Freitag, 1. September 2017

Die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit. (Mt 25,4)

21 Woche im Jahreskreis – Freitag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 25,1-13.

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich wird es sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen.
Fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug.
Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl,
die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit.
Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein.
Mitten in der Nacht aber hörte man plötzlich laute Rufe: Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen!
Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht.
Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus.
Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es weder für uns noch für euch; geht doch zu den Händlern und kauft, was ihr braucht.
Während sie noch unterwegs waren, um das Öl zu kaufen, kam der Bräutigam; die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal, und die Tür wurde zugeschlossen.
Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf!
Er aber antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.
Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

 

 

Tagesimpuls:

 

Die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit.  (Mt 25,4)

 

Es ist interessant, dass alle irgendwann müde werden und einschlafen. Das klingt tröstlich. Niemand kann vollkommen aufmerksam bleiben auf den Bräutigam. Es gibt für uns alle Phasen in unserem Leben, wo wir mal müde werden und sogar einschlafen. Ich kann das auch auf mich selber beziehen. Ich glaube zwar, dass ich eine große Begeisterung für Jesus über die vielen Jahre bewahrt habe. Aber trotzdem fühle ich mich auch oft müde, und manchmal habe ich sicher auch den Anruf Jesu verschlafen bzw. verpasst.

 

Die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit.

 

Aber das, worauf es ankommt, scheint etwas anderes zu sein. Es sieht so aus, als wolle Jesus sagen: Alle meine Jünger sind schwach, keiner kann immer die volle Aufmerksamkeit bringen. Aber eine Sache ist wichtig, die den Unterschied macht, und das ist, ob man noch Öl in Krügen mitgebracht hat. Aber was ist mit diesem zusätzlichen Öl gemeint? Ich verstehe, dass das Öl in der Lampe ausbrennt. Man muss also einen zusätzlichen Vorrat haben.

 

Die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit.

 

Ich sehe im Moment zwei Antwortmöglichkeiten. Die eine ist, dass es nicht so exakt auf die Interpretation des Bildes ankommt, sondern einfach auf die Tatsache der Klugheit. Das wir also mit unsere Liebe zu Jesus eine gewisse Klugheit verbinden sollen. Das könnte z.B. darin bestehen, dass wir in unserer Begeisterung auch darauf achten, dass wir einen gesunden Lebensrhythmus haben, genügend Schlaf, genügend Gebetszeit usw., damit wir nicht ausbrennen, damit der Versucher uns nicht so sehr angreifen kann. Das würde heißen, dass der große Unterschied darin besteht, dass wir auch klug sein sollen. Da Jesus ja genau auf den Gegensatz von klug und töricht abhebt, könnte er das meinen.

 

Die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit.

 

Einen zweiten Hinweis bekommen wir am Schluss des Evangeliums. Da sagt Jesus zu den Törichten: „Ich kenne euch nicht." Auch dies könnte mit dem zusätzlichen Öl in Krügen gemeint sein. Das, was die einen haben und die andern nicht, ist dieses persönliche Kennen von Jesus. Das kann ein Mensch haben, der ansonsten durchaus schwach ist, vielleicht nicht der Musterchrist, aber er liebt Jesus von ganzem Herzen. Diese Erklärung ist mir sehr sympathisch. Das gewisse Extra ist dann also die ganz persönliche Liebe zu Jesus. Viele Menschen sind Christen, manche sind, was ihre Taten betrifft, recht gute Christen, aber keiner kann sich davon ausschließen, dass er auch mal schwach wird, auch mal einschläft. Aber das ist nicht das Wichtigste. Entscheidend ist, ob jemand dieses zusätzliche Öl dabei hat, und das ist die ganz persönliche Liebe zu Jesus, das, was Jesus damit bezeichnet: Ich kenne dich! Wir haben eine Beziehung, wir haben schon viel miteinander geredet und ausgetauscht.

 

Die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit.

 

Klug ist es demnach also, wenn ich alles daran setze, Jesus zu kennen, in diesem persönlichen Austausch mit ihm zu bleiben, egal wie schwach ich ansonsten bin. Die höchste Priorität in meinem Leben muss das Kennen Jesu sein, und damit meine ich jetzt nicht ein rein intellektuelles Kennen, sondern die persönliche Liebesbeziehung, so dass Jesus später sagen wird: „Ja klar, wir kennen uns gut. Du bist für mich kein Fremder!"[1]

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du Mitgefühl mit unseren Schwächen hast. Du weißt, dass wir manchmal müde werden, dass wir nicht immer alles geben, was wir geben könnten. Und du gibst uns einen Hinweis, dass es auf etwas Wichtigeres ankommt im Leben, auf die Liebe zu dir. Wirklich klug sind wir, wenn wir das immer im Auge behalten. Ich danke dir für diese Liebesbeziehung. Ich danke dir, dass wir uns kennen. Lass mich immer in dieser Beziehung zu dir bleiben und leben.

 

 

Pastor Roland Bohnen  

 

 

 

 



[1] Natürlich weiß ich, dass Gott uns immer kennt, auch wenn wir ihn nicht kennen, aber ich glaube, dass es hier auf das gegenseitige Kennen im Sinne einer gegenseitigen Liebesbeziehung  ankommt.

 

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