Donnerstag, 17. August 2017

Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? (Mt 18,33)

19 Woche im Jahreskreis – Donnerstag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 18,21-35.19,1.

In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Sieben Mal?
Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.
Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen.
Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war.
Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen.
Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen.
Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld.
Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist!
Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen.
Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt hatte.
Als die übrigen Diener das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war.
Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast.
Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?
Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe.
Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt.
Als Jesus diese Reden beendet hatte, verließ er Galiläa und zog in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordan.

 

Tagesimpuls:

 

Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?  (Mt 18,33)

 

Ich erlebe mich oft dabei, dass ich andere kritisiere, meistens in Gedanken, manchmal rede ich mit Dritten darüber, sozusagen um mir Luft zu machen. Meistens sind das sehr unbedeutende Dinge, daher will ich sie nicht offen ansprechen. Mir ist bewusst, dass ich eigentlich gar nicht das Recht habe, so negativ zu denken. Denn jeder Mensch ist anders. Andere Menschen machen Dinge eben anders als ich. Auch wenn es mich irgendwie stört, habe ich nicht das Recht, mich und meine Art als Maßstab aufzustellen und den anderen zu kritisieren.  Manchmal macht der andere wirklich einen Fehler, den man nicht hätte machen sollen. Aber auch dann sollte ich mich nicht darüber stellen und ihn kritisieren, auch nicht in Gedanken.

 

Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?

 

Jesus fordert uns auf zur Barmherzigkeit miteinander. Und er warnt uns deutlich, dass wir so lange den „Folterknechten" ausgeliefert sein werden, bis wir damit aufgehört haben, andere zu kritisieren. Das ist jetzt natürlich meine Interpretation in Bezug auf mein oben geschildertes Beispiel. Aber ich glaube, es ist richtig. Wenn wir nicht barmherzig mit unseren Mitmenschen sein können, wenn wir sie nicht tolerieren können, so wie sie sind, dann quälen wir uns selbst, und der Teufel kann uns quälen. Ein Priester sagte einmal: „So lange, wie wir dem anderen nicht seine Fehler verzeihen, geben wir dem Teufel selber den Stock in die Hand, mit dem er uns schlagen darf." Und mit fällt heute auf: Ob es große Schuld ist, die der andere mir gegenüber auf sich geladen hat, oder ob es die kleinen Dinge sind, die mich (zu Recht oder zu Unrecht) am anderen stören, so lange ich nicht barmherzig mit ihm sein kann oder will, quäle ich mich selbst, liefere ich mich unnötigen Qualen aus.

 

Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?

 

Jemand erzählte einmal von einer Übung in einem Ehevorbereitungsseminar. Da sollte man die fünf Dinge aufschreiben, die einen am meisten am anderen stören. Jeder der Teilnehmer dachte dabei, dass nachher irgendetwas zu diesen fünf Punkten besprochen würde. Aber zur großen Überraschung hieß es dann, man solle sich vornehmen, ab jetzt diese fünf Punkte einfach zu akzeptieren und sich nie mehr darüber aufzuregen. Ich glaube, so ist der Weg. Quälen wir uns nicht weiter mit dem ständigen Kritisieren der Fehler anderer! Lassen wir unser Herz groß sein mit Hilfe der Gnade Gottes! Schenken wir einander Barmherzigkeit!

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du uns einen echten Frieden schenken willst. Du willst, dass wir froh sind und uns nicht selber quälen durch negatives Denken und gegenseitiges Kritisieren. Hilf mir, dass ich meine Mitmenschen so akzeptiere, wie sie sind, auch mit dem, was mich manchmal stört, sei es zu Recht oder zu Unrecht. Jesus, heute will ich mir vornehmen, barmherzig zu sein.

 

 

Pastor Roland Bohnen