Montag, 19. Juni 2017

Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand. (Mt 5,39)

11 Woche im Jahreskreis – Montag

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 5,38-42.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn.
Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.
Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel.
Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.
Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.

 

Tagesimpuls:

 

Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand. (Mt 5,39)

 

Ein Wort Jesu, das schwer verständlich ist. Wir brauchen in unserem Staat z.B. eine Polizei. Die soll alle Menschen, auch Straftäter, mit Würde behandeln, aber sie soll doch Straftäter daran hindern, dass sie anderen schaden. Ich habe von einem Dorf gehört, das schon seit mehreren hundert Jahren sehr charismatisch war. Die Gaben des Heiligen Geistes, die wir aus der Bibel kennen, die wir dann aber insbesondere wieder seit dem 20. Jahrhundert wieder erleben dürfen, hätte es in diesem Dorf schon seit langem gegeben. Deswegen hätte es dort keine Polizei gegeben und auch keine Gefängnisse. Und man hätte auch keine Ärzte gebraucht. Wenn jemand krank war, dann wurde für Heilung gebetet, und er wurde gesund. Der spätere Papst Johannes XXIII hätte als junger Priester öfter dieses Dorf besucht, und das hat ihn u.a. dazu inspiriert, dass er ein stärkeres Wirken des Heiligen Geistes für die Kirche ersehnt hätte, und daher hätte er das Zweite Vatikanische Konzil einberufen. Vielleicht ist es wirklich so: Wenn in einer Gesellschaft sehr intensiv gebetet wird, dann braucht man keine Gewalt mehr, um Menschen daran zu hindern, Böses zu tun.

 

Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand.

 

Immer wieder bewundere ich Mütter, wenn sie es schaffen, voller Liebe und doch konsequent zu sein. Selber böse werden und dabei konsequent sein, ist einfach. Man brüllt das Kind an und sagt: „Nein, das darfst du nicht!" Aber auch dann die Liebe durchzuhalten, wenn das Kind murrt und meckert und vielleicht sogar laut schreit, weil es seinen Willen nicht bekommt, aber auch nicht nachzugeben, das finde ich, ist eine große Leistung. Menschen brauchen Klarheit, aber sie brauchen keine Härte. Das könnte auch ein Beispiel sein, wie man dieses Wort leben kann, nicht nur für Kinder. Auch Erwachsene brauchen liebevolle Klarheit.

 

Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand.

 

Aber ich komme zurück auf den ersten Abschnitt. Ich scheue mich manchmal vor Konflikten und bete dann lieber. Dann habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich vor dem Konflikt ausgewichen bin, statt mich mehr um eine Lösung zu bemühen. Aber tief in meinem Inneren wächst langsam die Überzeugung, dass es vielleicht doch nicht ganz so falsch ist, wie ich die Dinge angehe. Gott hätte mich ja auch mit einem anderen Charakter schaffen können, etwas hartgesottener, etwas derber vielleicht, und dann hätte ich nicht so große Schwierigkeiten, Menschen zu konfrontieren bei Konflikten. Aber vielleicht hat mich Gott auch gerade so geschaffen, weil es mein Weg ist, in solchen Fällen viel zu beten, viel auf ihn zu vertrauen, alles mit seiner Hilfe zu machen. Früher dachte ich immer, ich sei zu weich. Mehr und mehr erkenne ich, dass ich genau richtig bin.

 

Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand.

 

Aber man muss vorsichtig sein. Hier gibt es kein Entweder – Oder. Ich will nicht gesagt haben, dass man vor Konflikten weglaufen und lieber beten soll. Das wäre falsch verstanden. Aber mit dem Gebet kann man erst schon mal eine ganze Menge bewegen. Vieles löst sich dann schon durch Gottes Eingreifen. Dann bleiben vielleicht doch noch ein paar Sachen, wo man ganz praktisch aktiv werden und Gespräche führen muss. Da darf man dann nicht weglaufen. Gebet ist keine Flucht. Es ist ein wichtiger Beitrag zur Lösung von Konflikten, und es hilft uns, das Maß an Gewalt, das wir evtl. brauchen, erheblich zu reduzieren.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass wir dem Bösen keinen – oder sagen wir mal viel weniger – Widerstand entgegen setzen müssen, wenn wir viel beten. So viele Probleme kannst du lösen, wenn wir mehr beten. Aber ich will das Gebet nicht als eine Flucht verstehen, ich will auch da handeln, wo ich handeln muss. Hilf mir immer, zu erkennen, wie ich handeln muss. Hilf mir, sinnlose Konfrontationen zu vermeiden, aber hilf mir auch, zu erkennen, wo ich etwas sagen muss, wo ich den Menschen das richtige Wort schuldig bin.

 

 

Pastor Roland Bohnen