Samstag, 26. Mai 2018

Macht alle Menschen zu meinen Jüngern! (Mt 28,19)

DREIFALTIGKEITSSONNTAG

 

EVANGELIUM 

Mt 28, 16-20

 

In jener Zeit

16gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.

17Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel.

18Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.

19Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,

20und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

 

 

Tagesimpuls:

 

Macht alle Menschen zu meinen Jüngern! (Mt 28,19)

 

In den Erneuerungsbewegungen wird viel über Jüngerschaft gesprochen, in der traditionellen katholischen Kirche so gut wie gar nicht. Jüngerschaft ist ein Thema, das in der Tradition nicht wirklich vorkommt. Die Volkskirche brauchte dieses Thema nicht. Da hat die ganze Gesellschaft darauf geachtet, dass alle Menschen den Geboten Gottes konform gelebt haben. Wer sich in grober Weise nicht an die Gebote gehalten hat, wurde ausgegrenzt. Der Normalfall war, dass man in der christentümlichen Gesellschaft aufwuchs und quasi gezwungen war, so zu leben, wie alle lebten. Von Jüngerschaft war da nicht die Rede.

 

Macht alle Menschen zu meinen Jüngern!

 

Diese Zeiten sind lange vorbei. Heute schwimmen die Christen gegen den Strom der Gesellschaft. Sogar in so grundlegenden Themen wie dem Lebensschutz oder beim Thema Ehe und Familie sind die Christen mit ihrem Standpunkt nur noch die Minderheit der Gesellschaft. Nur noch wenige feiern am Sonntag die Messe mit. Christliches Leben ist nicht mehr die Norm in der Gesellschaft. In dieser Zeit kommt das Thema Jüngerschaft wieder auf. Jünger Jesu sein, das heißt, nicht nur an Jesus glauben – das tun viele – sondern sein Leben nach ihm ausrichten – das tun nur wenige. Man kann es auch so sagen: Getauft werden (noch) viele, aber alles befolgen, was Jesus geboten hat, das tun nur noch sehr wenige. Wir haben also viele getaufte Christen, aber nur wenige Jünger, denen beigebracht worden ist, was Jesus geboten hat, und die sich daran halten.

 

Macht alle Menschen zu meinen Jüngern!

 

Die große Frage, die sich unserer ehemaligen Volkskirche nun stellt, ist: Wie kann man Menschen nicht nur zu getauften Christen machen, sondern auch zu Jüngern? Früher hätte man gesagt: Der Pastor geht in die Schulen, die Eltern erziehen die Kinder christlich, es gibt Vorbereitungen auf Beichte, Erstkommunion und Firmung. Und wenn man das alles gut macht, dann werden die Menschen später zu guten Christen. Nun machen wir vieles noch immer so wie früher, aber die meisten Menschen werden keine Jünger. Was müssen wir also tun. Manche sagen, wir müssten das altgewohnte nur intensiver machen, also die Priester müssten wieder öfter in die Schulen gehen, es müssten wieder wöchentliche Schulgottesdienste gefeiert werden. Aber abgesehen von der Frage, ob das realistisch ist, frage ich mich auch, ob das wirklich der Weg ist. Ich glaube, wir müssen lernen, neu auf den Heiligen Geist zu hören, dass er uns zeigt, welche Schritte wir gehen müssen, um Menschen heute zu Jüngern zu machen. Und ich glaube, dass wir da auf die Erfahrungen der neuen Bewegungen achten müssen. Ein wichtiger erster Schritt ist aber schon, das Problem zu erkennen und zu beginnen, den Heiligen Geist zu fragen nach Lösungen.

 

Gebet:

Heiliger Geist, du zeigst uns, dass es nötig ist, dass wir Christen zu echten Jüngern Jesu werden. Davon sind wir noch weit entfernt. Bitte zeige uns, was wir tun können. Ich glaube, dass es viel mit kleinen Gruppen zu tun hat, in denen wir uns austauschen übern unseren Weg mit Jesus und mit dir. In solchen Gruppen können wir voneinander lernen und uns gegenseitig ermutigen. Und dort können wir einander Rechenschaft geben, wie wir als Christ gelebt haben. Sicher muss es auch mehr Lehre geben, denn viele kennen gar nicht mehr deine Gebote. Aber ich danke dir, dass wir auf dem Weg sind, dass wir den Weg in die Erneuerung schon begonnen haben. Lass jeden von uns erkennen, was er tun kann und soll, denn wir alle können beitragen zur Erneuerung der Kirche.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 







Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel 
Telefon 02456 - 3627    
Fax 02456 - 3019


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