Montag, 26. Februar 2018

Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! (Lk 6,36)

02 Woche der Fastenzeit     Montag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 6,36-38.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!
Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden.
Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.

 

Tagesimpuls:

 

Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! (Lk 6,36)

 

Heute haben wir eine sehr konkrete Aufforderung Jesu. Jeder kann das praktizieren. Jesus hat Recht, denn immer wieder neigen wir dazu, hier auf Erden menschliche Gerechtigkeit einzufordern. Ja, wir streben sogar nach Genugtuung oder Rache. Wir meinen, dass es uns dann besser gehen würde, dass der Schaden, den der andere in unserem Leben angerichtet hat, dann gelindert würde. Im der Schule erzählten mir Schüler, dass in einer Fernsehdokumentation die Familie des Opfers eines Gewaltverbrechens interviewt wurde. Das war in den USA. Die Familie wollte unbedingt bei der Hinrichtung des Täters dabei sein, weil sie sich erhoffte, dass es ihr dann besser ginge. Aber nach der Hinrichtung wurden sie dann wieder interviewt, und sie sagten, dass es ihnen gar nicht besser ginge, dass ihnen das in dieser Hinsicht gar nichts gebracht hätte. Ich selber halte gar nichts von solchen zweifelhaften amerikanischen Doku-Serien, aber ich fand gut, dass die Schüler dadurch darauf gebracht worden sind, dass Rache nicht der Weg ist, um Erleichterung zu bekommen, nachdem man von anderen verletzt worden ist.

 

Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!

 

Jesus weiß, was für uns Menschen der beste Weg ist: Die Barmherzigkeit. Ein befreundeter Priester sagte mal in einer Situation: „Ich mache mir immer klar: Ich kenne nie die Gründe." Egal was einer macht, ich weiß nie genau den Hintergrund. Vielleicht ist er krank und konnte nicht anders, oder für ihn wäre ein Widerstehen gegen die Versuchung ungleich schwerer gewesen, als ich es mir vorstellen kann. Wenn Gott mir die Gnade schenkt, Versuchungen zu widerstehen, dann soll ich dankbar sein. Aber es gibt sehr starke Bindungen in Menschen, die sich dann sehr machtlos und ohnmächtig fühlen. Wir könnten uns außerdem immer an die eigene Nase packen: Habe ich genügend für die Bekehrung der Sünder gebetet? Sind wir als Kirche missionarisch genug, dass wir den Sündern das einzige Heilmittel anbieten, nämlich Jesus Christus? Oder halten wir uns zurück in einer falschen „political correctness", in einer falschen Bescheidenheit, oder sogar in einem falschen theologischen Verständnis, indem wir die ganze Last des Missionarischen auf die Priester abwälzen und denken, dass wir als Laien dafür nicht zuständig seien. Letztlich tragen wir alle immer ein Stück Mitverantwortung für das, was in unserer Gesellschaft geschieht. Damit will ich uns nun keinen Schuldkomplex einreden, aber vielleicht helfen solche Gedanken, einzusehen, dass wir alle Sünder sind. Und wenn dann manche durch besonders böse Taten so etwas wie den Gipfel des Eisbergs darstellen, dann müssen wir doch anerkennen, dass sie nicht die einzigen sind, die gesündigt haben, dass wir selber auch Sünder sind, und das müsste uns doch veranlassen, barmherzig zu sein statt einen Sündenbock zu suchen, an dem man seine Rachegefühle auslassen kann. Wenn wir das Gegrüßet seist du Maria beten, dann beten wir jedes Mal: „Bitte für uns Sünder!" Damit bekennen wir es jedes Mal. Wir sind Sünder! Versuchen wir heute, Barmherzigkeit walten zu lassen gegenüber allen, die uns verletzen oder verletzt haben, in dem Bewusstsein, dass wir alle in einem Boot sitzen.

 

Gebet:

Jesus, du hast Recht. Du forderst Barmherzigkeit und nichts anderes. Kein Verurteilen! Kein Suchen nach Rache oder Genugtuung! Hilf mir, dass ich heute die Barmherzigkeit lebe! Hilf mir, dass ich auch den Menschen verzeihe, die mich früher verletzt haben, in meiner Kindheit und Jugend. Gib, dass ich alle Last dir geben kann, damit ich nichts unnötig mit mir herumschleppe. Danke, dass du uns den Weg zeigst, wie wir wirklich Erleichterung und Glück finden können.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 

 

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