Mittwoch, 7. Juni 2017

Ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes. (Mt 12,24)

09 Woche im Jahreskreis – Mittwoch

 

Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus - Mk 12,18-27.

In jener Zeit kamen einige von den Sadduzäern, die behaupten, es gebe keine Auferstehung, zu Jesus und fragten ihn:
Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, aber kein Kind, dann soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen.
Es lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, und als er starb, hinterließ er keine Nachkommen.
Da nahm sie der zweite; auch er starb, ohne Nachkommen zu hinterlassen, und ebenso der dritte.
Keiner der sieben hatte Nachkommen. Als letzte von allen starb die Frau.
Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt.
Jesus sagte zu ihnen: Ihr irrt euch, ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes.
Wenn nämlich die Menschen von den Toten auferstehen, werden sie nicht mehr heiraten, sondern sie werden sein wie die Engel im Himmel.
Dass aber die Toten auferstehen, habt ihr das nicht im Buch des Mose gelesen, in der Geschichte vom Dornbusch, in der Gott zu Mose spricht: Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs?
Er ist doch nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden. Ihr irrt euch sehr.

 

Tagesimpuls:

 

Ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes. (Mt 12,24)

 

Wenn man nicht die Schrift und nicht die Macht Gottes kennt, dann kann Religion eine intellektuelle Spielerei sein. Man macht sich Gedanken, wie man die Welt erklären kann. Und dann kommt man darauf, dass es ein höheres Wesen geben muss. Und dann versucht man sich das zu erklären. Und man meint, das wäre der Sinn der Religionen. Jede Religion und jede Weltanschauung hätte eben eine mehr oder weniger differierende Meinung davon, wie Gott und die Welt zu erklären sei. Die Menschen, für die Religion eine Art Weltanschauung ist, sagen auch meistens, dass keine Religion den Anspruch erheben dürfe, die allein richtige zu sein. Für sie ist eben alles eine Art intellektuelle Spielerei.

 

Ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes.

 

Aber wenn man die Macht Gottes erfahren hat, dann sieht man das anders. Kurz nachdem ich die Macht Gottes erfahren hatte, traf ich in einem Hotelzimmer einen Moslem, der in seiner Religion das war, was man bei uns Theologiestudent nennen würde. Ich war damals katholischer Theologiestudent. So hatten wir sehr gute  Gespräche. Und dann dachte ich: Jetzt ziehe ich mein „Trumpf As". Ich erzähle ihm von meiner Erfahrung der Macht Gottes. Das muss ihn überzeugen, denn bisher hatten wir nur gefachsimpelt über unsere Überzeugungen. Aber ich hatte ja mehr. Ich hatte ja Gott erlebt! Und dann wurde ich enttäuscht, denn auch er wartete auf mit einer tiefen mystischen Erfahrung, die für ihn ausschlaggebend war für seinen Berufswunsch. Damit hatte ich nicht gerechnet. Aber hier wird klar: Deswegen betont Jesus nicht allein die Macht Gottes, sondern auch die Schrift. Mohamed hatte auch eine machtvolle Erfahrung, und er meinte, etwas Göttliches erlebt zu haben. Aber es war nicht in Übereinstimmung mit der Schrift. Für uns Christen ist klar, dass diese Erfahrung, so machtvoll sie gewesen sein mag für Mohamed, nicht von Gott kam. Wenn wir eine Erfahrung der Macht machen, dann müssen wir prüfen, ob sie mit der Schrift übereinstimmt.

 

Ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes.

 

Glauben im Sinne Jesu ist nicht nur eine intellektuelle Spielerei, wo verschiedene Menschen verschiedene Weltanschauungen haben. Glauben ist die Erfahrung der Macht Gottes. Aber es muss wirklich die Macht Gottes sein, keine andere geistige Macht. Und ob es sich um die Macht Gottes handelt, die wir erlebt haben, das erkennen wir daran, dass alles in Übereinstimmung mit der Schrift ist, mit der Lehre Jesu, mit der Tradition von Jesus, wie sie in der Kirche überliefert ist. Daher müssen wir die Schrift gut kennen, damit wir nicht getäuscht werden. Und wir müssen die Macht Gottes kennen lernen.

 

Ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes.

 

Wie kann das geschehen, dass wir die Macht Gottes kennen lernen? Das geht durch die Sakramente, durch das regelmäßige und beständige Beten, das geht vor allem durch die Lebensübergabe, dass wir wirklich unser Leben und alles, was dazu gehört, bedingungslos in die Hände Gottes legen. Wir können Gott nicht manipulieren, aber er wird sich uns zeigen, weil er sich offenbaren will. Er will noch viel mehr, dass wir seine Macht kennen lernen, wie wir selber es uns ersehnen. Und wenn wir es ersehnen, dann ist er es, der diese Sehnsucht in unser Herz gelegt hat, damit wir nach ihm suchen.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir für deine klaren Worte. Ich will deine Macht immer mehr erleben. Ich will mich dir hingeben, dir mein Leben übergeben mit allem, was dazu gehört. Ich will dein Wort immer besser studieren, damit ich bewahrt werde vor Täuschungen. Danke, dass du alles für uns tust, damit wir dich immer besser kennen lernen können.

 

 

Pastor Roland Bohnen