Montag, 4. September 2017

Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. (Lk 4,28)

22 Woche im Jahreskreis – Montag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 4,16-30.

In jener Zeit kam Jesus nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen,
reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt:
Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze
und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.
Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.
Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.
Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs?
Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat!
Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.
Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam.
Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon.
Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.
Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut.
Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen.
Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.

 

Tagesimpuls:

 

Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. (Lk 4,28)

 

Zunächst war die Reaktion der Menschen gar nicht so negativ. Zunächst fand seine Rede bei allen Beifall, aber dann geraten sie alle in Wut. Konnte Jesus das nicht verhindern? Warum ist er so extrem undiplomatisch? Er hätte seine Rede doch aufhören können an dem Punkt, als die Leute ihm zustimmten. Warum musste er sie dann noch so sehr provozieren, dass sie in Wut gerieten?

 

Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut.

 

Heute geschieht das auch oft. Menschen regen sich über Dinge auf, die sie in der charismatischen Erneuerung erleben. Bis vor kurzem hat mir das Angst gemacht. Ich wollte nicht von den Menschen abgestempelt werden. Ich wollte nicht, dass sie uns für verrückt halten. Ich habe mich bemüht, keinen Anstoß zu erregen, aber mir ist es nie gelungen. Irgendetwas war immer passiert, weswegen sich manche dann doch aufregten. Langsam habe ich begriffen, dass dieses anfängliche Aufregen nicht vermeidbar ist. Ich habe auch erkannt, dass das Bemühen darum, jeden Anstoß zu vermeiden, gar nichts nützt. Kein einziger wird durch diese diplomatische Haltung für Jesus gewonnen. Die Leute sagen trotzdem, dass wir eine Sekte seien.

 

Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut.

 

Inzwischen weiß ich, dass dieses Aufregen geschehen muss. Es ist der erste Schritt. Jemand, der heute sehr tiefe Glaubenserfahrungen in der Charismatischen Erneuerung macht, erzählte mir, dass er sich am Anfang auch darüber aufgeregt hätte. Aber dann hat er mit einem Priester darüber gesprochen, und so konnte er einen  Zugang dazu finden. Aber wenn man versucht hätte, die Konfrontation mit diesen charismatischen Erfahrungen zu vermeiden, um keinen Anstoß zu erregen, dann hätte diese Person nie einen Zugang dazu gefunden. So wurde das Aufregen zu einem ersten Schritt des Kennenlernens, dem dann viele weiter positive Schritte folgten.

 

Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut.

 

Inzwischen freue ich mich, wenn sich jemand aufregt. Ich sehe, dass das gut so ist, denn ich erkenne, dass der Heilige Geist in ihm arbeitet. Dann erkläre ich, dass das bei Papst Franziskus auch so war. Er erklärt immer wieder öffentlich, dass er sich anfangs über die Charismatische Erfahrung lustig gemacht hätte. Aber dies hätte er dann bald bereut, und heute lebt er diese Erfahrung voll und ganz. Dass man sich am Anfang darüber ärgert gehört nun mal dazu. Wenn es nicht so wäre, dann würden die Menschen das auch nicht kennenlernen.

 

Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut.

 

Inzwischen lasse ich meine eigene Strategie immer mehr los und erlaube dem Heiligen Geist, dass er machen kann, was er will, auch wenn er in meinen Augen sehr undiplomatisch ist. Das gibt mir eine große Freiheit. Ich bemühe mich nicht mehr darum, jeden Anstoß zu vermeiden. Wenn Menschen sich ärgern, dann suche ich das Gespräch, so weit das möglich ist. Aber das wichtigste ist, ich lasse Gott wirken. Er hat seine Strategie. Er soll es so machen, wie er es meint. Und wenn er meint, es sei kein Problem, wenn viele denken, wir wären eine Sekte, dann soll das auch nicht länger mein Problem sein.

 

Gebet:

Heiliger Geist, ich danke dir für alles, was du wirkst. Ich will dich nicht mehr länger einschränken. Ich gebe dir die Erlaubnis, alles in meinem Leben zu wirken, was du willst. Wenn Menschen sich über mich lustig machen, dann sei es so. Hauptsache ist, dass dein Wille geschieht. Ich bitte dich auch, dass du mir hilfst, den Menschen dein Wirken zu erklären, so dass sie einen Zugang dazu finden können. Ich bitte dich, dass du mich gebrauchst, um den Menschen zu helfen, dich kennenzulernen.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

 

 

 

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