Mittwoch, 20. September 2017

Und doch hat die Weisheit durch alle ihre Kinder Recht bekommen. (Lk 7,35)

24 Woche im Jahreskreis – Mittwoch

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 7,31-35.

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Mit wem soll ich also die Menschen dieser Generation vergleichen? Wem sind sie ähnlich?
Sie sind wie Kinder, die auf dem Marktplatz sitzen und einander zurufen: Wir haben für euch auf der Flöte gespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint.
Johannes der Täufer ist gekommen, er isst kein Brot und trinkt keinen Wein, und ihr sagt: Er ist von einem Dämon besessen.
Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; darauf sagt ihr: Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder!
Und doch hat die Weisheit durch alle ihre Kinder recht bekommen.

 

Tagesimpuls:

 

Und doch hat die Weisheit durch alle ihre Kinder Recht bekommen.  (Lk 7,35)

 

Jesus erlebt Ablehnung von vielen Menschen. Er erkennt, dass es nicht daran liegt, was er sagt oder tut, sondern an den Menschen. Sinngemäß sagt er: „Ich kann machen was ich will, ihr lehnt mich sowieso ab. Ich kann es gar nicht richtig machen." So ist es ja auch wirklich. Wenn ein anderer ein negatives Vorurteil hat, dann kann man tun, was man will, er wird immer etwas finden, das seine negativen Vorurteile bestätigt. Man kann es dem anderen dann gar nicht mehr recht machen.

 

Und doch hat die Weisheit durch alle ihre Kinder Recht bekommen.

 

Aber dieser letzte Satz ist wichtig. Jesus schaut nicht nur auf die Menschen, die ihn ablehnen und die er sowieso nicht überzeugen kann. Er sieht auch auf alle, die ihm Recht geben. Die Weisheit bekommt Recht durch ihre Kinder. Und das sehen wir in unserem Leben ja auch. Wir sehen die guten Früchte. Wir sehen die Menschen, die neu anfangen, wir sehen die Menschen, für die Jesus sehr wichtig geworden ist. Ich bin sehr dankbar, dass ich – auch wenn ich es nicht zähle– regelmäßig Menschen treffen darf, die neu beginnen mit Jesus, die wirklich zum Glauben finden, die Heilung finden, die wirklich ein neues Leben oder eine neue Tiefe finden mit Jesus. Und diese Menschen kommen zu den Gottesdiensten, zu den Anbetungen, zu den Gebetsgruppen, und es kommen immer wieder neue dazu. Die allermeisten kommen auf Wegen, die ich oder die wir nicht geplant haben, sie werden einfach von Gott geführt. Da sehe ich, dass die Weisheit – trotz aller Ablehnung oder Unverständnis von Seiten vieler – ihr Recht bekommt. Daran sehe ich, dass es nicht umsonst ist, dass wir all diese Veranstaltungen machen. Mögen auch 90% der Menschen, auch der Christen, mit diesem Veranstaltungen nichts anfangen können, es gibt aber diese Menschen, von denen wir schon bei jedem einzelnen sagen können: Allein für diesen Menschen hat sich schon all die Mühe gelohnt.

 

Und doch hat die Weisheit durch alle ihre Kinder Recht bekommen.

 

Mich tröstet es, dass Jesus auch mit starker Ablehnung bzw. starkem Unverständnis zu tun hatte. Aber ich will mir seine Sichtweise zu eigen machen. Ich schaue auf die Menschen, für die es sich lohnt, und dafür bin ich dankbar. Zugleich freue ich mich über all die anderen kirchlichen Aktivitäten, die wieder andere Menschen auf die je ihre Weise ansprechen und etwas näher zu Jesus bringen. Und ich will alles unterstützen, was Menschen hilft, näher zu Jesus zu kommen, auch wenn die Wege sehr verschieden sein können. Nicht jeder kann mit meinem Weg etwas anfangen, aber die Hauptsache ist, dass die Weisheit immer mehr Menschen berührt, immer mehr Kinder bekommt, und dass so Jesus verherrlicht wird.

 

Gebet:

Jesus, du schaust auf die Menschen, die dir Recht geben, in denen diese positiven Entwicklungen stattfinden, die geheilt werden, die neu zum Glauben finden, die neu zum Leben finden. Viele verstehen das nicht, gehen ihren eigenen Weg, verharren in religiösen Traditionen, die sie mitunter sogar am Leben hindern. Aber ich will auch auf das Positive schauen, auf die Menschen, die aufbrechen, die zum Leben finden. Und ich will dabei die anderen Wege nicht verurteilen. Mag jeder Weg auf seine Weise dazu beitragen, dass die Menschen zum volleren Leben in dir finden. Ich will mich aber auch nicht verunsichern lassen durch Menschen, die meinen Weg nicht verstehen und nicht mitgehen. Ich sehe die guten Früchte, und daher weiß ich, dass wir auf einem guten Weg sind. Das genügt mir.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

 

 

 

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