Freitag, 11. Mai 2018

Ihr werdet bekümmert sein, aber euer Kummer wird sich in Freude verwandeln. (Joh 16,20)

06 Woche der Osterzeit       Freitag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Joh 16,20-23a.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet bekümmert sein, aber euer Kummer wird sich in Freude verwandeln.
Wenn die Frau gebären soll, ist sie bekümmert, weil ihre Stunde da ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.
So seid auch ihr jetzt bekümmert, aber ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen, und niemand nimmt euch eure Freude.
An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen.

 

Tagesimpuls:

 

Ihr werdet bekümmert sein, aber euer Kummer wird sich in Freude verwandeln.  (Joh 16,20)

 

Diese Wandlung vollzieht sich immer wieder in unserem Leben. Wir haben Anteil an Christi Leiden und Kreuz, und wir haben Anteil an seiner Auferstehung. So verwandelt sich immer wieder unser Kummer in Freude. Ursprünglich geht es bei diesem Zitat um Jesu Kreuzesleiden, sein Weggehen von den Jüngern. Im übertragenen Sinn können wir es auf die Himmelfahrt beziehen, denn Jesus geht wiederum weg von den Jüngern. Im noch weiter übertragenen Sinn können wir es auf alle Situationen übertragen, wo wir eine Abwesenheit Jesu spüren, wo wir uns nach mehr Gegenwart Gottes in unserem Leben sehnen.

 

Ihr werdet bekümmert sein, aber euer Kummer wird sich in Freude verwandeln.

 

Immer wieder sind wir bekümmert, weil wir das Wirken Gottes nicht stärker erfahren. Wobei wir zugeben müssen, dass es vielen von uns sehr gut geht. Ich denke oft an die Menschen, die während des zweiten Weltkriegs gebetet haben. Was hat es sie gekostet, nicht zu verzweifeln und weiter auf den Frieden zu hoffen. Sie müssen doch nahe an der Verzweiflung gewesen sein über das Nicht-Wirken Gottes. Oder denken wir an die Christen, die jetzt in Ländern leben, wo Krieg herrscht, und die für den Frieden beten! Das sind Dunkelheiten, gegenüber denen wir es doch relativ gut haben. Wir leben in Frieden, auch wenn dieser Frieden im Moment wieder sehr gefährdet ist. Wir dürfen dankbar sein für eine Vielzahl von Gebetserhörungen. Zugleich leben wir aber auch in mancherlei Hinsicht im Kummer darüber, dass Gott zu sehr abwesend zu sein scheint. In unserer Gesellschaft ist es vor allem die Glaubensdunkelheit, die einher geht mit einer moralischen Verblendung (denken wir z.B. an Abtreibung). Das ist ein Bereich, wo wir sehr bekümmert sind, und wo wir uns diese Wandlung sehr wünschen würden.

 

Ihr werdet bekümmert sein, aber euer Kummer wird sich in Freude verwandeln.

 

Jesus sagt nicht, dass wir etwas Bestimmtes machen sollen, damit sich unser Kummer in Freude verwandelt. Unter dem Kreuz kann man nicht viel machen. Der heilige Paul vom Kreuz vergleicht es mit einem Gewitter. Was kann man da machen? Man kann sich nur unterstellen und warten, bis es vorbeigeht. Was wir meiner Meinung nach trotzdem immer tun können, das ist, dass wir unseren Kummer zu Jesus bringen, an sein Kreuz. Wir können uns immer wieder bewusst unter sein Kreuz stellen. Dort, unter seinem Kreuz, werden wir bewahrt vor der Verzweiflung, vor den Zweifeln. Und dort vergewissern wir uns: Wir müssen warten, ja, aber es wird die Auferstehung kommen. Und dann gehen wir mutig weiter, und auf diese Weise kommt wieder mehr von der Gegenwart Gottes in die Welt, wenn auch noch nicht in vollkommener Weise, und auch nicht überall dort, wo wir noch bekümmert sind. Aber die Gegenwart Gottes wird mächtiger, und wir dürfen beobachten und mitwirken, wie Gott immer stärker wird in unserem Land.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du unseren Kummer in Freude verwandeln wirst. Ich glaube es dir. Ja, wirklich, ich glaube es dir. Ich danke dir für die vielen Zeichen deiner Gegenwart in unserer Welt, vor allem für den Frieden in unserem Land und in Europa, auch dafür, dass wir ein Rechtsstaat sind, in dem wir gut leben dürfen. Ich bringe aber auch die große Dunkelheit an dein Kreuz, die Glaubenslosigkeit, die moralische Verwirrung. Ich danke dir aber auch, dass wir in vielem schon dein Wirken beobachten können. Du lässt uns nicht im Stich. Du führst uns zurück in das Vaterhaus Gottes.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 







Roland Bohnen
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52538 Selfkant Süsterseel 
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