Samstag, 28. Januar 2017

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. (Mt 5,6)

04 Sonntag im Jahreskreis

 

EVANGELIUM

Mt 5, 1-12a

 

In jener Zeit

1als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.

2Dann begann er zu reden und lehrte sie.

3Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.

4Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.

5Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.

6Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.

7Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.

8Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.

9Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.

10Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.

11Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.

12Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.

 

 

Tagesimpuls:

 

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. (Mt 5,6)

 

Jesus möchte, dass wir eine Sehnsucht in uns haben. Das Wort Gerechtigkeit dürfen wir nicht zu eng fassen. Es ist mehr als nur, dass man etwas gerecht verteilen müsste. Denken wir z.B. an den Römerbrief, wo Paulus intensiv unsere Gerechtigkeit vor Gott und unsere Rechtfertigung durch den Glauben diskutiert. Gerechtigkeit ist im biblischen Zusammenhang so ähnlich, wie wenn man heute sagt: „Dieser Mensch ist ein guter Christ." Oder sogar: „ein Heiliger, ein heiligmäßig lebender Mensch". Es geht darum, dass unser Leben insgesamt richtig ist vor Gott. In diesem Sinne ist die Sehnsucht nach Gerechtigkeit gleichzusetzen mit einer Sehnsucht nach Heiligkeit. Und diese Sehnsucht wiederum kann jemand, der Jesus verstanden hat, nicht für sich allein leben. Wir sehnen uns danach, dass viele Menschen, ja unsere ganze Gesellschaft heilig lebt vor Gott, dass der Friede und die Liebe Christi überall Einzug hält. Man sieht dies schon in der Kirchengeschichte. Wo ein Heiliger ist, da sind meistens auch mehrere Heilige zu finden, denn einer inspiriert den anderen. Heilige ziehen meistens ein ganzes Gefolge von anderen Heiligen nach sich.

 

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.

 

Unser Hunger und unsere Sehnsucht beziehen sich also auf die Heiligung, unsere eigene und die der Menschen um uns herum. Nun sollen wir uns fragen: wie steht es mit unserem Hunger, wie steht es mit unserem Durst? Bin ich eigentlich satt? Oder gibt es in mir diesen Hunger? Wenn ich mich nach diesem Hunger sehne, dann sollte ich darauf achten, dass ich mich nicht zu sehr an Sachen sättige, die in die falsche Richtung gehen. Wenn ich z.B. vor einem wunderbaren gemeinsamen Essen, zu dem ich eingeladen werde, meinen Bauch mit Schokoriegeln vollstopfe, dann vergeht mir der Hunger und der Appetit, und ich kann das eigentliche Essen nicht mehr so genießen. Wenn ich will, dass meine Sehnsucht nach dem Reich Gottes wächst, dann muss ich auch darauf achten, dass ich mich nicht mit falschen Dingen vollstopfe.

 

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.

 

Der Hunger hat viel zu tun mit unserer Gotteskindschaft. Ein Kind ist offen, es will lernen, es vertraut. Ein Erwachsener denkt, er wüsste schon alles, er ist nicht mehr bereit zu lernen. Daher müssen wir Kinder bleiben vor Gott. Wir müssen uns immer diese Bereitschaft bewahren. Wir müssen in der Haltung bleiben: „Herr, lehre mich, ich weiß noch gar nichts, ich will von dir lernen." Und in der Tat, vor allem, wenn wir bedenken, wie viel Übernatürliches es allein auf dieser Welt gibt, von dem wir fast gar keine Ahnung haben, dann haben wir allen Grund, in dieser offenen, lernbereiten Haltung der Kinder zu bleiben. Vielleicht geschieht deswegen so wenig Übernatürliches bei uns, weil wir alle viel zu gebildet sind. Wir haben unsere Theologie, haben Gott in unsere Box gesperrt, und wir erwarten nicht mehr von ihm, als wir uns jetzt vorstellen können. Damit meine ich nicht die anderen. Jeder sollte ich selbst prüfen, ob er nicht eingefahren ist in ein Denksystem, und ob er wirklich noch den Hunger hat, völlig Neues von Gott zu lernen, was vielleicht nicht nur sein Denksystem, sondern auch sein Leben erschüttern würde.

 

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.

 

Hunger und Durst haben! Dazu fällt mir viel ein! Die ganze Sehnsucht in meinem Herzen nach mehr von Gott, mehr übernatürlichem Handeln Gottes in unserer Welt, in unserer Gesellschaft, mehr Glaube, mehr Liebe, mehr Hoffnung! Ein Kind will wachsen, ein Christ will mehr vom Reich Gottes erleben. Bewahren wir uns diese Sehnsucht nach mehr Fülle! Und achten wir darauf, dass wir uns nicht mit falschen Dingen vollstopfen, die unsere Sehnsucht ersticken, unseren Hunger vorzeitig stillen.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir von ganzem Herzen, dass du uns anregst, mehr Sehnsucht, mehr Hunger zu entwickeln. Ich bitte dich um Verzeihung, dass ich oft viel zu satt bin. Dass ich bei meinen primären Bedürfnissen stehen bleibe und dich an die zweite Stelle gesetzt habe. Gib mir Liebe ins Herz, dass ich wirklich mit den Bedürftigen leide, dass ich wirklich voller Sehnsucht um den Frieden und um göttliche, übernatürliche Lösungen bete! Gibt mir Hunger und Durst nach dem Reich Gottes, nach deiner Gerechtigkeit, nach Heiligkeit unseres Lebens.

 

 

Pastor Roland Bohnen