Freitag, 11. September 2020

Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? (Lk 6,42)

23 Woche im Jahreskreis     Freitag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 6,39-42

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Kann ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen? 

Der Jünger steht nicht über seinem Meister; jeder aber, der alles gelernt hat, wird wie sein Meister sein. 

Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? 

Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen!, während du den Balken in deinem eigenen Auge nicht siehst? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.

 

 

Tagesimpuls:

 

Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? (Lk 6,42)

 

Wie oft bemerke ich den Splitter im Auge meiner Mitmenschen, besonders derer, mit denen ich am engsten zusammenlebe? Wie oft möchte ich am liebsten versuchen, sie zu ändern, damit sie sich so verhalten, wie ich es für richtig finde? Und wann sehe ich mal den Balken in meinem eigenen Auge? Ist es nicht – gefühlt – so, dass ich vielleicht einmal in der Woche oder noch seltener einen Fehler mache, während meine Mitmenschen täglich etwas falsch machen, vielleicht sogar mehrmals täglich?

 

Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? 

 

Aber entspricht das der Realität? Kann es wirklich sein, dass ich so viel besser bin als die anderen? Muss mein Gefühl, meine Wahrnehmung, mich da nicht täuschen? Und genau das will Jesus uns zeigen. Er will uns helfen zu einer realistischen Wahrnehmung. Es kann nicht sein, dass nur die anderen etwas falsch machen, und ich fast nie. Ich mache genauso viele Fehler wie sie.

 

Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? 

 

Jesus sagt nicht: „Kümmere dich nicht um deinen Bruder!" Im Gegenteil, ich soll sogar versuchen, bei meinem Bruder den Splitter zu entfernen, ich soll ihm helfen. Aber ich kann und darf das erst dann tun, wenn ich auch meinen eigenen Balken sehe. Wir sollen uns gegenseitig helfen, uns gegenseitig korrigieren, aber das setzt voraus, dass jeder auch bereit ist, sich selbstkritisch mit seinen eigenen Fehlern auseinanderzusetzen.

 

Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? 

 

Jemand hat mir mal nach einer Predigt gesagt: „Wenn Sie predigen, machen Sie mir immer das Gefühl, dass ich ein schlechter Christ sei." Seitdem frage ich mich: Ist das zu negativ, wenn ich die Menschen dazu aufrufe, selbstkritisch zu sein? Aber Jesus hat uns zu beten gelehrt: „Vergib uns unsere Schuld!" Müssen wir uns als Christen nicht auch mit unserer Schuld auseinandersetzen? Natürlich, wenn wir immer nur negativ sind, das ist gewiss nicht richtig. Jeder von uns hat unendlich viele gute Seiten, und wir alle verdienen auch Lob für so viel Gutes, was wir tun. Aber wir haben auch Schattenseiten, und die darf man nicht übersehen. Ich vermute, es kommt auf das ausgewogene Maß an, auf den goldenen Mittelweg: Wir sollen nicht zu negativ sein, aber auch nicht zu oberflächlich.

 

Gebet:

Jesus, ich bin bereit, mich mit meinen Fehlern auseinanderzusetzen. Ich empfinde das nicht als übertriebene Negativität, im Gegenteil, es tut mir gut, weil es eine Reinigung ist. Bitte hilf mir, mit anderen Menschen nicht zu kritisch zu sein. Lass mich glaubwürdig sein, dass ich, wenn ich etwas verbessern will, immer erst bei mir selber anfange, bevor ich anderen dabei helfe.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 







Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel 
Telefon 02456 - 3627    
Fax 02456 - 3019


Kommentare:

  1. Jesus;  Gestern sprachst Du,  "Euch, die ihr mir zuhört"  und  heute sprichst Du zu deinen Jüngern.   Für mich ein Zeichen, dass DU  auch immer zu allen Menschen sprichst, wenn Du das Gleichnis vom "Splitter und Balken" erzählst. ( ...oder andere Gleichnisse ). 
    Doch wer bin ich für Dich, wenn Du mich ansiehst?

    Heiliger Schutzengel, und all ihr Heiligen Engel, bittet für mich, dass ich durch die Fürsprache meiner Gottesmutter Maria und der Gnade Gottes und der Kraft des Hl.Geistes , zukünftig ( ab jetzt..) nicht mehr  zuerst den Splitter meines Mitmenschen sehe, sondern bevor ich mich zu irgendetwas- irgendjemand mich äußere, den "BALKEN in meinem Auge" sehe.
    O Maria immer hilf.   Amen

    AntwortenLöschen
  2. Jesus, ich habe mein Leben von dir, und es ist meine Würde und mein Auftrag es in Liebe zu betragten. Du willst mir sagen, öffne die Augen, öffne das Herz und begreife, was ich dir sagen will, mach dich nicht besser, als du wirklich bist. Ein Quäntchen “Demut“ hat noch niemanden geschadet. So lautet ein Sprichwort. Je tiefer ich mit dir o Jesus, verbunden bin, desto mehr wird mir bewusst, dass ich Sünder bin, und das der Andere genau so von dir geliebt ist.
    Heiliger Geist, du schenkst mir die Kraft, diesen Weg konsequent bis zum Ende zu gehen. AMEN.

    AntwortenLöschen