Samstag, 24. Juni 2017

Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. (Mt 10,26)

 12 Sonntag im Jahreskreis

 

EVANGELIUM

Mt 10, 26-33

 

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:

26Fürchtet euch nicht vor den Menschen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.

27Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern.

28Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann.

29Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters.

30Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.

31Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.

32Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen.

33Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.

 

 

Tagesimpuls:

 

Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. (Mt 10,26)

 

Vieles ist jetzt noch verhüllt. Die Menschen verstehen es nicht. Und wenn wir wissen, dass die Menschen es nicht verstehen, dann denken wir, dass es auch keinen Sinn macht, es zu erklären. Daher schweigen wir sehr oft. So geht es mir wenigstens. Aber Jesus sagt, dass es alles offenbar werden wird. Und wir sollen auch über das reden, was noch verborgen ist. Wenn wir nicht reden, wie sollen es die Menschen denn jemals verstehen?

 

Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.

 

Wir müssen also in den sauren Apfel beißen und reden in dem vollen Bewusstsein, dass die Menschen es im Moment noch nicht verstehen. Aber unsere Rede wird ein kleiner Beitrag sein dazu, dass es ihnen zu gegebener Zeit offenbar wird. Es ist vielleicht so, wie wenn ein Lehrer in seiner Klasse ein neues Thema anfängt. Er weiß, dass es in den ersten Minuten für die Schüler sehr schwer sein wird, zu folgen. Zunächst werden sie kaum etwas kapieren. Aber irgendwie muss er ja beginnen, und nach und nach kommen die Schüler dann mit.

 

Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.

 

Viele kontroverse Themen sind emotional besetzt. Darin sehe ich – ehrlich gesagt – das Wirken des Teufels, der nicht will, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Wir sollen Angst haben, die Wahrheit zu verkünden, weil wir befürchten, dass Menschen sich sehr darüber aufregen und uns ablehnen werden. Dann neige ich zu menschlichen Strategien, nach dem Motto: „Wie sag ich's meinem Kinde?" Aber mehr und mehr erkenne ich, dass das nicht unbedingt richtig ist. Die göttliche Strategie des Heiligen Geistes ist häufig so, dass er es in Kauf nimmt, dass die Menschen sich zunächst aufregen. Ich darf das nicht abmildern wollen, und außerdem mache ich die Erfahrung, dass ich es sowieso nicht kann. Selbst wenn ich mich bemühe, noch so gewählte Worte zu gebrauchen, damit sich keiner aufregt, passiert es doch immer wieder, und vor allem sogar an Stellen, wo ich gar nicht damit gerechnet habe.

 

Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.

 

Ich lerne also, mich mehr an die göttlichen Strategien anzupassen, aber es kostet eine Menge Überwindung. Man kann es auch viel einfacher sagen: Es kostet eine Menge Mut, aber diesen Mut fordert Jesus von uns.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir für deine klaren Worte. Auch die verborgenen Dinge sollen wir mutig sagen, in dem vollen Bewusstsein, dass viele es nicht verstehen und sich ärgern werden. Aber du machst Mut: Es wird offenbar werden, und dabei ist es wichtig, dass wir es gesagt haben. Es kann gar nicht offenbar werden, wenn wir schweigen. Du bist auf unseren Beitrag bei der Offenbarung angewiesen, auch wenn das für uns schmerzhaft ist. Daher bitte ich dich: Schenke mir immer mehr Mut, dass ich offen rede und meine menschlichen Strategien, die mir sowieso nicht helfen, loslasse.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

 

 

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