Dienstag, 5. September 2017

Schweig und verlass ihn! (Lk 4,35)

22 Woche im Jahreskreis – Dienstag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 4,31-37.

In jener Zeit ging Jesus hinab nach Kafarnaum, einer Stadt in Galiläa, und lehrte die Menschen am Sabbat.
Sie waren sehr betroffen von seiner Lehre, denn er redete mit göttlicher Vollmacht.
In der Synagoge saß ein Mann, der von einem Dämon, einem unreinen Geist, besessen war. Der begann laut zu schreien:
Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes!
Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der Dämon warf den Mann mitten in der Synagoge zu Boden und verließ ihn, ohne ihn jedoch zu verletzen.
Da waren alle erstaunt und erschrocken, und einer fragte den andern: Was ist das für ein Wort? Mit Vollmacht und Kraft befiehlt er den unreinen Geistern, und sie fliehen.
Und sein Ruf verbreitete sich in der ganzen Gegend.

 

Tagesimpuls:

 

Schweig und verlass ihn! (Lk 4,35)

 

In unseren Bibeln steht oft das Wort „besessen". In der katholischen Tradition hat sich dieses Wort jedoch zu einem Terminus technicus entwickelt für Menschen, die voll und ganz in der Hand des Satans sind, also die höchste Stufe der Unfreiheit, in die ein Mensch durch satanische Einwirkung gelangen kann. Wenn Besessenheit in diesem Sinne vorliegt, dann kann nur ein offiziell vom Bischof bestellter Exorzist helfen. Der Exorzist betet dann  besondere Gebete nach einem besonderen Rituale (Gebetbuch), was nur er benutzen darf. Zum Glück sind diese Fälle der Besessenheit sehr selten. Nicht selten dagegen sind Fälle, wo Dämonen Anrechte auf uns Menschen haben, wo sie sich irgendwie „eingenistet" haben und uns das Leben schwer machen. Wenn wir an den Anfang der Bibel denken, da war es schon der Teufel, der die bis dahin noch unschuldigen Adam und Eva in Versuchung geführt hat. Danach lauerte der Dämon dem Kain auf uns so weiter. Dämonen wirken mit, wenn Menschen zum Bösen verführt werden. So betrachtet treiben dämonische Mächte mehr oder weniger intensiv ihr Unwesen bei allen Menschen, aber das heißt nicht, dass jemand schon im klassischen Sinne besessen sei, sobald man feststellt, dass dämonische Mächte bei ihm die Hände im Spiel haben.

 

Schweig und verlass ihn! 

 

Im griechischen Urtext steht hier: „... der hatte einen unreinen dämonischen Geist." Es steht also nicht da, dass er besessen war. Und jedes dämonische Wirken direkt als Besessenheit zu deklarieren, wäre weit übertrieben und macht den Menschen auch Angst. Ich kenne eine Person, die ein dämonisches Wirken in sich selber festgestellt hatte, und die mich dann voller Sorge fragte: „Bin ich besessen?" Es wäre wirklich besser, wenn unsere Bibelübersetzungen dort eine differenziertere Sprache gebrauchen würden. Wenn im Griechischen nur steht, dass er einen unreinen dämonischen Geist hatte, warum übersetzt man dann mit Besessenheit, wo dieses Wort doch in der katholischen Tradition wie gesagt schon so stark besetzt ist für die extremste Form des dämonischen Wirkens in einem Menschen?

 

Schweig und verlass ihn! 

 

Aber kommen wir zur Lösung der Probleme! Jesus gebietet den Dämonen: „Schweig und verlass ihn!" So einfach ist es, oder scheint es jedenfalls. Es ist bemerkenswert, dass Jesus zu seinen Jüngern sagt: „Treibt Dämonen aus!" (Mt 10,8). Ich habe diese Stelle immer gern überlesen. Jemand frug mich, ob dieser Befehl nur für die Apostel galt, oder für alle seine Jünger. Ich sehe eine Antwort auf diese Frage in Mk 16,17: „Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden..." Hier sind es die, die zum Glauben gekommen sind, nicht nur Bischöfe oder Priester. Ich selber bin auch schon einmal auf den Gedanken gekommen (ich hoffe, dass das theologisch korrekt ist): Jeder hat ein Recht auf Selbstverteidigung. Wenn jemand durch dämonisches Wirken geplagt ist, dann muss er doch die Möglichkeit haben, sich zu wehren, in dem er z.B. betet: „Im Namen Jesu gebiete ich dir, du unreiner Geist, verlasse mich und gehe zu Jesus!"

 

Schweig und verlass ihn! 

 

Wegen des Rationalismus, der in unsere Welt und in unsere Kirche eingezogen ist, wird dieses Thema kaum noch erwähnt. Und man hat Angst, sich lächerlich zu machen, wenn man darüber spricht. Aber während dessen leiden viele Menschen und bekommen keine Hilfe von der Kirche. Ich meine, dass es an der Zeit ist, dass wir diese Bibelstellen nicht weiter überlesen oder ignorieren. Wir können vielen Menschen helfen, wenn wir das Wort Jesu ernst nehmen. Tun wir, was wir können, um seine Worte zu leben! Beten wir, wie Jesus gebetet hat! Ich glaube, dass Jesus uns viel Befreiung schenken will. Der Böse soll keine Macht in unserem Leben haben.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du Befreiung schenkst. Es tut mir leid, dass ich diese Wirklichkeit in meinem Leben bisher nicht genügend ernst genommen habe. Vielleicht hättest du schon viel mehr Befreiung und Heilung schenken können, wenn ich mehr daran geglaubt hätte. Ich danke dir, dass du mich immer weiter führst auf meinem Glaubensweg. Bitte schenke unserer Kirche immer stärkere Erfahrungen von Befreiung und von Befreiungsdiensten, damit die Menschen in unserer Kirche Zuflucht und Hilfe finden.

 

 

Pastor Roland Bohnen  

 

 

 

 

 

 

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen