Samstag, 23. September 2017

Geht auch ihr in meinen Weinberg! (Mt 20,7)

 25 Sonntag im Jahreskreis  

 

EVANGELIUM

Mt 20, 1-16a

 

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:

1Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.

2Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg.

3Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten.

4Er sagte zu ihnen: geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist.

5Und sie gingen. Um die sechste Stunde und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso.

6Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, dir dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum?

7Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!

8Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen von den letzten, bis hin zu den ersten.

9Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar.

10Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar.

11Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren,

12und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen.

13Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart?

14Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir.

15Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?

16aSo werden die Letzten die Ersten sein.

 

 

Tagesimpuls:

 

Geht auch ihr in meinen Weinberg!  (Mt 20,7)

 

Ich möchte dieses Evangelium gerne so lesen, wie es mich heute anspricht. Das ist nur ein Aspekt, und es gäbe viele andere Aspekte, die man auch beleuchten könnte. Ich finde mich in dem Arbeiter der elften Stunde wieder. Ich werde immer älter, und ich wundere mich, dass ich immer noch nicht ganz eingestiegen bin in das Leben, dass Jesus mir schenken möchte. Man könnte sich auch auf den anderen Standpunkt stellen und das Gegenteil sagen: „Ich rackere mich seit Jahren ab für Christus, und so viele andere stehen einfach nur faul herum!" So würde der Stolz sprechen, und Jesus führt den Stolzen und Neidischen ja am Ende des Evangeliums ihre Schwäche klar vor Augen. Nach so langer Zeit im Dienst des Herrn müsste man ja eigentlich in der Liebe gewachsen sein, und es dürfte sich kein Neid mehr regen gegen die Mitmenschen. Wir erleben das ähnlich im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Auch dort lebt der ältere Bruder jahrelang im Vaterhaus, und doch hat er noch nicht so viel Liebe und Barmherzigkeit gelernt gegenüber seinem Bruder. Ich will mich lieber auf die Seite des Arbeiters der elften Stunde stellen, ich will mich lieber mit dem verlorenen Sohn identifizieren und darum beten, dass ich doch zu meinen Lebzeiten noch ganz hineinfinde in dieses reiche Leben, dass Gott uns schenken möchte.

 

Geht auch ihr in meinen Weinberg!

 

Ja, es gibt noch so viel zu entdecken! Haben wir die Liebe schon ganz gefunden, in die Gott uns hineinführen will? Sind wir schon wirklich ganz in seinem Dienst? Wenn wir auf andere herabschauen oder neidisch sind, die es noch nicht sind, dann wäre das in meinen Augen ein untrügliches Zeichen dafür, dass wir es selber auch noch nicht sind. Wenn aber unser Herz voll Barmherzigkeit für alle Menschen ist, dann sind wir wahrhaft im Dienst Jesu.

 

Geht auch ihr in meinen Weinberg!

 

Ich lerne aus dem Evangelium, dass wir uns gar nicht vergleichen sollen. Wenn es einen Maßstab gibt, dann ist Jesus der Maßstab, nicht das, was die anderen leben. Ich will mich an Jesus orientieren und in der Liebe wachsen. Mir tut es gut, wenn ich mich nach oben orientiere. Ich orientiere mich übrigens auch an den Heiligen, aber nur, weil ich in den Heiligen sehe, wie Jesus in ihnen lebt. Durch die Heiligen schenkt mir Jesus sein Leben. Die Heiligen vermitteln mir also den Maßstab Jesu. Ich glaube, dass viele Christen das tun, auch wenn es ihnen nicht so bewusst ist. Wie viel Hilfe erfahren wir von anderen Christen, in dem wir ihre Predigten hören, ihre Bücher lesen, uns von ihnen segnen lassen? All das hilft uns, im Glauben und in der Liebe zu wachsen. Gott hat die Welt so geschaffen, dass wir uns gegenseitig helfen sollen. Daher hat Gott die Kirche geschaffen. Sie ist der Ort, wo wir die Heiligkeit Jesu empfangen dürfen. Also ganz bewusst in der Kirche leben widerspricht nicht dem, was ich oben gesagt habe, dass ich mich nicht mit Menschen vergleiche, sondern an Jesus orientiere.

 

Geht auch ihr in meinen Weinberg!

 

Und nun übergebe ich Jesus wieder neu meinen Willen, und ich will heute mit ihm in den Weinberg gehen und so mehr in sein Leben hineinfinden.

 

Gebet:

Jesus, du siehst meine Sehnsucht, dass ich dir ganz gehören will. Ich erkenne, wie weit ich noch davon entfernt bin, und es tut mir gut, nach oben zu streben, zu dir zu streben. Ich ahne und spüre, dass es noch so viel mehr zu entdecken gibt, dass ich noch so viel tiefer mit dir vereint leben könnte. Und ich weiß, dass du mich jeden Tag näher in diese Richtung führst. Ja, Herr, lass mich immer mehr in deiner Liebe leben, lass mich irgendwann einmal voll in deinem Weinberg sein, ohne den falschen Eigenwillen, so dass ich dann ganz dir gehören werde.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

 

 

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