Mittwoch, 14. Dezember 2022

Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt. (Lk 7,23)

03 Woche im Advent            Mittwoch

 

EVANGELIUM

Lk 7, 18b-23

In jener Zeit

18brief Johannes der Täufer zwei von seinen Jüngern zu sich,

19schickte sie zum Herrn und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?

20Als die beiden Männer zu Jesus kamen, sagten sie: Johannes der Täufer hat uns zu dir geschickt und lässt dich fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?

21Damals heilte Jesus viele Menschen von ihren Krankheiten und Leiden, befreite sie von bösen Geistern und schenkte vielen Blinden das Augenlicht.

22Er antwortete den beiden: Geht und berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen wieder, Lahme gehen, und Aussätzige werden rein; Taube hören, Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet.

23Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.

 

 

Tagesimpuls:

 

Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.  (Lk 7,23)

 

Es gibt die Möglichkeit, dass man an Jesus Anstoß nimmt. Bei Johannes dem Täufer war es das Problem, dass er damit gerechnet hatte, dass der Messias das Reich Gottes sofort auf die Welt bringen würde. Nun erlebt sich Johannes der Täufer in seinem Kerker als Leidender. Dabei sollte seiner Meinung nach der Messias doch alles Leid abschaffen und die Glückseligkeit des Himmels, das Reich Gottes bringen. So nimmt er Anstoß. Wenn das Leiden doch nicht abgeschafft wird, kann Jesus dann der echte Messias sein?

 

Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.

 

Heute nehmen auch viele Menschen Anstoß an Jesus, an Gott, an der Kirche. Man kann das alles auf dieses eine Problem zurückführen, auf die Frage nach dem Leid. Wie häufig erlebt man es, dass Christen im Leid fragen: „Womit habe ich das verdient?" Sie nehmen Anstoß an Gott, befürchten, dass Gott sie bestrafen würde, und das können sie nicht in Einklang bringen mit dem Gott, der Liebe ist. Menschen nehmen Anstoß an den Sünden der Kirche und fragen sich, wenn die Kirche doch von Jesus Christus ist, wie kann er das dann in seiner Kirche zulassen. Ich glaube, jeder von uns kennt zur Genüge die verschiedenen Weisen, wie Menschen an Gott, an Jesus und an seiner Kirche Anstoß nehmen.

 

Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.

 

Die Seligpreisung kann ich auf mich persönlich übertragen. Ich glaube, es ist eine sehr große Gnade, wenn man nicht Anstoß nimmt. Ich will mich damit nicht rühmen, aber wie oft erlebe ich, dass ich der einzige bin, der eine andere Sichtweise hat. Wie oft erlebe ich, dass alle in der Runde negativ über die Kirche sprechen, und sie fragen mich, ob ich nicht auch Anstoß nehmen würde. Natürlich sehe ich die Sünden der Kirche und ich leide auch darunter. Aber ich versuche immer, alles so gut wie möglich zu machen, soweit es an mir liegt. Ich will mich nicht von den Fehlern, die überall gemacht werden, und wenn es auch noch so schlimme Sünden sind, davon blockieren lassen, das Gute zu tun. Was nützt es denn, wenn wir alle schimpfen und keiner tut etwas Gutes? Vielleicht nehme ich unbewusst doch irgendwie Anstoß, was mir jetzt im Moment nicht klar ist. Aber soweit es mir bewusst ist, empfinde ich es als Große Gnade, dass ich keinen Anstoß nehme an den vielen Problemen, sondern einfach versuche, das Gute zu tun. Und ich sehe so viele Perspektiven, so viele Möglichkeiten, dass ich mich gar nicht mit den ganzen Problemen belasten kann. Das heißt aber nicht, dass ich das Leiden nicht ernst nehmen würde, und auch alle Christen, die sich in besonderer Weise mit diesen Problemen befassen müssen, wie zum Beispiel die Beauftragten und Ansprechpartner für den Missbrauch, nicht wertschätzen würde.

 

Gebet: 

Jesus, ich bin dankbar, dass du mir die Gnade schenkst, keinen Anstoß zu nehmen an den negativen Dingen in der Welt und in der Kirche. Ich glaube an dich, ich liebe dich, ich hoffe auf dich. Ich will das Gute tun und mich nicht daran hindern lassen von den vielen Problemen, die in der Welt und in der Kirche sind. Bitte verzeih mir meine Sünden, denn wir alle machen viele Fehler und sind noch auf dem Weg und noch lange nicht dort angekommen, wo wir sein sollten.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org 

 

1 Kommentar:

  1. Von Reinhard Dismas:

    Jesus meint das ganz persönlich, also wer an ihn, seiner Lehre und seinem Leben Anstoß nimmt. Er ist vor 2000 Jahren von den Amtsträgern seiner jüdischen "Kirche'', weil sie Anstoß an ihm nahmen, grausam ermordet worden.
    Daher bleibt uns nur seine Frohe Botschaft in den vier Evangelien. Nur sie erzählt sein Leben und seine Lehre, an der man auch heute noch Anstoß nehmen kann.
    Kein Paulusbrief, nicht die Apostelgeschichte oder auch keine Geheime Offenbarung haben für uns Christen auch nur annähernd eine solche Bedeutung. Vor allem aber nicht ein Jeremia oder sonst eine Schrift des Alten Testaments.
    Wenn wir also heute Anstoß an Jesus nehmen, können damit nur die Evangelien gemeint sein.
    Dazu kommt noch, daß die vom Heiligen Geist geführte Gemeinschaft der Heiligen nicht 1:1 identisch ist mit der existierenden Organisation, die sich römisch katholische Kirche nennt. Mit hunderten selbstgemachten Regeln und Gesetzen hat unsere Kirche mindestens 1000 Jahre als Mordbrenner in den vergangenen 2022 Jahren nach Christus gewütet. Dagegen verblassen die heutigen Grausamkeiten eines Putins zu Streichen eines unschuldigen Chorknabens.
    Lasst uns daher selig werden indem wir keinen Anstoß nehmen an den Evangelien. Wenn wir die aber ernst nehmen, ist es als Christ sogar unsere Pflicht und Schuldigkeit Anstoß zu nehmen, nicht an der Gemeinschaft der Heiligen, aber an unserer ''Kirche''.

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