Freitag, 20. November 2020

Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht. (Lk 19,46)

33 Woche im Jahreskreis     Freitag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 19,45-48

In jener Zeit ging Jesus in den Tempel und begann, die Händler hinauszutreiben. 

Er sagte zu ihnen: In der Schrift steht: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht. 

Er lehrte täglich im Tempel. Die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die übrigen Führer des Volkes aber suchten ihn umzubringen. 

Sie wussten jedoch nicht, wie sie es machen sollten, denn das ganze Volk hing an ihm und hörte ihn gern.

 

 

Tagesimpuls:

 

Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht.   (Lk 19,46)

 

Jesus war schon als Kind im Tempel. Ihm liegt sehr viel an Gott, am Tempel, an einem guten und würdigen Tempeldienst. Das Alte Testament ist ganz sicher Gottes Wirken mit den Menschen, mit seinem Volk. Und ein wesentlicher Teil dieses Wirkens ist der Jerusalemer Tempel. Hier wollte Gott verehrt werden, der Tempel ist die Gegenwart Gottes hier auf Erden unter seinem Volk. Wenn Jesus nun kommt und selber die Gegenwart Gottes unter seinem Volk ist, dann sagt er damit nicht, dass alles, was Gott vor ihm gewirkt hätte, belanglos sei. Nein, es ist nach wie vor wichtig, und daher liegt Jesus an einem echten und guten Tempeldienst.

 

Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht. 

 

Aber die Welt ist erlösungsbedürftig, und so ist es auch die religiöse Praxis der Juden. Er nennt es Räuberhöhle, was sie aus dem Tempel gemacht haben. Das heißt, die Sünde hat sich eingeschlichen, das Böse. Wenn das nicht so wäre, hätte Jesus nicht kommen müssen, um uns zu erlösen. Fakt ist, dass die ganze Welt, eingeschlossen die religiöse Praxis, ja selbst die religiöse Praxis des Judentums, erlösungsbedürftig ist und nur aufgerichtet werden kann durch Jesus. Dort, wo Jesus angenommen wird, kann die Welt, ja kann alles von Jesus erlöst werden. Aber wo er nicht angenommen wird, bleibt das Böse, was sich immer mehr einschleicht, und dagegen kann man nichts machen.

 

Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht. 

 

Wir werden das in allen Lebensbereichen finden. Z.B. in der Politik: Wenn Jesus verdrängt wird, bekommt das Böse mehr macht. Ebenso in der Wirtschaft, in der Kunst, in der Kultur, in der Bildung, ja, in allen Lebensbereichen. Also auch in unserer Kirche! Wo Jesus verdrängt wird – man spricht in der Theologie von einer „anthropologischen Wende", also nicht mehr Gott, sondern der Mensch soll im Mittelpunkt stehen – dort bekommt das Böse immer mehr Raum, um sich auszubreiten. Das war nicht nur im Jerusalemer Tempel so, das geschieht auch in unserer Kirche. Die Hinwendung zu Jesus ist lebensnotwendig, und das muss man immer wieder neu vollziehen. Die Gefahr, in Routine zu verfallen und damit Jesus auszublenden, ist auch in der Kirche sehr groß. Öffnen wir daher jeden Tag neu unsere Herzen für eine lebendige Beziehung zu ihm, damit das Böse keine Chance bekommt!

 

Gebet:

Jesus, der Tempel wurde zur Räuberhöhle; ich weiß nicht, welches Wort du für unsere heutige Kirche hättest. Auf jeden Fall ist sicher, dass sich das Böse überall einschleichen kann, auch bei uns. Bitte hilf uns, dass unsere religiöse Praxis mehr ist als nur ein Betrieb, dass wir immer mit Liebe im Herzen zu dir beten, damit du wirklich Raum bekommst in allem, was wir tun.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

  

 







Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel 
Telefon 02456 - 3627    
Fax 02456 - 3019


1 Kommentar:

  1. Jesus,  wenn es im Lobpreis heißt  "öffnet die Tore, denn der König kommt"  frage ich mich,  was findest DU vor...
    Ist  "mein Herzenstempel" so überflüssig voll mit Sachen die da nicht hingehören, so wie im Tempel von Jerusalem? 
    Ich bin mir sicher  das es auch bei mir so manchesmal nötig ist richtig aufzuräumen. 
    Weiterhin frage ich mich, was mir DEIN HANDELN im Tempel deutlich machen möchte.
    Es lässt mich erkennen, dass ich im überfüllten Tempel, wo es nur um die Selbstdarstellungen geht von Musikern und Gaukler, oder von der meist bestmöglichst gewinnbringende Geschäftstüchtigkeit, oder es geht darum wer die meiste Kundschaft hat uvm.  Durch all das, wird mir der direkte Blick auf den "Altar- Opferaltar" verwehrt.
    Denn dadurch ist es mir nicht möglich  in deine Gegenwart einzutreten.
    Auch DU Jesus suchst in mir Ruhe, damit meine Beziehung zu Dir wächst, und ich DIR nahe sein darf - nahe sein kann, um soviel wie möglich mit Dir noch tiefer im Miteinander zu sein.

    Deshalb bitte ich DICH JESUS,  reinige mich von allem was nicht notwendig ist, von allem was mich hindert näher zu DIR  zu kommen um DICH anzuschauen.  Amen

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