Sonntag, 24. Dezember 2017

Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. (Lk 2,7)

24 und 25 Dezember –  WEIHNACHTEN (Heilige Nacht und Erster Weihnachtstag)

 

EVANGELIUM                                                                                                     Lk 2, 1-14

 

1In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.

2Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien.

3Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.

4So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.

5Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.

6Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft,

7und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

8In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.

9Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr,

10der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll:

11Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.

12Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.

13Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:

14Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.

 

 

Tagesimpuls:

 

Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.  (Lk 2,7)

 

Weihnachten bedeutet, dass Gott seinen Sohn in die Dunkelheit unserer Welt sendet. Ich stelle es mir manchmal so vor, als hätten die göttlichen Personen im Himmel darüber gesprochen, wie man den Menschen helfen könnte. Und dann hätte Jesus gesagt: „Ich geh zu ihnen." Und der Vater hätte geantwortet: „Bist du sicher, dass du das willst? Weißt du, was die mit dir machen werden? Da unten herrscht Mord und Totschlag." – „Aber deswegen will ich ja gehen", hätte Jesus dann geantwortet. „Ich will ihnen unsere göttliche Liebe zurück bringen." Jesus ist also bewusst in die Dunkelheit hineingegangen. Er wusste, was auf ihn zukommt.

 

Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

 

Und bei der Geburt fing es schon an. Die Menschen wollen ihn gar nicht, sie haben keinen Platz für ihn. Er ist nicht willkommen. Er wird abgelehnt. Über seine Kindheit wissen wir nichts. Ob man aus der Tatsache, dass er sich so gern im Tempel aufhielt, schließen kann, dass er sich dort wohler fühlte als bei seinen Kameraden? Wurde Jesus vielleicht auch von seinen Mitschülern „gemobbt", wie es heute vielen Jugendlichen geht? Wir wissen, dass es in der Welt viel Dunkelheit gibt, und dass Jesus diese Dunkelheit von Anfang an zu spüren bekommen hat, wie wir auch. Aber er wollte in unsere Welt gehen, um uns das Licht zurück zu bringen, und er wusste den Preis, den es ihn kosten würde.

 

Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

 

Aber kommen wir nun zu uns! Auch wir sind in die Welt gesandt, auch wir bekommen die Dunkelheit, die Ablehnung zu spüren. Wir wurden aber vorher nicht gefragt. Das war nicht möglich, weil es uns vorher noch nicht gab. Wir werden jetzt gefragt, ob wir Ja sagen zu unserem Leben in dieser Welt, mitten in der Dunkelheit, ob wir Ja sagen zu unserer Aufgabe, Licht in die Welt zu bringen, Jesus zu bezeugen, unsere Liebe zu schenken. Wir haben alle schon die Dunkelheit, die Ablehnung erfahren, das Verletzt-Werden durch andere Menschen, den Schmerz. Jeder von uns kennt es, vielleicht in unterschiedlichem Ausmaß. Und wie reagieren wir? Sage ich zu Gott: „Warum hast du mich in dieses Leben gestellt? In diese Familie? Zusammen mit diesen Menschen, die mir so weh getan haben?" Oder kann ich mein Leben annehmen aus seiner Hand? Kann ich Ja sagen zu dieser Welt wie Jesus, wie Maria? Kann ich Ja sagen zu genau dieser Familie, in die ich hinein geboren wurde? Kann ich meine Aufgabe annehmen, das Licht der Versöhnung, der Liebe und der Hoffnung mitten in die Dunkelheit zu bringen, auch wenn es mich viel kostet?

 

Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

 

Weihnachten heißt: Gott sagt Ja zur Welt, und damit zu uns, auch wenn wir manchmal schrecklich sind. Und ich sage Ja zur Welt, zu meinen Mitmenschen, zu meiner Familie, sogar zu der Dunkelheit, in die ich hineingestellt bin. Ich sage Ja, weil ich weiß, dass das Licht der Hoffnung stärker ist als die Dunkelheit. Gott würde die Welt nicht bestehen lassen, wenn es keine Hoffnung gäbe, wenn die Liebe nicht stärker wäre. Die Dunkelheit gibt es, aber sie wird nicht das letzte Wort haben. Am Ende wird die Liebe triumphieren, und unsere Leben hat diesen einen Sinn: Den Triumph der göttlichen Liebe zu bezeugen!

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir so sehr, dass du in diese Welt gekommen bist. Du hast Ablehnung, Schmerz und Leiden auf dich genommen, weil du wusstest: Die Liebe ist stärker als jede Dunkelheit. Bitte hilf mir, so wie du Ja zu sagen zur Welt, auch wenn ich viel verletzt worden bin, schon seit meiner Kindheit. Aber ich will dir dankbar sein für dieses Leben und dafür, dass ich deine Liebe bezeugen kann. Lass uns alle erleben, wie deine Liebe immer wider triumphiert über das Dunkel, dass wir mit deiner Hilfe das Leben hier auf Erden heller machen können.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

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