Freitag, 2. Juni 2017

Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? (Joh 21,17)

07 Woche der Osterzeit – Freitag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Jn 21,1.15-19.

In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!
Zum zweitenmal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
Zum drittenmal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum drittenmal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebhabe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.
Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

 

Tagesimpuls:

 

Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? (Joh 21,17)

 

Dieses Evangelium hat sehr viele wichtige Aspekte. Ich möchte gern einen einzigen Gedanken herausstellen, der vielleicht nicht unbedingt der Hauptaspekt ist. Jesus will von uns hören, dass wir ihn lieben. Er wünscht sich, eine Liebeserklärung zu hören. Das erinnert mich an Paare, wo einer der Partner, meist ist es die Frau, nach dieser Liebeserklärung des anderen Partners verlangt, oder irgendwie darauf hofft. Jesus will es aus unserem Mund hören. Er wartet darauf. Und er will es nicht nur einmal hören, er will es öfter hören. Es fühlt sich so an – wenn man sich jetzt wirklich einmal nur auf diesen einen Aspekt konzentriert – als wenn Jesus geradezu lechzte nach unserer Liebe und nach dieser Liebeserklärung.

 

Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?

 

Aber damit macht man sich auch schwach. Damit macht man sich abhängig vom anderen. „Cool" wäre, wenn man das nicht bräuchte. Aber es scheint so, als wenn Jesus das braucht. „Bitte sag mir, dass du mich liebst, dass du mich wirklich liebst!", so hören wir es aus seinem Munde. Ja, tatsächlich ist es so. Jesus macht sich schwach. Wir Menschen sind seine Schwäche. Da hört scheinbar die Souveränität Gottes auf. Da bettelt Jesus um unsere Liebe.

 

Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?

 

Eine Heilige fragte Jesus einmal, warum sie denn noch beten solle, wenn Jesus sowieso alles weiß. Darauf antwortete er: „Ich möchte so gerne deine Stimme hören." Jesus hört so gern unsere Stimme! Können wir uns das vorstellen? Er will aus unserem Munde hören, dass wir ihn lieben, und das immer wieder. Wie verrückt ist doch unser Gott! Verrückt nach unserer Liebe!

 

Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?

 

Schaffen wir das denn nun, ihm zu antworten? Können wir das nicht öfters mal tun? Übrigens, könnten die Ehepartner das denn nicht auch öfter mal tun? Ist es denn zu viel verlangt? Brechen wir uns da einen Zacken aus der Krone? Sagen wir doch Jesus öfter einmal, dass wir ihn lieben! Und sagen wir es auch den Ehepartnern, die es genauso gern hören! Liebe will erklärt werden. Liebe braucht Erklärungen. Natürlich braucht Liebe auch Taten. Nur Erklärungen, das könnte, wenn keine Taten dazu kommen, zu wenig sein. Dann ist es irgendwann nicht mehr echt. Aber davon rede ich nicht. Ich rede von wirklicher Liebe. Und die lebt von Taten und Liebeserklärungen. Das gehört zusammen.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du mich so sehr liebst. Du hast eine Schwäche für uns. Du bist nicht glücklich, wenn ich deine Liebe nicht erwidere. Ja, Jesus, ich will dir immer wieder sagen, dass ich dich liebe. Und das soll nicht verlogen sein. Ich weiß, dass meine Taten oft nicht dem entsprechen. Ich bin ein schwacher Mensch. Aber trotzdem will ich dir sagen, dass ich dich liebe. Ohne deine Liebe wäre mein Leben nichts. Aber mit dir wird mein Leben wunderbar. Und dafür danke ich dir.

 

 

Pastor Roland Bohnen