Donnerstag, 16. November 2017

Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch. (Lk 17,21)

32 Woche im Jahreskreis – Donnerstag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 17,20-25.

In jener Zeit als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte.
Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch.
Er sagte zu den Jüngern: Es wird eine Zeit kommen, in der ihr euch danach sehnt, auch nur einen von den Tagen des Menschensohnes zu erleben; aber ihr werdet ihn nicht erleben.
Und wenn man zu euch sagt: Dort ist er! Hier ist er!, so geht nicht hin, und lauft nicht hinterher!
Denn wie der Blitz von einem Ende des Himmels bis zum andern leuchtet, so wird der Menschensohn an seinem Tag erscheinen.
Vorher aber muss er vieles erleiden und von dieser Generation verworfen werden.

 

Tagesimpuls:

 

Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch.  (Lk 17,21)

 

Wenn Jesus wiederkommt, dann wird es so sein, dass es ganz klar ist, dass man nicht daran zweifeln kann, dass alle Menschen es erkennen. Aber das Reich Gottes kommt nicht erst dann. Wir beten jeden Tag: „Dein Reich komme." Und es kommt tatsächlich schon jeden Tag, ja es ist schon unter uns. Das Reich Gottes ist also etwas Dynamisches, es ist in Bewegung, es ist schon da (wie ein Senfkorn, wie ein Sauerteig, wie ein Licht in der Dunkelheit) und es breitet sich aus. Die Dunkelheit will es zerstören, aber es lässt sich nicht zerstören. Schon 2000 Jahre breitet es sich in der Menschheit aus, auch wenn die Gegenkräfte erheblich sind.

 

Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch.  

 

Weil das Reich Gottes manchmal so unscheinbar ist, haben wir die Versuchung, den schnellen Erfolg zu suchen. Wir wünschen uns große Zahlen, wir wünschen uns statistisch messbare Ergebnisse. Und damit können wir dem Versucher auf den Leim gehen. Der Versucher will Verwirrung stiften. Er kommt nicht nur in seiner abgrundtief bösen Gestalt, er kommt auch als Engel des Lichts. Es gibt z.B. Menschen, die haben eine Hellsichtigkeit, einen Wahrsagegeist (das ist jetzt nur ein Beispiel, es gäbe viele Beispiele). Und die erkennen Dinge bei anderen Menschen, die wahr sind. Sie können damit heilen. Viele denken, dass das von Gott käme, das sich hier das Reich Gottes ausbreiten würde. Aber in Wirklichkeit versucht sich dieser Geist ganz subtil und ganz allmählich an die Stelle Christi zu setzen, Christus zu verdrängen und Spaltung unter die Christenheit zu bringen. Natürlich es ist toll, wenn Menschen geheilt werden. Und die Versuchung ist groß, diesen Geistern nachzulaufen, weil hier etwas scheinbar Gutes geschieht. Aber man muss auf der Hut sein. Manchmal ist es besser, nicht dem Erfolg nachzulaufen, sondern das Kreuz zu tragen. Das Reich Gottes breitet sich eben unscheinbar aus, auch wenn wir es nicht so stark erkennen.

 

Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch.  

 

Aber das heißt nicht, dass es nicht wunderbare Dinge geben kann im Reich Gottes. Es gibt wunderbare Heilungen, es gibt Befreiungen, es gibt die Gabe der Erkenntnis. Wir dürfen nur nicht in die Versuchung fallen, zu denken: „Wer heilt hat Recht." Dann können wir leicht dem „Engel des Lichts" aufsitzen, der in Wirklichkeit der Teufel ist (2 Kor 11,14). Er tarnt sich, wie Paulus sagt, er gibt sich aus als Apostel Christi. Nun mag mancher denken: Wie kann man das jetzt unterscheiden? Ich denke, dass man immer auf den Bezug zu Christus achten muss. „Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der Jesus Christus bekennt als im Fleisch gekommen, ist aus Gott" (1 Joh 4,2). Wir müssen darauf achten, ob jemand sich – vielleicht zunächst ganz unscheinbar – langsam immer mehr an die Stelle Jesu setzen will, Jesus verdrängen will. Oft geht es einher damit, dass Gut und Böse verwischt wird, dass die Sünde relativiert wird, dass es nicht mehr die Wahrheit gibt, sondern nur noch „meine Wahrheit" usw. Im Zweifelsfall müssen wir auf das Urteil der Kirche vertrauen.

 

Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch.  

 

Ich merke, wie ich ein schwieriges Thema angesprochen habe. Kommen wir jetzt zurück zum Leben des Wortes für uns heute! Achten wir darauf, wie Jesus in unserem Leben wirken will! Vertrauen wir, dass er schon da ist, vor allem dann, wenn wir es nicht bemerken! Versuchen wir, ihn dennoch zu erkennen, indem wir einfach an ihn glauben, auch wenn wir ihn nicht sehen. Wenn wir in den Dialog mit ihm eintreten, dann ist er doch da. Das kann uns keiner nehmen, egal wie dunkel es zu sein scheint um uns. Wir können die Beziehung zu ihm aufbauen, und immer wenn wir dies tun, dann ist sein Reich da.

 

Gebet:

Jesus, du bist da, dein Reich ist da. Ich will heute in deiner Gegenwart leben. Wenn ich realisiere, dass du bei mir bist, dann ist dein Reich auch da. Ich danke dir sehr für die großen und besonderen Zeichen, für Heilungen und Wunder, die geschehen, die ich sogar schon immer wieder erleben darf. Bitte hilf uns, die Verführungen zu erkennen. Hilf den Menschen, die verführt werden, dass sie das erkennen und in die Freiheit zurück finden. Danke, dass du mit uns auf dem Weg bist, und dass dein Reich sich unter uns ausbreitet.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

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