann müsste ich einen Partner suchen, mit dem ich regelmäßig für meine Klasse bete. So kann man dafür sorgen, dass der Geist Christi Einzug halten kann in die Klasse. Wie gesagt, unsere Stärke ist die Gemeinschaft. Wenn wir die nicht ausleben, dann dürfen wir uns nicht wundern, warum unser Christsein so wenig effektiv ist in der Welt.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du die Jünger zu zweit ausgesendet hast. Damit hast du ein deutliches Zeichen gesetzt. Wir sollen als Christen die kleinen Gemeinschaften suchen, damit wir in der feindlichen Welt nicht untergehen. Der Gemeinschaft hast du deinen Segen zugesagt. „Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen." Hilf uns, dass wir diese Chance nutzen, damit dein Geist ausstrahlen kann in unserer Welt.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org