Mittwoch, 7. April 2021

Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. (Joh 20,17)

Osteroktav    Mittwoch

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Joh 20,11-18

In jener Zeit stand Maria draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. 

Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. 

Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. 

Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. 

Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. 

Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. 

Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. 

Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.

 

 

Tagesimpuls:

 

Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.  (Joh 20,17)

 

Maria bekommt von Jesus Trost in ihrer Trauer und einen Auftrag. Dass es ein Prozess ist, bis sie Jesus in ihrer Trauer richtig erkennt, hatten wir in den vergangenen Tagen schon erwähnt. So ist es ja bei jedem von uns. Wenn wir trauern, dauert es, bis wir zu der intensiven Begegnung mit Jesus vorstoßen. Manche Trauerprozesse sind auch nicht abgeschlossen. Dann gibt es so etwas wie einen Schatten über der Seele, eine Bitterkeit, eine Dunkelheit, bis dann – möglicherweise erst nach Jahren – ein Durchbruch kommt, oft verbunden mit Tränen, ein Loslassen, und dann eine ganz neue und tiefere Begegnung mit dem auferstandenen Jesus. Zuvor hatte es dann meistens auch Zeiten gegeben, wo die trauernde Person Jesus das ganze Leid, die Wut und die Not geklagt hatte. Daher ist Jesus Frage: „Wen suchst du?" nicht unwichtig. Maria muss erst ihr Leid klagen, bevor sie in neuer Weise zu Jesus durchdringen kann.

 

Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.

 

Wie viele Menschen haben den Trost erfahren dürfen, den Jesus in der Trauer spendet, nachdem man diesen notwendigen Prozess durchlaufen ist! Aber dann kommt eine zweite Sache: Die Trauernde bekommt einen Auftrag, eine Aufgabe. Wir alle brauchen eine Aufgabe, eine Mission, eine Sendung. Aber durch die Erfahrung des Todes kommt häufig ein Gefühl der Sinnlosigkeit in unser Leben. Wir fragen uns: „Wozu lebe ich denn überhaupt noch? Was macht mein Leben jetzt noch für einen Sinn?" Wir brauchen diese neue Aufgabe von Jesus! Unser Leben hat immer einen Sinn. Jesus schenkt uns diesen Sinn. Und es ist lebensnotwendig, dass wir von Jesus her diesen Sinn erkennen. Sogar ein Sterbenskranker bekommt von Jesus die Aufgabe, diese Zeit sinnvoll zu machen. Wie sinnvoll diese letzte Lebensphase ist, wird deutlich, wenn wir an das Rosenkranzgebet, aber auch an viele andere Gebete, denken. Wie oft haben wir wiederholt: „Jetzt, und in der Stunde unseres Todes." Die Tradition wusste, wie sinnvoll, wie wichtig diese allerletzte Lebensphase ist. Der Wunsch nach Euthanasie in unserer Gesellschaft ist die Verweigerung, diesen Sinn anzuerkennen. Aber jeder Tag, den Gott uns auf dieser Erde schenkt, hat einen Sinn, den er von ihm bekommt, und den wir erkennen können. Wir haben immer eine Aufgabe von Jesus, die wir ausleben sollen. Und diese Aufgabe, diesen Sinn zu erkennen, ist die Quelle für unser Glück.

 

Gebet:

Jesus, du schenkst uns in unserer Trauer eine neue Begegnung mit dir, und eine Aufgabe, einen Sinn. Aber viele Trauerprozesse sind noch nicht abgeschlossen. Viele Menschen sind noch nicht an diesem Punkt, wo sie dich tiefer erkannt haben, und wo sie ihre Lebensaufgabe erkennen. Jesus hilf uns, ganz frei zu werden von den falschen Lasten der Trauer, sei es über den Tod lieber Menschen, sei es über zerbrochene Beziehungen oder über große Enttäuschungen. Hilf uns, frei zu werden für die Begegnung mit dir und für das Erkennen der Aufgabe, die du uns schenkst.

 

 

Pastor Roland Bohnen 

www.tagesimpuls.org

 

 

 








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1 Kommentar:

  1. Jesus, wenn ich im heutigen Evangelium sehe wie Maria  weint, so bin ich froh  manchesmal  nicht allein zu sein, wenn ich weine. (egal warum oder um wen oder was  ich weine)
    So wie Maria, will auch ich nicht in "meinen Tränen gefangen" bleiben. Ich will "heraus" und ich suche solange, bis ich weiss wo ich mit meinen Tränen hingehen kann.
    Ich will "heraus aus meiner Trauer -  heraus aus dem Tränenbad meiner traurigen und depressiven Gefühle"  um DICH zu  finden, und ich "sehne" mich danach zu "hören" wie DU meinen Namen aussprichst.
    Das ist mein Glaube, 
    dass ist meine Hoffnung,
    dass ich an den glaube,  der "wahrhaft auferstanden ist"  an JESUS CHRISTUS
    Amen

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