Donnerstag, 19. September 2019

Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. (Lk 7,47)

27 Woche im Jahreskreis      Donnerstag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 7,36-50

In jener Zeit ging Jesus in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. 

Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl 

und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie, und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl. 

Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist. 

Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! 

Jesus sagte: Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. 

Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? 

Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast recht. 

Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. 

Du hast mir zur Begrüßung keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst. 

Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt. 

Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. 

Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben. 

Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? 

Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!

 

 

Tagesimpuls:

 

Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe.  (Lk 7,47)

 

Die Heilige Therese von Lisieux hatte Schwierigkeiten mit diesem Evangelium. Sie war sehr behütet aufgewachsen und hatte wirklich nicht viel gesündigt in ihrem Leben. Aber sie hatte eine echt große Liebe zu Jesus. Und sie dachte darüber nach, wieso sie denn so eine große Liebe zu Jesus haben könnte, obwohl sie nicht so eine große Sünderin gewesen war, der so viel vergeben wurde. Sie fand die Lösung darin, dass sie sich klarmachte, dass Jesus sie vor vielen schlimmen Sünden bewahrt hat. Wenn Jesus nicht seine schützende Hand über sie gehalten hätte, dann wäre sie auch eine große Sünderin geworden, der Jesus viel vergeben hätte vergeben müssen. Ihr wurde klar, dass sie nur und allein von der Barmherzigkeit Gottes lebte, und dadurch war sie der Sünderin aus dem Evangelium doch ähnlich.

 

Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe.

 

Wenn wir selber viel gesündigt haben in unserem Leben, dann sind wir der Sünderin im Evangelium ähnlich, und dann können wir sehr viel Liebe empfangen durch die Barmherzigkeit und Vergebung. Wenn wir scheinbar weniger gesündigt haben, dann können wir uns klarmachen, dass es uns so geht wie Therese. Wir sind nicht besser als die großen Sünder, nur weil Gott uns einen anderen Schutz geschenkt hat. Es ist nicht unser Verdienst, sondern seine Gnade. Aber es gibt noch eine dritte Alternative, die wir nicht unterschätzen dürfen: Menschen meinen, dass sie nicht so viel gesündigt hätten, weil ihnen die Sündenerkenntnis fehlt. Das ist das Schlimmste, das sind die Pharisäer, und ich glaube, dass in uns auch noch viel davon drinsteckt. Wenn wir wenig Sünden zugeben, wenig Sünden bekennen, dann wird uns nur wenig vergeben, und dann empfangen wir auch nur wenig Liebe. Man kann also besser einmal zu viel beichten gehen als zu wenig. Es ist besser, sich zu demütigen und als Sünder zu bekennen, als in dem trügerischen Gefühl herumzulaufen, man hätte wenig gesündigt. Machen wir es wie Therese, die versucht hat, sich mit der großen Sünderin zu identifizieren, weil sie zu denen gehören wollte, die viel Liebe empfangen!

 

Gebet:

Jesus, ich neige auch dazu, meine Sünden zu bagatellisieren. Ich will bekennen, dass ich ein Sünder bin. In der heutigen Gesellschaft ist das absolut nicht populär. Mir wird immer wieder vorgeworfen, dass ich zu negativ predigen würde, zu viel über die Sünde. Jesus, ich will aber zu denen gehören, denen viel vergeben wird, die viel Liebe empfangen. Und ich danke dir, dass du mich vor vielem bewahrt hast. Danke, dass ich auch darin deine große Liebe und Barmherzigkeit erfahren darf.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 







Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel 
Telefon 02456 - 3627    
Fax 02456 - 3019


1 Kommentar:

  1. Auf die Fürsprache meines Schutzengel, der nicht nur mit mir ist, sondern für mich ist; bitte ich:
    HERR, lass mich im Herzen erkennen
    ( so wie die Sünderin ) wie ich den Weg der UMKEHR gehen kann, und was ich "tun" kann, damit DU mir einst meine Sünden vergisst.

    Heiliger Schutzengel hilf

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