Montag, 26. Juni 2017

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! (Mt 7,1)

12 Woche im Jahreskreis – Montag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 7,1-5.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!
Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden, und nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden.
Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?
Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! - und dabei steckt in deinem Auge ein Balken?
Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.

 

Tagesimpuls:

 

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!  (Mt 7,1)

 

Es ist eine Sache, die immer wieder vorkommt. Wir richten in Gedanken und in Worten über andere Menschen. Immer, wenn uns etwas nicht gefällt, was andere machen, dann richten wir über sie. Dabei versteht sich, dass die anderen meist wirklich Dinge tun, die mit Gottes Geboten nicht vereinbar sind. Wir richten über Menschen, die etwas tun, was sie nicht sollen. Und genau deswegen ärgert es uns.

 

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!

 

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen können wir uns täuschen. In Wirklichkeit sündigt der andere nicht, nur wir haben sein Handeln nicht verstanden. Es gibt so viele Situationen, wo Menschen in Konflikten stehen und Entscheidungen treffen, die sie anderen Menschen nicht erklären können. Für die anderen erscheint das dann nicht akzeptabel, aber wenn wir wüssten, was der weiß, der in der Situation drinsteckt, dann würden wir anders darüber denken.

 

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!

 

Die andere Möglichkeit ist, dass wir wirklich Recht haben mit unserem Urteil. Was der andere tut, ist falsch, und da gibt es nichts zu deuten oder zu erklären, es ist einfach falsch. Aber auch das gibt uns kein Recht zu richten. Wenn wir den anderen richten, dann sind wir nicht besser als er. Das Richten ist in gewisser Weise ein Heimzahlen mit gleicher Münze, eine Art Rachefeldzug gegen den andern. Das bringt nichts. Es bringt nur bittere Wurzeln, die wir in unser Herz säen. Diese bitteren Wurzeln werden uns auf die Dauer immer mehr die Freude nehmen, sie ersticken das Leben des Reiches Gottes in uns. Richtende und urteilende Gedanken sind nie gut, sie vergiften das Herz.

 

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!

 

Was sollen wir stattdessen tun? Vergeben, lieben, für den anderen beten, ihn segnen! Damit helfen wir uns und dem anderen. Damit bringen wir die Liebe zurück in die Welt, die der andere vielleicht weggenommen hat. Jemand nimmt Liebe weg, verweigert Liebe, wodurch die Liebe in der Welt weniger wird. Unsere Antwort darauf ist, dorthin die Liebe zu bringen, wo sie fehlt: Hinein in das Dunkel. Besser als über das Dunkel zu klagen und den anderen zu richten, ist es, dort hinein das Licht der Liebe zu bringen. Mit Gebet, Fürbitte, Segnen können wir schon viel Liebe bringen. Oft wird es sogar so sein, dass wir die Menschen, für die wir beten, immer mehr lieben und nach Wegen suchen, wie wir ihnen Gutes tun können.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir von ganzem Herzen, dass ich Liebe in die Welt bringen kann. Du hast mein Herz mit Liebe gefüllt. Ich muss nicht richten und urteilen über andere. Bitte hilf mir, dass ich heute keine urteilenden Gedanken habe, nichts Urteilendes ausspreche, dass es keine bittere Wurzel in meinem Herzen gibt. Auch mich selbst will ich nicht verurteilen, sondern auch bei mir immer sofort die Liebe zurückbringen, wo sie gefehlt hat.

 

 

Pastor Roland Bohnen