Samstag, 11. März 2017

Herr, es ist gut, dass wir hier sind. (Mt 17,4)

02 Sonntag der Fastenzeit

 

EVANGELIUM

Mt 17, 1-9

 

In jener Zeit

1nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg.

2Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht.

3Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus.

4Und Petrus sagte zu ihm: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.

5Noch während er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.

6Als die Jünger das hörten, bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden.

7Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf, habt keine Angst!

8Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus.

9Während sie den Berg hinab stiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

 

 

Tagesimpuls:

 

Herr, es ist gut, dass wir hier sind. (Mt 17,4)

 

Es gibt Momente, die wir am liebsten festhalten wollen, Stunden des Glücks, die nicht vorüber gehen sollten. Ich erinnere mich an schöne Momente aus meiner Kindheit beim Feiern in der Familie, bei denen wir Lieder gesungen haben. Irgendwann stimmte einer das Lied an: „So ein Tag, so wunderschön wie heute, so ein Tag, der dürfte nie vergeh'n." Ich konnte diesem Text voll und ganz zustimmen, er drückte genau das aus, was ich in diesem Augenblick empfand. Ähnlich muss es Petrus ergangen sein in diesem Moment auf dem Berg, als die Gegenwart Gottes so nah war, wie er sie vielleicht zuvor noch nie verspürt hatte. Er wollte bleiben, er wollte den Augenblick für immer festhalten.

 

Herr, es ist gut, dass wir hier sind.

 

Kennen wir solche Momente? Kennen wir solche Momente mit Gott, die wir am liebsten festhalten möchten? Ist die Eucharistie für uns so ein Moment? Wenn die Messe zu Ende ist, dann erlebe ich oft genau das Gegenteil. Menschen strömen so schnell sie können hinaus, fast so, als wäre Feueralarm in der Kirche. Aber manchmal erlebe ich es auch anders. Dann rennen die Leute nicht weg, dann haben sie noch Zeit, begrüßen vielleicht noch jemanden, oder sie verweilen noch in stiller Danksagung. Ich wäre froh, wenn unsere Gottesdienste echte Feiern werden könnten, wo die Menschen nicht auf die Uhr schauen, sondern wo sie bleiben möchten, weil es so schön ist.

 

Herr, es ist gut, dass wir hier sind.

 

Ist dies ein unrealistischer Anspruch? Läuft es letztlich doch immer darauf hinaus, dass das Gebet eine Sache der Selbstdisziplin ist, wo man sich überwinden muss, es zu tun? Der Aspekt der Selbstdisziplin ist sicher richtig, vor allem am Anfang, wo man die Versuchung überwinden muss, die einen immer wieder vom Gebet oder Gottesdienst abhalten will. Aber mit der Hilfe des Heiligen Geistes müsste man doch immer wieder an diesen Punkt kommen, wo das Gebet Freude macht, wo man bleiben will in der Gegenwart Gottes, wo man in eine Tiefe kommt, wo man die Versuchung überwunden hat. Bei Jesus in Gethsemane war es auch so. Zunächst kämpfte er mit den Versuchungen, aber schließlich kamen Engel und dienten ihm.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du die Jünger auf dem Berg in die Tiefe der Erfahrung der Gegenwart Gottes geführt hast. Ich danke dir für alle Glückserfahrungen, die ein Vorgeschmack auf den Himmel sind. Ich danke dir für alle Menschen, die im Gebet und in den Gottesdiensten die Tiefe der göttlichen Gegenwart erleben und bleiben wollen. Ich danke dir aber auch für die Menschen, die ungeduldig auf die Uhr schauen, und ich bitte für sie, dass sie doch auch deine Nähe und Gegenwart erleben mögen. Bitte hilf uns allen, immer wieder in die Tiefe der Gegenwart Gottes einzutauchen, so dass wir in diesen Momenten nichts anderes wollen als bei dir zu bleiben.

 

 

Pastor Roland Bohnen