Samstag, 4. November 2017

Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. (Mt 23,12)

31 Sonntag im Jahreskreis

 

EVANGELIUM

Mt 23, 1-12

 

1In jener Zeit wandte sich Jesus an das Volk und an seine Jünger

2und sprach: Die Schriftgelehrten und die Pharisäer haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt.

3Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen.

4Sie schnüren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, wollen selber aber keinen Finger rühren, um die Lasten zu tragen.

5Alles, was sie tun, tun sie nur, damit die Menschen es sehen: Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Gewändern lang,

6bei jedem Festmahl möchten sie den Ehrenplatz und in der Synagoge die vordersten Sitze haben,

7und auf den Straßen und Plätzen lassen sie sich grüßen und von den Leuten Rabbi - Meister - nennen.

8Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder.

9Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel.

10Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus.

11Der Größte von euch soll euer Diener sein.

12Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

 

 

Tagesimpuls:

 

Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.  (Mt 23,12)

 

Wir alle hören gerne Komplimente. Jeder will gerne gelobt werden. Wir sind enttäuscht und gekränkt, wenn wir nicht beachtet werden. Aber dennoch sollen wir nicht nach Lob und Anerkennung streben. Wir sollen nicht darauf bedacht sein, von anderen geehrt zu werden. Letztlich füttern wir dadurch unseren Stolz und Egoismus. Und, was noch problematischer ist, wir machen uns dadurch unglücklich, weil wir  immer wieder Enttäuschungen vorprogrammieren. Das Leben ist nämlich nicht so, dass jeder immer genug Liebe von seinen Mitmenschen bekommt. Unsere Mitmenschen werden uns immer wieder enttäuschen. Und solange wir darauf bestehen, dass uns die Ehre und Anerkennung erteilt wird, die uns zusteht, solange sind wir sehr verwundbar und können sehr leicht enttäuscht werden.

 

Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

 

Ich will nicht sagen, dass wir einander nicht loben sollten. „Die Liebe schuldet ihr einander immer", schreibt Paulus (Röm 13,8). Wir sollen für die anderen darauf achten, dass sie entsprechend gelobt werden, so gut das möglich ist. Nur für uns selbst sollen wir nichts erwarten. Wir haben den, der uns lobt und anerkennt, das ist Gott. Wenn wir mit ihm in Kontakt sind, wenn wir innerlich seine Wahrheit hören, dann wird uns tief in unsere Seele eingeprägt, wie sehr er uns mag, wie sehr er stolz auf uns ist. Manchmal neigen wir dazu, ein schlechtes Gewissen gegenüber Gott zu haben, so als ob Gott meistens negativ über uns denken würde, weil wir dies und jenes nicht geschafft haben. Aber das ist eine innere Stimme, die nicht von Gott kommt. In Wirklichkeit ist Gott stolz auf uns. Er mag uns, er sieht nicht so sehr unser Versagen, aber er sieht unsere Fortschritte, auch wenn wir noch nicht am Ziel sind. Wenn wir innerlich das Lob von Gott hören, seine Wahrheit tief in unserem Gewissen verwurzelt ist, dann brauchen wir nicht so sehr das Lob der Mitmenschen. Dann sind wir mehr auf Geben als auf Empfangen ausgerichtet.

 

Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

 

Lassen wir uns also von Gott persönlich erhöhen! Fordern wir nichts von den Menschen! Schauen wir stattdessen darauf, wie wir unsere Mitmenschen mehr loben können! Sprechen wir ihnen die Wahrheit Gottes zu, dass er sie gut findet und stolz auf sie ist!

 

Gebet:

Jesus, ich will in meinem Herzen deine Wahrheit hören. Meine eigene innere Stimme, oder vielleicht sogar die des Teufels, sagen mir ständig, wie schlecht ich wäre, wie unvollkommen. Diese Stimmen streuen immer so viel Unzufriedenheit in meine Seele. Daher will ich auf deine Stimme hören! Wenn ich mir vorstelle, dass du zu mir sprichst, dann weiß ich: Du würdest mich sehr viel loben, meine kleinen Fortschritte anerkennen, auch wenn der Weg noch sehr lang ist. Du würdest mir nur Mut machen, du würdest niemals diese Unzufriedenheit in mein Herz säen. Danke, Jesus, dass du mich erhöhst und niemals erniedrigst.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

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