Donnerstag, 2. November 2017

Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. (Joh 11,25)

Allerseelen

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Joh 11,17-27.

In jener Zeit, als Jesus in Betanien ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen.
Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt.
Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten.
Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus.
Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.
Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.
Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.
Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag.
Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?
Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

 

Tagesimpuls:

 

 Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. (Joh 11,25)

 

Was Jesus verkündet, geht über den Glauben der Martha hinaus. Martha glaubt an eine Auferstehung am letzten Tag. Aus ihrer Sicht werden die Toten eine Art Schattendasein in der „Scheol" verbringen, aber dann am jüngsten Tag werden alle auferweckt. Das kommt der christlichen Sicht nahe, ist aber noch nicht vollkommen das, was Jesus lehrt. Jesus lehrt, dass man schon sofort nach dem Tod mit ihm und in ihm das Leben hat. Daraus lehrt die Kirche, dass wir Menschen eine unsterbliche Seele haben, und diese Seele wird nach dem Tod mit Christus leben, wenn wir an ihn glauben. Natürlich kommt dann am jüngsten Tag trotzdem das, was Martha glaubt, die Auferstehung der Toten und die neue Schöpfung, wie Jesus es in der Offenbarung (Kap 21) verspricht.

 

 Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.

 

Heute ist das Allerseelenfest. Warum lehrt die Kirche denn, dass man für die armen Seelen beten soll, leben sie doch mit Christus, wie wir gerade von ihm selber gelernt haben? Das liegt daran, dass wir Menschen Entwicklungs- und Reifungsprozesse durchlaufen. Wir tragen Lasten mit uns in diesem Leben, und ideal wäre, wenn wir bis zu unserem leiblichen Tod mit allem ins Reine kommen würden, mit Gott, mit unseren Mitmenschen und mit uns selbst. Aber es gibt Menschen, die plötzlich sterben. Es gibt Menschen, die sind noch nicht mit sich und mit Gott im Reinen, wenn sie sterben. Wenn z.B. jemand einen Hass hat auf einen Menschen, der ihn sehr verletzt hatte im Leben, oder der ihn über Jahre hinweg immer geärgert hat. Und diesem Menschen kann er nicht verzeihen. Dann würde er ja im Himmel diesen Menschen immer noch hassen. Unser ehemaliger Bischof Klaus Hemmerle drückte es einmal so aus: „Wenn dann das himmlische Hochzeitsmahl gefeiert wird, sitzt dein ärgster Feind dir vielleicht direkt gegenüber am Tisch. Wenn du dann mit ihm nicht zusammen sitzen willst, dann kannst du noch nicht in den Himmel. Du musst erst bereit sein, dich mit allen zu versöhnen." Wenn es keine Reinigung gäbe, keine Läuterung, keine Versöhnung, dann ginge der menschliche Streit im Himmel unendlich weiter. Es muss dieses „Abwischen der Tränen" (Offb. 21,4) vorher geben, dieses reinigende Feuer (1 Kor 3,15), durch das hindurch wir dann gerettet werden können.

 

 Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.

 

Die Bibel betont auch die Einheit des Leibes Christi. Wir sind alle miteinander in diesem einen Leib verbunden. Christus ist das Haupt. Die Heiligen, die mit Gott leben, beten für uns. Wir können und sollen für die armen Seelen beten, damit es ihnen leichter wird, von ihren Lasten befreit zu werden, damit sie hineinfinden in die vollkommene Liebe, die Voraussetzung für den Eintritt in den Himmel ist. Viele christliche Mystiker haben Himmel, Hölle und Fegefeuer schauen dürfen und lehren uns, wie wichtig das Gebet für die armen Seelen ist. Auch in protestantischen Kirchen wird mehr und mehr erkannt, wie Familienschuld aus vergangenen Generationen gesühnt und vergeben werden kann durch unsere Gebete. Da öffnen sich Türen, die in Zukunft, wenn der Heilige Geist uns weiterhin leitet, zu einem neuen Einverständnis der Konfessionen führen können bezüglich des Gebets für Verstorbene. Kein Katholik will heute mehr Geld verdienen mit dem Verkaufen von Ablässen. Von daher wurde der katholische Missbrauch mehr als gesühnt und geläutert durch die Kritik der Reformation. Jetzt bleibt es, den richtigen Kern der Katholischen Tradition neu zu entdecken, der für unser aller Leben so wichtig ist. Das Kind mit dem Bade auszuschütten und das Gebet für Verstorbene gänzlich abzulehnen, führt nicht weiter. Es geht darum, auf die Inspiration des Heiligen Geistes zu hören, wie Gott die Kirche in ihren Konfessionen heute lehrt.

 

Gebet:

Jesus, danke, dass du uns das Leben in dir versprichst, wenn wir leiblich sterben. Danke auch für alles, was du die Kirche lehrst über das Leben nach dem Tod. Paulus schreibt: „Die Liebe hört niemals auf" (1 Kor 13,8). So will ich die Liebe schenken an alle Menschen, auch über die Grenze des Todes hinaus. Ich will heute besonders beten für die armen Seelen im Fegefeuer, dass sie meine Liebe spüren, und dass es ihnen gut tun möge auf ihrem Weg in die himmlische Heimat.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

 

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