Freitag, 17. März 2017

Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um. (Mt 21,39)

02 Woche der Fastenzeit – Freitag

 

‪Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt ‪21,33-43.45-46.

‪In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes: Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land.

‪Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen.

‪Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie.

‪Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erstemal; mit ihnen machten sie es genauso.

‪Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben.

‪Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben.

‪Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.

‪Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun?

‪Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.

‪Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder?

‪Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt.

‪Als die Hohenpriester und die Pharisäer seine Gleichnisse hörten, merkten sie, dass er von ihnen sprach.

‪Sie hätten ihn gern verhaften lassen; aber sie fürchteten sich vor den Leuten, weil alle ihn für einen Propheten hielten.

 

 

Tagesimpuls:

 

Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um. (Mt 21,39)

 

Jesus kritisiert das Verhalten der Juden, die ihn, den Sohn des Weinbergbesitzers aus seinem Eigentum hinauswerfen und umbringen. Im Johannesprolog heißt es: „Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf" (Joh 1,11). Wir können dieses Evangelium aber auch auf unsere Situation übertragen, auf die Kirche. Die Kirche ist sein Eigentum, aber auch hier können wir ihn hinauswerfen. Das kann dadurch geschehen, dass wir ihn einfach ignorieren. Es kann aber auch dadurch geschehen, dass wir ganz bewusst seine Gebote ignorieren, weil sie uns vielleicht als nicht mehr zeitgemäß erscheinen, weil wir selber gern anders leben wollen, einfach weil sie uns stören. Das Leben der Kirche funktioniert äußerlich auch weiterhin, wenn wir Jesus hinausgeschmissen haben. Man kann alle Rituale vollziehen, auch wenn man nicht an Jesus glaubt oder nicht an ihn denkt. Meines Erachtens ist das immer eine große Gefahr für die Kirche, nicht nur für das Volk Israel zur Zeit Jesu.

 

Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.

 

Ich glaube, wir können Jesus auch aus unserem Leben hinauswerfen. Das geht ähnlich. Entweder wir beachten ihn einfach nicht, vergessen ihn, oder wir distanzieren uns von ihm, weil wir uns in diesem oder jenem Lebensbereich nichts von ihm sagen lassen wollen, weil es uns einfach stört, was Jesus von uns erwartet. Aber wir machen das nicht offensichtlich. Im Gegenteil, wir belügen uns dabei selber. Wir sagen nicht etwa: „In diesem Bereich distanziere ich mich von Jesus." Wir behaupten vielmehr: „Jesus hat das so nicht gemeint. Das ist eine engstirnige Auslegung der Kirche (selbst wenn es in so in der Bibel steht!), an die man sich heute nicht mehr halten muss."

 

Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.

 

Wenn wir immer und überall Jesus in unser Leben aufnehmen würden, wenn wir ihn  nie hinauswerfen würden, dann wären wir heilig. Wir alle machen Fehler, wir alle leben manchmal so, dass wir ihn nicht beachten, oder dass wir uns nicht an seine Gebote halten. Aber meines Erachtens nach wäre es dann besser, dass wir ehrlich bleiben und zugeben, dass wir schwach sind. Wir sollten auf keinen Fall das, was schlecht ist, gut nennen und uns selbst belügen. Dann bleiben wir in Verbindung mit Jesus, auch wenn wir schwach sind und sündigen. Wenn wir ehrlich unsere Schuld bereuen, dann nehmen wir ihn wieder auf in unser Leben, dann bekommt er wieder seinen Platz in unserem Herzen.

 

Gebet:

Jesus, ich bitte dich um Verzeihung, dass ich dich immer wieder hinausgeworfen habe aus deinem Eigentum. Bitte verzeih uns auch, wo wir dich als Kirche gemeinsam hinausgeworfen habe. Hilf uns, ehrlich zu bleiben. Ich will dich heute aufnehmen in mein Leben. Ich will dein Eigentum sein, auch wenn mir bewusst ist, wie schwach ich bin. Hilf mir, dass ich heute so lebe, dass du immer in mir bleibst.

 

 

Pastor Roland Bohnen