Mittwoch, 14. Juni 2017

Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. (Mt 5,17)

10 Woche im Jahreskreis – Mittwoch

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 5,17-19.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.
Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist.
Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.

 

Tagesimpuls:

 

Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. (Mt 5,17)

 

Das Gesetz, das sind die zehn Gebote und die Vorschriften, die Gott dem Volk Israel gegeben hat, hauptsächlich enthalten in den fünf Büchern Mose. Es drückt im Wesentlichen aus, wie wir Menschen leben sollen. Paulus hat es mit eigenen Worten einmal zusammengefasst: „Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!" (Gal 5,14) Dieses Gesetz gilt für uns Menschen für immer. Daran hat Jesus nichts geändert.

 

Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.

 

Allerdings haben die Jünger und auch viele gläubige Juden erlebt, wie Jesus sehr frei mit den jüdischen Vorschriften umgegangen ist. Auch Paulus forderte diese Freiheit, z.B. dass er verlangte, die Christen, die aus dem Heidentum stammen, dürften nicht zur Beschneidung gezwungen werden. Das hat dazu geführt, dass viele Menschen dachten, Jesus hätte das Gesetz aufgehoben und uns sozusagen einen Freibrief gegeben. Auch heute hört man derartige Positionen. Menschen denken: „Hauptsache du glaubst an Jesus, dann kannst du machen, was du willst."

 

Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.

 

Hier muss man einen wichtigen Unterschied beachten. Für die Menschen, die Jesus noch nicht kannten, war Opfer (im Tempel) und Gesetzesbefolgung ihre Weise, wie sie ihre Liebe zu Gott ausdrücken konnten. Aber Jesus ist in die Welt gekommen, damit wir in ihm Gott lieben können. Gott hat in Jesus ein Gesicht bekommen. Jetzt ist die Liebe zu Gott ganz einfach geworden. Wir müssen nur Jesus lieben, an Jesus glauben. Daher gibt es auch keine Opfer im Tempel mehr, das ist jetzt nicht mehr notwendig. Wir haben ja Jesus. Aber die Gebote, die Gott uns als Richtlinien zum Leben gegeben hat, die dürfen nicht aufgegeben werden. Im Gegenteil, Jesus gibt uns durch den Heiligen Geist die Kraft, diese Gebote zu erfüllen.

 

Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.

 

Man muss allerdings klarstellen, das Jesus hier die Gebote meint in dem Sinne, wie Paulus es zusammengefasst hat (s.o.). Natürlich geht es nicht um religiöse Vorschriften, wie z.B. Regeln, wie man ein Opfer zu bringen hat. Es geht um die Grundlagen der Mitmenschlichkeit, die im Gesetz des Alten Bundes zusammengefasst sind. Diese haben immer Gültigkeit, und Jesus hat sie erfüllt, und er hilft auch uns, sie zu erfüllen.

 

Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.

 

Was können wir mitnehmen für uns heute? Die Liebe zu Jesus ist sehr wichtig. Aber sie ist kein Freibrief. Es gibt Dinge, an die müssen wir Menschen uns halten. Ich kann nicht Jesus lieben wollen, aber die Gebote der Menschlichkeit missachten. Ich denke jetzt (und diese Auswahl ist rein zufällig, ohne Anspruch auf Vollständigkeit) z.B. an Verkehrsregeln, an Gebote der Höflichkeit, an Pünktlichkeit, Verlässlichkeit. Ein verbindlicher Umgang miteinander ist in meinen Augen ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Lebensqualität als Gemeinschaft. Da müssten gerade wir Christen Vorbild sein. Ein Priester, der viele Exerzitien gibt, sagte einmal: „Nirgends wird so viel geklaut wie an einem Bücherstand bei Exerzitien." Das ist wohl ein hartes Negativbeispiel. Ich weiß auch nicht, ob es stimmt. Aber was er sagen wollte: Gerade in christlichen Kreisen sollten Gebote wie Ehrlichkeit, Respekt vor dem Eigentum usw. doch besonders gut beachtet werden. Möge Jesus uns immer helfen, die Gebote der Menschlichkeit zu erfüllen, die in den zehn Geboten des Alten Testaments grundgelegt sind.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass wir schon durch das Volk Israel die göttlichen Weisungen für unser menschliches Zusammenleben geschenkt bekommen haben. Ich danke dir, dass in unserer Gesellschaft vieles davon geprägt ist. Hilf uns, dass besonders wir Christen uns immer diese Gebote zu eigen machen, dass wir sie als Maßstab annehmen. Und hilf uns, sie zu erfüllen, wie du selber sie erfüllt hast.

 

 

Pastor Roland Bohnen