Samstag, 16. September 2017

Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal. (Mt 18,22)

24 Sonntag im Jahreskreis

 

EVANGELIUM

Mt 18, 21-35

 

In jener Zeit

21trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal?

22Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.

23Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen.

24Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war.

25Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen.

26Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen.

27Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld.

28Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist!

29Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen.

30Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe.

31Als die übrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war.

32Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast.

33Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?

34Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe.

35Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt.

 

 

Tagesimpuls:

 

Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.  (Mt 18,22)

 

In manchen Bibelübersetzungen steht als Überschrift: „Von der Pflicht zur Vergebung". Unser Evangelium macht deutlich, dass Vergebung keine Option ist, sondern eine Pflicht, ein Auftrag, den Jesus uns gegeben hat. Und solange wir nicht vergeben, werden wir von den „Folterknechten", das sind die Dämonen, gequält. Wenn wir nicht vergeben, dann haben die Dämonen ein Anrecht auf unser Leben, weil wir das Blut Jesu, das uns erlöst, nicht in Anspruch nehmen. Das Blut Jesu will über jede Schuld fließen, jede Schuld tilgen, alles sühnen. Wir aber sollen das Blut Jesu sozusagen kanalisieren, dass es dort hinfließt, wo es hinfließen soll. Man kann auch sagen, wir sollen das Geschenk Gottes annehmen, für alle Situationen, überall da, wo sich Menschen schuldig gemacht haben. Die Ströme lebendigen Wassers, die Ströme des Heiligen Geistes, wollen alles erfrischen, alles lebendig machen. Das Wasser muss nur noch überall ankommen, eindringen, und da haben wir unsere Aufgabe durch unser Gebet.

 

Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.

 

Wir haben ein sehr kraftvolles Instrument von Jesus an die Hand bekommen: Wir können auch stellvertretend um Vergebung beten für andere Menschen. Besonders wirksam ist das für die Familienschuld. Wir können für unsere Vorfahren um Vergebung bitten. Eine Frau hatte im Krieg ihre Mutter verloren. Sie kam ihr ganzes Leben lang nicht über dieses Schmerz hinweg. In einem seelsorglichen Gespräch fragte ein Priester sie: „Können Sie Hitler vergeben?" Das war eine erschütternde Herausforderung für sie. Aber auf diese Weise können wir die Anrechte der Dämonen brechen, so dass sie uns nicht mehr quälen, dass wir frei werden von Gram und Bitterkeit, dass das Blut Jesu in die Situationen fließen kann, dass der Heilige Geist uns Versöhnung, Barmherzigkeit und neue Freude schenken kann.

 

Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.

 

Wir können um Vergebung bitten für die Schuld unserer Vorfahren, vor allem in unseren Familien. Damit werden Rechte des Teufels auf unsere Familien und auf uns persönlich zerbrochen. Wir Katholiken kennen das eigentlich schon immer. Wie viele Messen werden gefeiert für unsere Vorfahren! Nur ist der Sinn dieser Traditionen vielen leider nicht mehr bewusst. Viele denken, es wäre eine nette Tradition, um die Verstobenen nicht zu vergessen. Manche tun es leider nur aus Pflichtgefühl, weil sie meinen, die Nachbarn oder andere im Dorf könnten Anstoß nehmen, wenn sie keine „Messen bestellen" für ihre Verstorbenen. Es ist eben so eine Tradition, so wie man auch viele andere Sachen im Dorf macht, weil sie Tradition sind. Aber in Wirklichkeit ist der Hauptzweck, dass wir in der Heiligen Messe für die Menschen beten, damit Sünden vergeben werden, damit unsere Vorfahren eintreten können in die Glückseligkeit des Himmels, und damit wir frei werden von Bindungen an alte Schuld, die uns hindern, frei, glücklich und liebevoll zu leben.

 

Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.

 

Üben wir die Vergebung! Sprechen wir immer wieder das Schuldbekenntnis! Schenken wir Vergebung, bitten wir um Vergebung! Das ist ein großartiges Instrument, das Gott uns schenkt, um frei zu werden im Leben!

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du uns hilfst einander zu vergeben. Zeige uns, wo wir unbewusst an alter Schuld festhalten, wo wir noch gebunden sind. Hilf uns, dass wir frei werden. Und wo es uns schwer fällt, da zerbrich du die Macht des Satans, der uns mit aller Kraft daran hindern will. Zerbrich seine Macht, denn du bist immer stärker! Hilf uns, dass wir vergeben können. Du gibst uns nicht nur den Auftrag dazu, du gibst uns auch die Kraft.

 

 

Pastor Roland Bohnen  

 

 

 

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