Donnerstag, 24. August 2017

Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen. (Joh 1,48)

20 Woche im Jahreskreis – Donnerstag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Joh 1,45-51.

In jener Zeit traf Philippus Natanaël und sagte zu ihm: Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs.
Da sagte Natanaël zu ihm: Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen? Philippus antwortete: Komm und sieh!
Jesus sah Natanaël auf sich zukommen und sagte über ihn: Da kommt ein echter Israelit, ein Mann ohne Falschheit.
Natanaël fragte ihn: Woher kennst du mich? Jesus antwortete ihm: Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.
Natanaël antwortete ihm: Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König von Israel!
Jesus antwortete ihm: Du glaubst, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah? Du wirst noch Größeres sehen.
Und er sprach zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.

 

Tagesimpuls:

 

Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.  (Joh 1,48)

 

Gott sieht mich, er hat mich mein Leben lang gesehen. Ich erinnere mich an meine eigene Berufung. Was mich damals sehr tief bewegt hat, war die Erfahrung, dass Gott mich mein Leben lang schon gesehen hatte, auch in der Zeit, als ich ihn nicht kannte. Und nicht nur gesehen, er hat auch alles geführt. Er war da und hat meine Wege geleitet, so lange, bis sie an diesem Punkt auskamen, wo er mich berufen hat. Ich habe mir damals nicht die Frage gestellt, wie die Führung Gottes vereinbar ist mit meiner menschlichen Freiheit. Ich wusste einfach: Gott hat mich mein Leben lang geführt, bis zu diesem Punkt, und er hat alles gut gemacht.

 

Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.

 

Ich freue mich, heute zu hören, dass es auch für Bartolomäus (Natanael) wichtig war, dass Jesus ihn schon immer gesehen hatte, von seiner Kindheit an. Etwas Ähnliches gibt es auch im Alten Testament, wo Gott sagt, dass er das Elend seines Volkes gesehen hatte: „Der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid." (Ex 3,7) Gott war nicht abwesend in diesen Situationen, auch wenn es den Israeliten so vorgekommen sein mag. Gott ist bei uns, ob es uns bewusst ist oder nicht.

 

Schon bevor dich Philippus rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.

 

Möge dieses Evangelium uns Kraft und Trost schenken! Möge es vor allem aber unseren Glauben stärken, denn wenn wir glauben, dann geht es uns besser. Dann können wir besser mit den schweren Zeiten umgehen. Als ich Gott noch nicht kannte, habe ich mehr gelitten, weil ich mich in den leidvollen Situationen allein fühlte. Christen, die Gott kennen, leiden meines Erachtens nicht weniger, aber es gibt Kraft, wenn man weiß, da ist einer, der mich sieht und der mir hilft.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du mich immer gesehen hast, auch in den Zeiten, als ich kaum etwas von dir wusste, als meine Beziehung zu dir noch nicht lebendig war. Lass mich aus diesem Glauben leben, dass du alles siehst, dass du immer am Werk bist, dass du mir in allem helfen willst. Bitte hilf mir, dass ich nicht heute noch manchmal so lebe, als wenn du nicht dabei wärst, als wenn du nicht helfen würdest. Stärke meinen Glauben, dass du immer bei mir bist.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

 

 

 

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