Montag, 30. März 2020

Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie. (Joh 8,7)

05 Woche der Fastenzeit    Montag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Joh 8,1-11

In jener Zeit ging Jesus zum Ölberg. 

Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es. 

Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte 

und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt. 

Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du? 

Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. 

Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie. 

Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. 

Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand. 

Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? 

Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!

 

 

Tagesimpuls:

 

Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.  (Joh 8,7)

 

Wir Christen sind schon lange kritisch gegenüber dem Lebensstil unserer heutigen Gesellschaft. Und jetzt, wo diese große Krise über uns gekommen ist, wird es uns noch bewusster: wir müssen umkehren. Und es ist richtig, dass sich unsere Gesellschaft mehrheitlich vom Weg Gottes deutlich weiter entfernt hat als vielleicht wir persönlich. Nehmen wir als Beispiel das Problem der Abtreibung. Da haben viele eine Meinung und auch ein Verhalten, dass deutlich weiter entfernt ist von den Geboten Gottes als unser eigenes Verhalten. Und das bringt uns nun in die Versuchung, wie die Pharisäer mit Steinen auf die anderen zu werfen. Wir könnten denken: „Weil die anderen sich so weit von Gott entfernt haben, kommen jetzt diese Prüfungen über uns. Wenn alle so wären wie ich, wenn sie alle auf meine Worte gehört hätten, dann wären wir jetzt nicht in dieser Situation." Ich finde – ehrlich gesagt – dieses Denken für uns Christen naheliegend, aber genau darin liegt die Versuchung. Hier müssen wir uns von Jesus sagen lassen:

 

Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.

 

Wie oft habe ich nach Predigten gehört: „Herr Pastor, das müssen Sie mal den anderen sagen, die nicht zur Kirche kommen, aber nicht uns!" Das ist wieder ein typischer Pharisäerspruch. Es stimmt zwar, dass wir viel Gutes tun. Aber jetzt ist Solidarität angesagt. Wenn wir Buße tun, dann erheben wir uns nicht über die anderen. Wir sitzen alle im selben Boot. Wir machen uns klein vor Gott. Wir verdemütigen uns, nicht nur zum Schein, sondern wirklich. Jesus hat sich am Jordan taufen lassen. Er hatte echt keine Sünde, aber er hat es dennoch getan, weil er sich mit uns gemeinsam vor Gott verdemütigen wollte. Das ist unsere Haltung als Christen. Und abgesehen davon, dass es Menschen geben mag, die größere Sünden haben als ich (nur Gott kann das beurteilen), es gibt auch viele, die noch viel heiliger sind als ich. An denen will ich mich orientieren. Und bis heute muss ich mich noch reichlich meiner Sünden anklagen. Ich kann nicht von mir behaupten, dass ich keine Sünde hätte.

 

Gebet:

Jesus, es stimmt, dass ich in mir viele Sünden feststelle. Ich sehe auch viel Gutes, aber ich könnte absolut nicht von mir behaupten, dass ich keine Sünde hätte. Jesus, ich vertraue aber auf deine Barmherzigkeit. Und eins ist ganz sicher, dass du mich unendlich liebst. Hilf uns Christen, in dieser besonderen Zeit auf die richtige Weise Buße zu tun. Wir dürfen und sollen stellvertretend für unsere Gesellschaft Buße tun, aber immer auch in dem ehrlichen Bekennen, dass wir selber genauso Sünder sind wie die anderen.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 







Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel 
Telefon 02456 - 3627    
Fax 02456 - 3019


1 Kommentar:

  1. Jesus, in der Lesung und im Evangelium geht's jeweils um einen "gesetzlichen Verstoß". Dieser Verstoß wird in beiden Fällen "öffentlich" ausgetragen.
    Für mich erkenne ich, dass es nicht gut ist, Streitigkeiten "öffentlich" auszutragen.
    Somit knie ich mich nun hier vor DIR nieder, und entschuldige mich und bitte um Verzeihung wo ich in meinem bisherigen Leben, einer meiner Mitmenschen "öffentlich - und überhaupt angegriffen, beschimpft, angeklagt oder sogar verleumdet...habe". Habe Erbarmen mit mir, habe Erbarmen, denn ich habe gesündigt vor DIR.

    Denn ich erkenne, dass DU es bist, der mir selbst den Spiegel der "Selbstbetrachtung" vorhälst. Und da ich nicht "schuldlos" bin, habe ich nicht das Recht, einen anderen Menschen in jeglicher Form anzuklagen.

    Denn auch DU veruteilst mich nicht öffentlich, sondern ich darf DIR meine Schuld persönlich vortragen, DIR alles beichten, mir Deinen liebenden Ratschlag zu eigen machen, um dann auf Deinen sicheren zukünftigen Weg zu bleiben.
    Hl.Schutzengel, erbitte mir die Gnade der Umkehr. Amen

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