Freitag, 6. November 2020

Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. (Lk 16,1)

31 Woche im Jahreskreis     Freitag

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 16,1-8

In jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. 

Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein. 

Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich. 

Doch - ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin. 

Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig? 

Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin, und schreib «fünfzig». 

Dann fragte er einen andern: Wieviel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, und schreib «achtzig». 

Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.

 

 

Tagesimpuls:

 

Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen.  (Lk 16,1)

 

Wenn man dieses Evangelium ohne den Kontext liest, ist schwer zu verstehen, was Jesus meint. Aber vorausgegangen war das Evangelium vom verlorenen Sohn, wo der ältere Bruder nicht feiern will, als der Verlorene zurückkehrt. Der Verlorene hatte das Vermögen des Vaters verschleudert. Der Ältere will aufrechnen, er hofft auf eine gerechte Strafe. Aber der Vater rechnet nicht auf, er rechnet nicht ab. Das ist ähnlich wie bei dem Gleichnis der Arbeiter im Weinberg, die alle den gleichen Lohn erhalten. Da wird nicht nach Stunden aufgerechnet. Der Vater liebt alle und er gibt allen, ohne abzuzählen.

 

Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen.

 

Wir finden das ungerecht. Aber wenn man ein unendlich großes Vermögen verschleudert, dann bekommen doch alle genug. Jeder bekommt so viel er will. Ungerecht wäre es doch nur dann, wenn nur eine bestimmte Summe zur Verfügung stünde. Aber so ist es ja nicht. Wir alle haben ein grenzenloses Reservoir an Liebe in uns. Wir können grenzenlos geben. Vielleicht sind unsere menschlichen materiellen Ressourcen nicht grenzenlos. Da müssen wir auf Gerechtigkeit achten. Dazu gibt es Vorgaben der katholischen Soziallehre. Aber was das Verzeihen betrifft, was das Annehmen des Anderen betrifft, was die gegenseitige Liebe betrifft, da müssen wir nicht aufrechnen. Wenn ich jemandem vergebe, dann nehme ich deswegen niemand anderem etwas weg.

 

Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen.

 

Wie oft kommt es vor, z.B. bei Kindern in der Familie, dass aufgerechnet wird. Ein Kind sagt: „Ich habe so viel getan, jetzt müssen meine Geschwister auch mal helfen." Jesus sagt: „Mach das Maß deiner Liebe nicht abhängig davon, wie viel die anderen lieben." Jeder hat andere Ressourcen, andere Fähigkeiten, und vielleicht ist jemand auch wirklich mal faul oder lieblos. Aber deswegen gebe ich selber doch trotzdem, was ich kann. Muss ich mich denn durch den anderen zur Faulheit verleiten lassen? Wenn wir verzeihen und jeden so annehmen, wie er ist, dann werden wir nichts verlieren. Verschleudern wir unser Vermögen! Geben wir Liebe, ohne zu rechnen!

 

Gebet:

Jesus, du hast alles verschleudert. Du hast dich selbst ganz gegeben. Du hast nicht gemeckert über die Ungerechtigkeit in der Welt. Du hast einfach verziehen und geliebt. Hilf uns, dass auch wir unsere Liebe freizügig verschenken!

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 







Roland Bohnen
Pfarrer-Kreins-Str. 2
52538 Selfkant Süsterseel 
Telefon 02456 - 3627    
Fax 02456 - 3019


Kommentare:

  1. Jesus, im heutigen Evangelium versuchst du mir klar zu machen, dass ich nicht für mich alleine lebe. Ich darf von dem Schatz, den ich in mir trage weitergeben. Hier muss ich nicht einteilen, sondern kann aus deiner Liebe heraus großzügig weitergeben. Das erlebe ich auch, zur Zeit, bei vielen Menschen. Für mich ist es wichtig, nicht neidisch auf andere zu schauen, die gerade voll im Einsatz stehen. Ihnen gebührt Anerkennung und Wertschätzung. Aber genau so wichtig ist es, die nicht abzuwerten, die Hilfe benötigen.
    Jesus Christus, ich erlebe in der letzteren Gruppe eine große Dankbarkeit. Auf diese Weise, tragen auch sie einen Schatz in sich, der mich immer wieder beschämt. Im Kontakt mit ihnen, gehe ich oft geheilt nach Hause. Da ich mit meinen eigenen Fehlern in Berührung komme, und in mir Energie frei wird, um in die richtige Spur zu kommen.
    Herr Jesus Christus, du bist voll unerschöpflicher Geduld,
    Lass aus deinem Herzen die Liebe in unsere Herzen fließen und flöße uns Geduld ein, die durch nichts entwaffnet wird. Amen!

    AntwortenLöschen
  2. Jesus, ich darf heute erkennen, dass der "Gewinn des Lebens" nicht in der "Unehrlichkeit" besteht.  Denn wenn ich in meinem vielschichtigen Leben einen "unehrlichen- unfairen" Lebensstil praktiziere,  was habe ich denn dereinst im "Ewigen Leben" zu erwarten.?
    Jesus, wenn  ich mit dem was man mir hier auf Erden anvertraut; 
    • unehrlich, • selbstsüchtig, • gierig und betrügerisch...u.v.m   umgehe, welche Auswirkungen wird das für mein "zukünftiges Leben" haben, und was wirst DU mir dann noch anvertrauen wollen.
    Ich merke, dass die von DIR vorgelebte  "Nächstenliebe" sehr bedeutsam,  und wertvoll, für mein "HEUTIGES- ZUKÜNFTIGES und EWIGES LEBEN " ist.   Danke Jesus!

    AntwortenLöschen