Samstag, 23. Dezember 2017

Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. (Lk 1,29)

04 Sonntag im Advent

 

EVANGELIUM

Lk 1, 26-38

 

26Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret

27zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.

28Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.

29Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.

30Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.

31Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.

32Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.

33Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.

34Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?

35Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.

36Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.

37Denn für Gott ist nichts unmöglich.

38Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

 

 

Tagesimpuls:

 

Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.  (Lk 1,29)

 

Wenn Gott in einer neuen, intensiveren Form in unser menschliches Leben eintritt, dann führt das dazu das wir Menschen zunächst erschrecken. Das ist sogar bei Maria der Fall, die ohne Sünde war, die also keinerlei Vorbehalte gegen Gott hatte. Wie viel mehr ist es dann bei uns! Ich glaube, es liegt daran, weil Gott uns die menschliche Sicherheit nimmt. Normalerweise können wir die Abläufe um uns herum mehr oder weniger bestimmen. Natürlich, wir können nicht alles bestimmen, z.B. das Wetter oder unsere Gesundheit können wir nicht machen. Aber vieles haben wir unter Kontrolle, und wir bemühen uns darum, dass nicht so viel Außergewöhnliches, Unkontrollierbares auf uns zukommt. Aber das, was auf uns zu kommt, was wir nicht bestimmen können, macht uns zunächst irgendwie Angst. Wenn ich z.B. ruhig in meinem Zimmer sitze, und auf einmal bewegt sich etwas auf unerklärliche Weise, dann macht das Angst. Und so ähnlich ist es, wenn Gott auf einmal wirklich lebendig wird, wenn er mehr wird als nur ein Gedanke in meinem Kopf, wenn er wirklich beginnt zu handeln in meinem Umfeld in einer Weise, wie er es normalerweise bisher nie getan hatte, dann macht das zunächst Angst. Und so können wir verstehen, dass Maria erschreckt.

 

Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.

 

Wenn dieser anfängliche Schrecken auch völlig normal ist, wenn Gott einen Menschen tiefer berührt, dann ist es doch von großer Bedeutung, wie man nun darauf reagiert. Maria „überlegt". Das macht Maria immer wieder. Sie denkt darüber nach. Sie erwägt es in ihrem Herzen. Und dann tritt sie in einen Dialog mit Gott (bzw. hier mit dem Engel). Eine andere Reaktion hätte sein können, dass sie es abgelehnt hätte. Manche Menschen reagieren so. Sie sagen: „Ich will damit nichts zu tun haben." Ich denke z.B. an Menschen, wenn sie zum ersten Mal in eine charismatische Veranstaltung kommen. Die Nähe Gottes und sein Wirken sind sehr spürbar. Da ist etwas, das berührt, dem man sich nicht entziehen kann. Und dann erschrecken die Menschen, aber sie lehnen es ab. Sie sagen: „Das ist eine Sekte." In Wirklichkeit ist es Gott, der anklopft an die Tür des Herzens. Das Erschrecken wäre normal. Aber die Reaktion muss man bedenken. Maria erschrak auch. Aber sie beginnt, nachzudenken, nicht zu verurteilen, nicht abzuwehren. Man kann den Dialog, den Maria mit dem Engel geführt hatte, auch mit einem anderen kompetenten Menschen führen. Man kann sich intensiv erklären lassen, was hier vor geht, was hier geschieht, was in einem selbst geschehen ist. Das Nachdenken und das Gespräch führen bei Maria zum Ja, zum „Fiat" (lateinisch, zu deutsch: „Mit geschehe nach deinem Wort"). So sollte es auch bei uns sein. Es wäre schade, wenn das Wirken Gottes, sobald er beginnt, intensiver in unserem Leben zu wirken, in uns auf Ablehnung stoßen würde. Im Gegenteil: wir sollten uns nach einem intensiveren Wirken Gottes in unserem Leben sehnen, damit Gottes Erlösungshandeln sich noch mehr durch uns in unserer Welt verbreiten kann.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir für Maria, die das göttliche Wirken angenommen hat, obwohl sie zunächst erschrocken war. Jesus, hilf uns, dass auch wir das Übernatürliche annehmen, ja sogar ersehnen. Nichts ersehnst du mehr, als in unserer Welt noch mehr wirken zu können. Nein, wir wollen dein Wirken nicht ablehnen, auch wenn wir zu Beginn noch lange nicht alles verstehen. Wir wollen über alles, was uns komisch vorkommt, nachdenken, mit dir reden, und auch mit kompetenten Menschen reden. Hilf uns, dass wir in die Haltung Marias kommen, die das göttliche Wirken ganz annehmen konnte.

 

 

Pastor Roland Bohnen

www.tagesimpuls.org

 

 

 

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