Mittwoch, 22. November 2017

Herr, ich habe mit deiner Mine zehn Minen erwirtschaftet. (Lk 19,16)

33 Woche im Jahreskreis – Mittwoch

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 19,11-28.

In jener Zeit meinten die Menschen, weil Jesus schon nahe bei Jerusalem war, das Reich Gottes werde sofort erscheinen. Daher erzählte er ihnen ein weiteres Gleichnis.
Er sagte: Ein Mann von vornehmer Herkunft wollte in ein fernes Land reisen, um die Königswürde zu erlangen und dann zurückzukehren.
Er rief zehn seiner Diener zu sich, verteilte unter sie Geld im Wert von zehn Minen und sagte: Macht Geschäfte damit, bis ich wiederkomme.
Da ihn aber die Einwohner seines Landes hassten, schickten sie eine Gesandtschaft hinter ihm her und ließen sagen: Wir wollen nicht, dass dieser Mann unser König wird.
Dennoch wurde er als König eingesetzt. Nach seiner Rückkehr ließ er die Diener, denen er das Geld gegeben hatte, zu sich rufen. Er wollte sehen, welchen Gewinn jeder bei seinen Geschäften erzielt hatte.
Der erste kam und sagte: Herr, ich habe mit deiner Mine zehn Minen erwirtschaftet.
Da sagte der König zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger Diener. Weil du im Kleinsten zuverlässig warst, sollst du Herr über zehn Städte werden.
Der zweite kam und sagte: Herr, ich habe mit deiner Mine fünf Minen erwirtschaftet.
Zu ihm sagte der König: Du sollst über fünf Städte herrschen.
Nun kam ein anderer und sagte: Herr, hier hast du dein Geld zurück. Ich habe es in ein Tuch eingebunden und aufbewahrt;
denn ich hatte Angst vor dir, weil du ein strenger Mann bist: Du hebst ab, was du nicht eingezahlt hast, und erntest, was du nicht gesät hast.
Der König antwortete: Aufgrund deiner eigenen Worte spreche ich dir das Urteil. Du bist ein schlechter Diener. Du hast gewusst, dass ich ein strenger Mann bin? Dass ich abhebe, was ich nicht eingezahlt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe?
Warum hast du dann mein Geld nicht auf die Bank gebracht? Dann hätte ich es bei der Rückkehr mit Zinsen abheben können.
Und zu den anderen, die dabeistanden, sagte er: Nehmt ihm das Geld weg, und gebt es dem, der die zehn Minen hat.
Sie sagten zu ihm: Herr, er hat doch schon zehn.
Da erwiderte er: Ich sage euch: Wer hat, dem wird gegeben werden; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.
Doch meine Feinde, die nicht wollten, dass ich ihr König werde - bringt sie her, und macht sie vor meinen Augen nieder!
Nach dieser Rede zog Jesus weiter und ging nach Jerusalem hinauf.

 

Tagesimpuls:

 

Herr, ich habe mit deiner Mine zehn Minen erwirtschaftet.  (Lk 19,16)

 

Nichts Tun ist auch eine Sünde. Viele denken, wenn man sich nur ruhig verhält und genauso lebt wie die meisten, dann macht man es richtig. Aber das ist nicht richtig. Einfach nur mit dem Strom schwimmen ist eine Sünde. Man kann dann vielleicht von sich behaupten: „Ich habe keinen umgebracht." Aber die Tatsache, dass man nichts besonders Schlimmes getan hat, entschuldigt das Nichtstun nicht.

 

Herr, ich habe mit deiner Mine zehn Minen erwirtschaftet.

 

Gott erwartet von uns, dass wir unser Leben leben. Wieder muss ich an die selige Chiara Badano denken, die, während sie vor ihrem Tod viele Schmerzen litt, einmal sagte: „Ich bitte Gott nicht darum, dass er mich sterben lässt. Sonst könnte er denken, ich wäre nicht bereit, das alles für ihn zu leiden." Sie wollte Gott ihre Schmerzen schenken, weil sie ihm nichts anderes mehr schenken konnte, so sagte sie. Für sie war klar: Sie wollte ihr Leben für Gott leben, bis zur letzten Minute. Das Leben sollte einen Sinn haben.

 

Herr, ich habe mit deiner Mine zehn Minen erwirtschaftet.

 

Wir alle sollen unser Leben leben – im Vertrauen auf Gott, der es uns geschenkt hat. Das Gleichnis soll uns nicht dazu verführen, zu meinen, in der Leistungsgesellschaft noch mehr Leistung bringen zu müssen. Viele Menschen fühlen sich ohnehin schon sehr unter Druck. Gott will uns nicht unter Druck setzen mit diesem Gleichnis. Wir sollen nur Ja sagen zum Leben, das geben, was wir geben können. Das muss nicht viel sein. Ich lebe meine Talente nicht, wenn ich immer allen Ja sage, alles tue, ständig unterwegs bin. Dann verzettele ich mich vielleicht, und ich tue genau nicht das, was ich tun könnte, weil ich mich verzettelt habe. Besser ist es, aus der Ruhe heraus zu handeln, genug Zeit zum Gebet und auch zur Entspannung zu haben. Und dann genau das zu tun, wozu Gott mir das Leben geschenkt hat.

 

Herr, ich habe mit deiner Mine zehn Minen erwirtschaftet.

 

Damit wir unsere Talente wirklich leben und entfalten, müssen wir – so glaube ich – viel auf Gott hören, viel mit ihm im Gebet verbunden sein. Wir sind ja keine Sklaven Gottes, sondern seine Freunde. Er will uns ermutigen, er will uns stark machen, er will uns aber nicht treiben. Lassen wir uns von ihm in dieses Leben senden, in diesen Tag! Es soll ein schöner Tag werden. Und was die schweren Dinge betrifft: Schenken wir ihm unsere Bereitschaft, auch für ihn zu leiden!

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du mich in dieses Leben berufen hast. Es ist schön, in dieser Welt zu sein. Es gibt auch das Schwere, das sehe ich. Aber ich will dir alles Leid aufopfern. Wenn das Gute nicht doch letztendlich überwiegen würde, dann hättest du diese Welt nicht geschaffen. Darauf vertraue ich, weil ich dir vertraue. Und überall, wo Probleme und Sorgen sind, da schenkst du auch Auswege, wenn wir nur eng mit dir zusammen bleiben. Ja, lass mich heute mit dir dieses Leben leben, und hilf mir, meine Talente zu benutzen.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

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