Mittwoch, 13. September 2017

Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen. (Lk 6,22)

23 Woche im Jahreskreis – Mittwoch

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 6,20-26.

In jener Zeit richtete Jesus seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.
Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.
Freut euch und jauchzt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.
Aber weh euch, die ihr reich seid; denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten.
Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen.
Weh euch, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.

 

Tagesimpuls:

 

Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.  (Lk 6,22)

 

Die Seligpreisungen enthalten eine Steigerung. In den beiden ersten geht es um materielle Dinge: Reichtum und Essen. Dann geht es um Gefühle: Traurigkeit und Freude. Und dann kommt der Höhepunkt: Gemeinschaft, Anerkennung, Ehre. Man könnte sich fragen, was von diesen Dingen ist mir am wichtigsten? Finde ich es am wichtigsten, genug zum Essen zu haben? Oder finde ich es am wichtigsten, mir einiges leisten zu können? Oder finde ich es wichtiger, dass ich meistens froh gelaunt und nicht traurig bin? Oder finde ich es am wichtigsten, angenommen und angesehen zu werden in einer menschlichen Gemeinschaft, nicht ausgegrenzt und abgelehnt zu sein?

 

Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.

 

Oberflächlich betrachtet würde man auf den ersten Blick vielleicht denken: „Wenn ich Hunger leiden muss, nicht genug zum Essen habe, das ist das Unangenehmste, das will ich auf jeden Fall vermeiden." Aber ich persönlich glaube, dass dieses Bedürfnis nach Gemeinschaft und Anerkennung noch viel wichtiger ist. Es mag allerdings sein, dass man sich das nicht so sehr bewusst macht. Man reagiert allerdings sehr gekränkt, wenn man abgelehnt und ausgegrenzt wird, und die Folgen davon sitzen tief im Herzen und werden nur selten überwunden.

 

Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.

 

Aber warum ist man nun selig, wenn einem all diese lebenswichtigen Dinge entzogen werden? Das ist schwer zu verstehen. Ich kann es nur so sehen, dass Jesus sagt, dass dann eine Chance darin liegt, nämlich die Chance, dass wir uns von Gott beschenken lassen. Wenn wir ohne Gott leben, dann beherrschen uns diese Grundbedürfnisse, wir richten unser Leben danach aus, ob es uns bewusst ist oder nicht. Wenn wir aber mit Gott leben, dann können wir lernen, innerlich zu leben. Wir können uns von der Oberfläche lösen und schließlich zu der Erfahrung gelangen, die Theresa von Avila beschrieben hat: „Gott allein genügt." Und oft können negative Erfahrungen uns mehr in die Tiefe führen. Das heißt nicht, dass es gut ist, wenn Menschen uns ablehnen, das ist es auf keinen Fall. Aber solche „Kreuze", die uns aufgegeben werden zu tragen in diesem Leben, können uns helfen, in diese Tiefe mit Gott zu kommen.

 

Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.

 

Es ist ein langer Weg, wenn wir uns als Christen lösen von den oberflächlichen Bedürfnissen und mehr und mehr auf Gott vertrauen, der uns Nahrung gibt, der unser Reichtum und unsere Freude ist, der uns Gemeinschaft, Ansehen und Ehre schenkt. Auch wenn wir bewusst als Christen leben, dann gehen wir noch lange nicht auf diesem Weg. Es ist, wie Jesus sagt, ein schmaler Weg, den nur wenige gehen. Aber es ist ein Weg zu einem tiefen inneren Glück, den nur wenige Menschen finden. Und die Erfahrung, dass uns weltliche Bedürfnisse entzogen werden, dass uns das Kreuz begegnet, kann eine große Hilfe werden auf diesem Weg.

 

Gebet:

Jesus, ich glaube dir, dass die menschlich gesehen negativen Erfahrungen uns helfen können, die Seligkeit zu finden, die nur sehr wenige Menschen finden. Und, Jesus, wenn ich ehrlich bin, fühle ich mich noch sehr weit entfernt davon, diesen Weg mit dir zu gehen. Mir sind meine materiellen Bedürfnisse noch sehr wichtig. Und auch das Bedürfnis nach Anerkennung erlebe ich noch so überwältigend stark in mir. Ich will dir zwar zustimmen, dass du allein genügst. Ich glaube es auch, dass du die Quelle meines Glücks und meiner Freude bist. Ich will mich auch loslösen von den oberflächlichen Dingen.  Aber ich sehe auch, wie ich immer wieder darin zurückfalle. Aber ich danke dir, dass du mir Mut machst. Dass du mich auf diesem Weg Schritt für Schritt weiter führst. Hilf mir, die Kreuze, die mir begegnen, zu nutzen, um weiter zu kommen auf diesem Weg, bis du wirklich meine einzige Seligkeit, mein einziges Glück wirst.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

 

 

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