Montag, 6. November 2017

Wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. (Lk 14,13)

31 Woche im Jahreskreis – Montag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 14,12-14.

In jener Zeit sprach Jesus zu einem der führenden Pharisäer, der ihn zum Essen eingeladen hatte: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten.
Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein.
Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

 

Tagesimpuls:

 

Wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein.  (Lk 14,13)

 

Ich verstehe es so: Wir sollen nicht nur den Menschen Liebe und Aufmerksamkeit schenken, die uns etwas geben können. Wir sollen auch denen unsere Liebe schenken, die nichts zurückgeben können. Ich persönlich fühle mich dadurch herausgefordert. Ich erlebe es bei mir so, dass ich doch Unterschiede mache. Menschen, die nett sind, schenke ich automatisch mehr Aufmerksamkeit. Menschen, die ich aus irgendwelchen Gründen schwierig finde, schenke ich nur die Aufmerksamkeit, die nötig ist. Ich gehe sehr nach der Sympathie. Das ist manchmal eine Hilfe, aber oft ist es vielleicht ungerecht, denn vielleicht bräuchte jemand, mit dem ich Schwierigkeiten habe, mehr Liebe, und ein anderer, wo es mir leicht fällt, bräuchte weniger.

 

Wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein.

 

Ich müsste also unabhängiger werden von dem, was Menschen mir geben. Das kann nur gelingen, wenn ich mehr von Gott abhängig bin, wenn ich mehr in Gott ruhe. Je mehr ich in Gott ruhe, umso mehr kann ich auf Menschen zugehen, ohne etwas für mich zu erwarten. Meine Begegnung mit den Menschen kann dann geschehen in der Haltung des Dienens. Ich kann loslassen. Die Menschen sind für mich dann so wie sie sind, gleich ob sympathisch oder schwierig. Durch meine tiefere Verbundenheit mit Gott erkenne ich dann besser, was ich für den einzelnen tun soll und kann. Ich erkenne, wo ich Zeit schenken und wo ich Nein sagen soll, unabhängig von Sympathie oder anderen Faktoren.

 

Wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein.

 

Es gibt Menschen, die suchen nach Nähe. Sie sehnen sich nach Nähe. Ich persönlich kann nicht die Erfüllung dieser Sehnsucht für alle Menschen sein, die dies suchen. Ich muss in Gott verwurzelt sein, um das richtige Maß für jeden Menschen zu erkennen. Wenn Jesus dazu einlädt, Arme, Krüppel, Lahme und Blinde einzuladen, dann kann nicht gemeint sein, dass man zu jedem eine intensive persönliche Freundschaft aufbaut. Man kann nur mit wenigen Menschen intensiv befreundet sein. Wir sollen einem großen Kreis von Menschen unsere selbstlose Liebe schenken, aber das kann nicht heißen, dass wir uns von ihnen völlig vereinnahmen lassen. Es muss gesunde Grenzen geben. Wenn wir diese Grenzen nicht einhalten, können wir für keinen mehr da sein. Nur weil wir gesunde Grenzen einhalten, können wir anderen Menschen helfen. Und wenn wir selber darin authentisch und konsequent sind, dann helfen wir auch den anderen, dass sie lernen, in Gott verwurzelt und in Bezug auf ihre mitmenschlichen Beziehungen authentisch zu werden.

 

Gebet:

Jesus, du willst dass wir unsere Liebe selbstlos verschenken an Menschen, die uns nichts zurückgeben können. Viele kirchliche Gruppen sind verschlossene Kreise geworden, zu denen diese Armen keinen Zugang mehr finden. Bitte hilf uns, offen zu sein, dass alle Menschen sich bei uns geborgen fühlen können, gerade auch Menschen, die Not leiden, die vielleicht zum ersten Mal zu uns kommen. Hilf uns aber auch dabei, persönlich ganz in dir verwurzelt zu sein und das richtige Maß zu finden, wie wir unsere zwischenmenschlichen Beziehungen leben sollen. Schenke uns gute Freunde, mit denen wir gemeinsam auf dem Weg sind. Lass uns Netzwerke bilden, in denen alle Menschen, vor allem auch die Notleidenden aufgehoben sein können.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen