Samstag, 22. Juli 2017

Lasst beides wachsen bis zur Ernte. (Mt 13,30)

16 Sonntag im Jahreskreis

 

EVANGELIUM 

Mt 13, 24-43

 

In jener Zeit

24erzählte Jesus der Menge das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.

25Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg.

26Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.

27Da gingen die Knechte zum Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Weizen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut?

28Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen?

29Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus.

30Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich zu den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündeln, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.

31Er erzählte ihnen ein weiteres Gleichnis und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte.

32Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hoch gewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, so dass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.

33Und er erzählte ihnen noch ein Gleichnis: Mit dem Himmelreiche ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war.

34Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge durch Gleichnisse; er redete nur in Gleichnissen zu ihnen.

35Damit sollte sich erfüllen, was durch den Propheten gesagt worden ist: Ich öffne meinen Mund und rede in Gleichnissen, ich verkünde, was seit der Schöpfung verborgen war.

36Dann verließ er die Menge und ging nach Hause. Und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker.

37Er antwortete: Der Mann, der den guten Samen sät, ist der Menschensohn;

38der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut sind die Söhne des Bösen;

39der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Arbeiter bei dieser Ernte sind die Engel.

40Wie nun das Unkraut aufgesammelt wird und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt sein:

41Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben,

42und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.

43Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!

 

 

Tagesimpuls:

 

Lasst beides wachsen bis zur Ernte. (Mt 13,30)

 

Wir alle haben beides in uns, Unkraut und Weizen. Wir wären froh, wenn wir das Unkraut ganz loswerden könnten, und gewiss ist es so, dass der Herr uns Schritt für Schritt befreit. Aber wir sind noch nicht vollkommen, noch nicht ganz heilig, obwohl wir eine große Sehnsucht danach haben. Der Herr reißt das Unkraut noch nicht aus, denn alles hat seine Zeit.

 

Lasst beides wachsen bis zur Ernte.

 

Das soll uns nicht zu einer Einstellung des Laissez Faire verleiten. Unsere Sehnsucht spielt eine sehr große Rolle. Wenn wir es aufgeben, nach dem Guten zu streben, dann entscheiden wir uns für den Unglauben, wir bleiben Spielball des Bösen. Auch wenn wir in uns feststellen, dass das Unkraut sich nicht so einfach ausreißen lässt, so dürfen wir dennoch das Streben und die Sehnsucht nach dem Guten nicht aufgeben. Je mehr wir uns nach Heilung und Befreiung sehnen, je mehr wir sie von Gott erbitten, umso mehr öffnen wir uns für das Geschenk, das er uns dann machen kann. Das Ausreißen des Unkrauts ist ein absolutes Geschenk Gottes, aber unsere Sehnsucht und unser Gebet sind wichtige Voraussetzungen. Ich habe ein sehr schönes kurzes Gebet kennengelernt: „Reiße alle bitteren Wurzeln aus!" (Vgl. dazu Heb 12,15)

 

Lasst beides wachsen bis zur Ernte.

 

Das Sonntagsevangelium mahnt uns zu Geduld und Gelassenheit mit uns selber, und somit auch mit anderen Menschen. Wenn bei mir das Unkraut nicht so ohne weiteres ausgerissen werden kann, dann ist dies bei allen Menschen der Fall. Wir brauchen Geduld mit uns und mit anderen. Schenken wir also uns selber und den anderen viel Barmherzigkeit! Und zugleich bleiben wir intensiv dran an Jesus, dass wir die Heilung ersehnen und erbitten, damit wir die Türen groß öffnen dafür.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir von ganzem Herzen, dass du so viel Barmherzigkeit mit uns hast. Du hast Geduld. Für dich muss nicht alles in einem Augenblick passieren. Du siehst unseren guten Willen, und dass wir auf dem richtigen Weg sind, auch wenn das Ziel noch nicht erreicht ist. Hilf uns, Geduld miteinander zu haben und einander Barmherzigkeit zu schenken. Und erfülle unsere großes Sehnsucht nach Heilwerden, und gib, dass wir nicht nachlassen darin, uns nach dem Guten zu sehnen.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

 

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