Montag, 13. November 2017

Wenn dein Bruder sündigt, weise ihn zurecht; und wenn er sich ändert, vergib ihm. (Lk 17,3)

32 Woche im Jahreskreis – Montag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 17,1-6.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Es ist unvermeidlich, dass Verführungen kommen. Aber wehe dem, der sie verschuldet.
Es wäre besser für ihn, man würde ihn mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer werfen, als dass er einen von diesen Kleinen zum Bösen verführt.
Seht euch vor! Wenn dein Bruder sündigt, weise ihn zurecht; und wenn er sich ändert, vergib ihm.
Und wenn er sich siebenmal am Tag gegen dich versündigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: Ich will mich ändern!, so sollst du ihm vergeben.
Die Apostel baten den Herrn: Stärke unseren Glauben!
Der Herr erwiderte: Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.

 

Tagesimpuls:

 

Wenn dein Bruder sündigt, weise ihn zurecht; und wenn er sich ändert, vergib ihm.  (Lk 17,3)

Hier ist eine Anweisung Jesu, die wir oft übersehen. Wir haben eine andere Anweisung Jesu sehr gut im Kopf, nämlich die der Bergpredigt, dass wir auch die andere Wange hinhalten sollen. Aber hier wird gesagt, dass wir uns nicht alles gefallen lassen dürfen. Wir sollen unseren Bruder, der sündigt, zurechtweisen. Wir müssen also etwas sagen. Wir dürfen nicht alles herunterschlucken, wir dürfen uns nicht alles gefallen lassen.

 

Wenn dein Bruder sündigt, weise ihn zurecht; und wenn er sich ändert, vergib ihm.

Dann sollen wir unserem Bruder aber auch vergeben. Aber auch hier sagt Jesus etwas Überraschendes, was vielen nicht bewusst ist: „Wenn er sich ändert"! Das heißt, dass unsere Vergebung an eine Bedingung geknüpft ist. Wir sollen dann vergeben, wenn der andere sich ändert, oder, wie Jesus es dann später relativiert, wenn er wenigstens verspricht, dass er sich ändert. Ich glaube, Jesus meint es so: In unserem Herzen sollen wir immer vergeben. Es kann nie richtig sein, dass unser Herz voll Bitterkeit oder sogar Rachegefühlen ist, weil wir böse auf einen Menschen sind, der uns verletzt hat. Aber solange der andere nicht versöhnungsbereit ist, können wir uns nicht mit ihm vertragen, kann es keine Lösung geben, dann müssen wir Abstand halten. Wenn aber der andere bemüht ist, selbst wenn er es wegen seiner Schwachheit dann wieder und wieder nicht schafft, solange er aber bemüht ist, sollen wir uns mit ihm versöhnen, sollen wir nicht auf Distanz gehen, sondern sollen wir es immer wieder versuchen.

 

Wenn dein Bruder sündigt, weise ihn zurecht; und wenn er sich ändert, vergib ihm.

Wenn wir alle Beziehungen abbrechen würden, weil die anderen Fehler machen, dann stünden wir bald ganz allein da. Jesus liegt daran, dass wir gesunde Beziehungen haben. Zu einer gesunden Beziehung gehört, dass man sich die Meinung sagt. Das kann in Liebe geschehen. Auf diese Weise will Jesus erreichen, dass wir in guten und dauerhaften Beziehungen leben. Das ist die Ehe, die Familie, Freundschaften, aber auch unsere Beziehungen in der Gemeinde, ebenfalls die Beziehungen am Arbeitsplatz. Auch dort sollte Kündigung das letzte Mittel sein, wenn alles andere nicht hilft. Wir sollten uns bemühen, Probleme in Ordnung zu bringen, und dabei immer wieder auf den anderen zugehen. Das setzt aber voraus, dass der andere auch gesprächsbereit ist. Und genau deswegen gibt Jesus uns diese Anweisung: „Weise ihn zurecht!" Jesus will also, dass wir mit einander reden.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir für diese praktische Anweisung. Ich merke, dass ich noch zu wenig rede. Ich habe oft Angst vor der Reaktion der anderen. Ich schlucke zu viel herunter. Aber es ist ein Mehr an Liebe, wenn ich rede, auch wenn es im ersten Moment unangenehm sein mag. Auf die Dauer gewinnen unsere Beziehungen dadurch, dass wir reden. Jesus, hilf mir, deine Anweisung zu beachten, und lass mich immer mehr die Erfahrung machen, dass es gar nicht so schlimm ist, wie ich befürchte, wenn ich kritische Dinge mit anderen bespreche, dass dann die Beziehungen besser werden.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

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